Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 37 (16.11.1887)
- Date
- 1887-11-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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S in g er in Wien. : \ . ׳.; II. Serie . •; . ׳. XII. ~?"Wirbetonten in den letzten Aufsätzen die hohe synagogale Bedentuug der Lewandowskischen Musikschöpsungen, weil dieselben überall den traditionellen Anknüpfungspunkt verrathen. Allein Lewandowskis Weise ist es nicht, gleich so vielen Anderen, einfach alte Melodien in moderner Gewandung für die :Gegenwart zu verwenden und auf diese Weise eine ungerechtfertigte, rasche Ueberbrückung zweier verschiedener Kunstphasen herzustellen. Lewandowski weiß es nur zu gut, dass jeder Hauptepoche einer anerkannten Kunstbestrebung die verschiedensten und unscheinbarsten Vorstufen vorausgegangen sein müssen, die der. Komponist nicht außer Acht lassen darf, wenn seiner Kunstschöpsung nebst der vollendeten Form auch der nöthige didaktische Werth zuerkannt werden soll. Diese Vorstufen sind allerdings in keiner Geschichte des Synagogengesanges theoretisch gekennzeichnet, und dieser bedauerlichen historischen Lücke ist ja auch die noch bedauerlichere Willkür zuzuschreiben, wie dieselbe auf synagogal-gesanglichem Gebiete sich seit Dezennien breit machte. Ueberließe man diesem-planlosen Ungefähr noch weiter die Machtvollkommenheit, so fände man niemals einen Ausweg aus dem Wirrsal synagogäler Gesangsstyle und diejenigen, die einstens das Erbe dieser Kunstbestrebungen anzutreten hätten, stünden macht- und rathlos einem unlösbaren Räthsel gegenüber. : Deshalb muß es als eine echte Künstlerthat nachdrücklichst betont werden, dass einzelne unserer Kunstheroen ihre Gesinnung, trotz > *) Am 8. Jänner 1888 wird es ein Jahr, seitdem mein letzer Artikel deS vorlicgendcn Aufsatzes erschien. Zuerst waren es Familien- und Amts-- ereignißc, die mich in meiner Lieblingsbeschäftigung hemmten, und wenn dem Arbeitsflüsse einmal Einhalt geboten ist, so wird eS im Drange der großen Amtsthätigkeit schwer, die periodische Arbeit •wieder aufzunehmen. Diese wenigen Lstörte mögen als Entschuldigungsgrund für die allzugroße Pause freundlichst hiugenommen werden. Der Autor. sogenannter Autoritätenmachtsprüche und inmitten der lauten Anerkennung zweifelhafter Bestrebungen, unangetastet, rein erhaltend, eigene Wege wandelten, die endlich eitlen segensvollen Ausblick gestatten. Diese Bedeutung muß Lewandowski voll und ganz zuerkannt werden. Nicht etwa eine theoretische Abhandlung über die Stylentwickelung aus synagogal-gesanglichem Gebiete schrieb Lewandowski sondern die seinen componistischen Schöpfungen verliehene Char a k t e r i st i k bildet den allerbesten Leitfaden für die angedeuteten didaktischen Zwecke. Schlagen wir zur Erhärtung unserer Anschauungen den II. Theil des von Lewandowski im Jahre 1882 veröffentlichten vierstimmigen Gesangswerkes 106311 1ve'8imr3. aus und beginnen unser Studium nicht wie üblich mit den allerersten Nummern der gegebenen Reihenfolge, sondern richten wir unfern Blick aus die dem Werke in dem kleinen Anhänge S. 333 beigegebenen Orgel-Ritornelle und Vorspiele. Nun, diese lediglich für die Orgel bestimmten, kurzen Sätze wird doch sicherlich jedermann als unverfälschte Schöpfungen unserer Zeit anerkennen; denn in früheren Jahrhunderten kannte ja die Synagoge keine Orgel, und doch, wir forschen vergebens, um nur auch ein äußeres Merkmal anzusühren, nach den weißen Notenköpfen des so sehr gerühmten Kirchenftyles oder der noch mehr beliebten Choräle. Wie, fragen ivir, war es den möglich, nur eine > für obligate Orgel bestimmte Piece zu schreiben, ohne im günstigen Falle bei den Orgelkönigen Händel, Bach rc. eine Anleihe zu machen; ja vielleicht gar mit Selbstbewusstsein daraus hinzuweifen, dass diese oder jene Nummer ganz im Bach'schen oder Hände loschen Style geformt sei? Wir denken wol, dass es eines besseren Geleitsbrieses, als es der Hinweis auf den Orgelstyl der benannten, unsterblichen Meister ist, sicherlich nicht bedarf, um alle etwaigen Angriffe und Anfechtungen zurückzuweisen. Alle diese Fragen und Bedenken finden jedoch eiue genügende Erklärung, wenn wir diese Schöpfungen der Lewandowskischen Muse mit vorurtheilssreiem Blicke betrachten. Lewandowski brauchte blos aus? dem frisch sprudelnden Quell des traditionellen Synagogengesanges zu schöpfen, um die allein richtigen Motive für diese kurzen Orgelsätze