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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-12-18 · Heft 41 (18.12.1887) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 41 (18.12.1887)
Date
1887-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreiehiseh-ungarische Wränum er n ti onspreis Mir V«r«tn-Mitglieder. <8a»zjührig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 Vikrt.ijLhriq fl. 1.25 Pt Nicht« itglieder Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig - fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.50 Adr da» Au-la«d Ganzjährig fl. 7.— 1r Mark oder r Rubel. Organ für ilie Ktttmffe» Mischer Umi Hrscheirrt jeden d t t « | a j. Begründer: Obcrcantor Jacob Bauer. II., Rovaragaffe Nr. N Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht tetournirr. Nr. 41. Wien- 18. Dezember 1887. 7. Jahrgang. Chanlikabktrachtnng. Nicht die Tage, an denen glorreiche Siege erfochten und die J Schwerter unserer heldenmüthigen Schaaren das Schlachtfeld mit dem Blute unserer Feinde purpurroth färbten, sind im jüdischen Kalender besonders verzeichnet und Fest- und Freudentage des jüdischen j Holkes geworden. Gewiss, die Zahl der letzteren wäre um ein Bedeutendes erhöht worden, hätte man diösen Tagen eine sö große . Würdigung und solche Bedeutung zuerkannt; denn oft wiederholt sich vor dem Auge des in die Vergangenheit dieses Volkes blickenden Forschers das erhebende Schauspiel, dass diese Gedrückten, mit Füßen Getretenen gegen die Harte und ungerechte Unterdrückung ihrer Verfolger sich stolz aufbäumten, mit Löwenmut und Todesverach- J tung gegen sie ankämpften — und siegten. Freude empfinden ob des Sturzes, der Niederlage seiner Feinde, das ließ und lässt sich mit dem Wesen, den Gefühlen des jüdischen Volkes nicht vereinigen. Das Wort ihres weisen Königs »binfol ojiwcho al tismochc ist ihnen nicht erst als Norm, als Grundsatz zugerufen worden, es ist vielmehr das Produkt ihres Volksgefühles, es ist gleichsam ihrem National - Charakter entsprungen. Wie kann ein Volk die blutige Niederlage seiner Feinde zum Triumphe oder für spätere Generationen zur Quelle der Lust und Freude machen, dessen Weisen so sinnig und schön Folgendes erzählen: Als die Egypter die Israeliten hart bis zum Meere verfolgten, dort endlich von der längst verdienten Strafe ereilt wurden und todt in die brausenden Meeresfluten hinabsanken, da wollten die Engelsschaaren, triumphirend ob des endlichen Sieges Israels, ein Lob- und Dankeslied dem Allmächtigen, der dieses große Ereignis bewerkstelligt, anstimmen, doch sie mussten innehalten, denn der Schöpfer rief ihnen, ihren Uebereifer, ihre Voreiligkeit rügend, zu: maasse jodi towin bajom weatem rauzin laumar schiro, in dem Momente, wo die schönen Werke elend zu Grunde gehen, ist es da zeitgemäß dem Meister Lob «zu singen?! Bedürfen diese Worte noch eines näheren Commentars und kommt hier nicht der schöne Gedanke vollauf zum Ausdrucke: die Juden konnten deshalb nicht die Tage ihrer herrlichsten Siege festlich und feierlich begehen, weil sich ihnen zugleich unwillkürlich und mit unwiderstehlicher Kraft der schreckliche Gedanke aufdrängte, dass die Schaaren ihrer Feinde, die röchelnd unter ihren siegreichen Schwertern dahinsanken, Menschen waren, Geschöpfe Gottes, die sie, nur der zwingenden Nothwendigkeit gehorchend, vernichtet und hinweggerafft hatten. Der 2b. Tag im Monate Kislew erweckt in uns die Erinnerung an einen herrlichen Sieg, ein Sieg selten in seiner Art: Ein hochbetagter Greis eröffnet den Kriegszug, entfaltet das Banner für ein ewiges, göttliches Prinzip, und nur ein geringes Häuslein einfacher, schlichter Bürger schaart sich um dasselbe; jedoch von dieser erhabenen Idee getragen, stürzen sie mit einer Begeisterung und einer Kühnheit ihren Feinden entgegen und thaten Wunder von Tapferkeit. Allein nicht dieser Sieg ist es, dem das Chanukafest seine. Entstehung verdankt; nicht um dieser denkwürdigen Schlacht ein unvergängliches, unverwüstliches Denkmal zu setzen, haben es uns unsere Weisen zur Pflicht gemacht, die Lichtlein an diesen Tagen anzuzünden. Er ist wohl würdig dieser schöne und große Moment, der Nachwelt überliefert und verewigt zu werden, aber er tritt in den Hintergrund; es wird übertönt der hol anos gewuroh, der Siegesruf von dem stürmischen Halleluja, das von der begeisterten Schaar beider Tempelweihe angestimmt wurde. Und weil dieser günstige Umschwung ihrer Verhältniße, die ungestörte Freiheit in der Ausübung der religiösen Bedärfniße^. die Reinigung und Heiligung des Tempels durch diese Siege allein ermöglicht wurde, darum fällt auch auf sie ein Lichtstrahl, wurden auch sie der Vergessenheit entrissen, wird auch ihr Andenken nicht verlöscht werden, so lange das Fest der Tempelweihe wird gefeiert werden. Die rechte Stimmung und Erhebung zu diesem Feste konnten wir aber erst dann gewinnen, wenn wir an dem herrlicher», zahlreich besuchten Gottesdienste in den bedeutenden Synagogen der Residenz theilgenommen; der wunderschöne, Herz und Gemüt erheiternde Gesang, der hier angestimmt wurde, brachte uns in des Wörter streng» ster Bedeutung das Fest der Tempelweih e. j. W.

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