Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 35 (31.10.1887)
- Date
- 1887-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreiehisch-ungarische Krünu-ri erationspreis Flie Bkrci»s«1itgNkder. Ganzjährig fl. S.— Halbjährig fl. 2.50 Vierteljährig fl. 1.25 ' Fiir Richl» itglicder Ganzjährig ' ' fl. Halbjährig. fl. 3.— Vitznljährig fl. I.sv daK AuSla«,»!1 Ganzjährig . fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. ::,^y Organ ♦ e tl!e Mischer ^;tutoren mul DUltnsbeamten. r f ch e int j e d e n ach t e n G a g. B e g r ü n d er: Obercantor Jacob Bauer. i Uedaclio« und Administration W i e 11,! UL, Novaragaste Nr. N! Inserate f Werden billigst.berechnet. Manuscripte werden nicht retouruirl. Nr. 35. ien, 31. Dctobrr 1887. 7. Skiyen aus dem Hirtenleben -er alten Hebräer. IV. : - . - ' Die Hauptkleidung der HirtenwLr.ei1r.Mantel..oderPelz, in^ dem sie den ganzen Körper einhüllen konnten. So spricht der Prophet Zeremias .,.״ .״ועטה אתארץ מצרים כאשר. יעטה הרועה אתי מדוEr, Aebu- •kadnezar, wird das Land Mizrajim sich umhüllen"^ d. h. zur Beute .machen, ״wie der Hirte seinen Mantel sich umhüllt" (Jer. 43, 12׳.) .Lu den besonderen Vorzügen der alten Hebräerhirten. muß noch ,hinzugefügt werden, dass, sie sehr mäßig lebten und mit schmaler Kost sich, zufrieden stellten. Der Prophet Amus war ein Hirte, er gehörte zu den wahren, aufrichtigen, unbestechlichen Propheten. Er prophezeihete dem Könige vom Reiche Israel, Jerobeam, zufolge seines Frevels den Untergang. Und als der Priester Amazia ihn entfernen wollte, ' redete er Ihn. mit den Worten an: ״Flüchte dich ,nach dem Lande Juda", er roottte ihm damit anzeigen, dass ihm Gefahr droht «״ ,״וכאל שם לחם ושם.תנבאiss dort dein Brot und prvphezeihe dort". Damit wollte er ihm einen Vorwurf machen, dass er auch nür ein bezahlter Prophet, ein Prophet von Profession sei. Darauf antwortete ihm Amus: »״ "בקר אנכי ובלם שכ,מיםIch bin ein Hirte und lebe von Feigen" (Amur, ,7. 12—15), d. h. er begnügt sich nach ׳Art der' Hirten mit.dürftiger Kost und bedarf der Be- Zahlung nicht. Wir finden uns veranlasst, eine Parallele aus der. vaterländischen Geschichte hier anzureihev, welche Ähnlichkeit das Hirtenleben auf den Pusten Ungarns mit dem der alten Hebräer hat. Es diene das thei'lweise als Beweis, dass die Juden in Ungarn .durch ihre orientalische Herkunft - gleichsam stammverwandt-.sind mit. den Magyareil, sich zu ihnen; hingezogen fühlen, welches sie auch durch Wort, Gesinnung und That bezeugen."Schon in dem finsteren Mittelalter, wo der Jude, nirgends geduldet, keinen Ruheort finden konnte, war das Ungarland ein Asyl^ wohin die Verfolgten sich geflüchtet, Haus und Hof sogar erben konnten. Als Quelle zu unserem Bilde benützen wir : Gemälde von Ungarn, von Johann Csäplovicz. Zn der Sprache der Magyaren ist die Benennung, eines Schafhirten j uh a s z von j.uh, Sch^.f. Ein schöner, nicht großer, aber kräftiger muskulöser Menschenschlag, abgehärtet, an Entbehrungen gewöhnt, diese um so leichter ertragend/ da er wenige Bedürfniße hat. Ebenso leicht ist die'Putzsucht dieser Menschen zu befriedigen. Ein weites Hemd und ähnliches Beinkleid von grober Leinwand, ein breit-- ^Hrämpiger. ׳ Hut und der zottige 'Schafpetz, Bunds genanntz welche dem Manne zum Zelte, zum Bette und als Ofen dient, machen seine Garderobe aus. Schwarz ist seine Wäsche vom langen Tragen, denn sie kommt ihm nicht vom Leibe, bis sie in Stücken zerfällt. Man wird dieses ganz natürlich finden, wenn man bedenkt, dass diese Menschen Jahr aus Jahr ein in ungebundener Freiheit auf der Haide, ohne ein anderes Dach, als jenes des Himmels, oder hochstens eine Erdenhütte zum Schutze haben. Die Wäsche schmieren sie mit Fett, um sich vor Ungeziefer und zugleich auch vor der Sonnenglut zu verwahren. Als unzertrennlicher Begleiter, als treuer beinahe nichts kostender Gehilfen, als unbestechlicher Wächter des Viehes, bedienen, sie sich der Hunde. Die ungarischen Hirtenhunde sind groß, langhaarig, schneeweiß. Sie bewachen die Heerde mit der größten Aufmerksamkeit und lagern sich gern auf Misthaufen oder anderen Hügeln, um von dort, wie von einem Wachtthurme Alles übersehen Zu können. Mit einer beinahe menschlichen. Vorsicht, mit unermüdeter; Arb dt halten sie die Heerden zusammen, treiben die von den Mutterschafen sich trennenden Lämmer zur Heerde und 1 verscheuchen die Raubthiere, auch fremde unbekannte Menschen. Kinder haben sie gerne, und lassen sich alle Neckereien von ihnen geduldig, gefallen. Auch Minderjährige fallen sie nicht an, sie versehen förmlich die Dienste der Polizei, sind auch gelehrig und treiben allerhand- Possen. - Wir-, ersehen daraus, welche frappante Aehnlichkeit das Hirtenleben der Magyaren mit dem der alten Hebräer hat. 4. Kehren wir^ zu unserem Thema zurück. Den Hirtenstand hielt nran überhaupt für sehr achtbar. Auch Reiche und Vornehme verschmähten es nicht, Hirtengeschäfte zu verrichten. Rachel, die Tochter des reichen Laban, hütete die Schafe ihres Vaters, war trotz ihrer Schönheit eine Schäferin. So waren auch die Patriarchen, Moses und David, anfänglich Hirten. Da sich auch ausgezeichnete Propheten mit Liebe und Treue dem Hirtengeschäfte unterzogen, so wurden