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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-08-27 · Heft 28 (27.8.1887) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 28 (27.8.1887)
Date
1887-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Organ H»rärnnrl erati onspxeis Fiie Vereinsniiiglieder. Ganzjährig fl. s.— Halbjährig;. fl. 2.50 Vierteljährig fl. 1.25 Für Nicht» itglieder Ganzjährig : .fl. 6.— Halbjährig - fl. 3.— Vierteljährig fl. I.ött Für das Ausland Ganzjährig fl. 7.— 12 Mark oder S Rubel. für Oe Ostereffen Wischer Anntoren mul Hnltusbmmten. O r s ch e i n 1 jeden achten Jag. B e g r ü n d e r: Obercantor Jacob Bauer. Medaction und Administration Wien, II., Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirr. Rr. 28. Wien. 27. F -— Der jüdische Cmstor und -er Gesehentwurj;nr Regelung -er M-ischen Gemeindeverhliltniße. Von Obercantor Jos. Singer in Wien. Der Entwurf für die gesetzliche Regelung der israelitischen Cultusgemeinden, den die ״Oesterreichische Wochenschrift" in einer ihrer letzten Nummern veröffentlichte, erwähnt mit keiner Silbe, dass es doch auch endlich an der Zeit wäre, die Rechts- und anderweitigen Verhältniße der jüdischen Cantoren zu ihren Gemeinden wie dem Staate gegenüber zu regeln. Die Signatur dieser auch in der österr.- nngar. Cantoren-Zeitung veröffentlichten 19 Paragraphen zeigt es zu deutlich, dass dieselben ganz entschieden von einer Persönlichkeit herstammen, welcher die betreffenden Verhältniße entweder vollständig fremd vder trotz genauer Kenntnis dieselben dennoch absichtlich außer Acht lässt. Sonst wäre es ja nicht erklärlich, warum die Paragraphe 3, 9. bis 11 stets nur von Rabbiner, Rabbinats - Stellvertreter, Prediger und Seelsorger verhandeln und das Verhältnis des Cantors zur Gemeinde vollständig ignorirt erscheint. — Gewiss ist es nur höchlich anzuerkennen, wenn die Angelegenheiten der benannten Herren nach Möglichkeit geordnet werden, wie es andererseits wieder unbegreiflich erscheint, warum die Nechtsverhältniße des jüdischen Cantors, als eines ׳der ersten Factoren des modernen jüdischen Gemeindelebens, gar nicht beachtet, und nur, wie beispielsweise im Paragraph 3 ganz nebensächlich unter ״anderen Gemeindebeamten" behandelt erscheinen. Diese bedauerswerthe Thatsache involvirt eine Zurücksetzung und, falls diese eine stillschweigende Hinnahme fände, eine bis zur Vernichtung führende Schädigung des jüdischen Cantorates. Deshalb fühle ich, als Vorsitzender des ״Oesterreichisch-ungarischen Cantoren- Vereines", mich verpflichtet, .nachfolgende Kundgebung allen maßge- -Lenden Kreisen, in erster Reihe jedoch einer. hohen Staatsbehörde zur freundlichen Kenntnisnahme ergebenst vorznlegen. Es ׳ ist schon, wiederholt erörtert worden und allenthalben bekannt, dass das jüdische Cantorat nicht.etwa ein Ergebnis der Neuzeit ist, sondern dass dasselbe seine altersgraue Geschichte auf- August 1887. 7. Jahrgang. weist, wie es ja, namentlich den Herren Rabbinern, vollauf bekannt ist, dass viele jüdische Cantoren der alten und ältesten Periode neben ihrem Berufe auch Männer der Wissenschaft waren, und wenn ich auch hier gerne auf die zu oft gebrauchte Anknüpfung des heutigen Synagogengesanges an die Levitengesänge Zions verzichte, so darf ich doch behaupten, dass die jüdischen Cantoren von dem Momente, da die Juden ihre . Harfen, an den Stromusern Babels zerschellten, bis zur heutigen Stunde treue Begleiter ihres Volkes durch die schweren Wechselzüge des Lebens waren und durch ihren andachtsvollen Gesang redlich ihr Scherftein zur Erchebung und Kräftigung der Gemüther beitrugen in jener Zeit, da noch tiefe Schatten das Leben der Völker umhüllten. Die jüdischen Cantoren vergangener Jahrhunderte waren die Schöpfer jener heiligen Melodien, deren Töne wie Zauberkräfte die umnachteten Gemüther erheiterten und die selbst in den heutigen Gotteshäusern Israels ihre Vollkraft bezeugen. Viele der üblichen Gebete, wie hol nidre 2c., wären längst aus der Gebetordnung entfernt worden, wenn die Melodien nicht frisch im Volke lebten und als heilig betrachtet würden. Wenn demnach die älteren Rabbinen ihrem Volke verzeichnete Schätze ihrer Geistesarbeit hinterließen, so waren die jüdischen Cantoren nicht minder bedeutend Durch Aufstellung der oben erwähnten Melodien, und wenn jene Geistesheroen entschwundener Tage ihren Lehrhäusern Glanz und Ruhm verschafften, so waren die berühmten Chasanim nicht minder 1 bedeutend mit der Leitung ihrer Süngergesellschaften, wie mit der Vorführung ihrer Gesangskunst. Selbst die Periode der fahrenden Rabbinen (Maggidim und Darschanim) blieb von dem jüdischen Cantorenthum nicht unbeachtet und lieferte eine stattliche Anzahl reichtalentirter und stimmgewaltiger Barden, die geradezu eine Weltberühmtheit erlangt hatten. Dowidl Brod, Katschan, Kanarik, Herschl Kiew 2c. sind Namen, die aus alter Zeit mit mächtigen Tönen zu uns herüberklingen. Der Anfang und die ersten Decennien unseres Jahrhunderts drängten das Rabbinenthum zu einer fortschrittlichen Bestrebung, welcher all jene Leuchten der jüdischen und auch der allgemeinen Wissenschaft entsprossen, die Musterbilder der nachfolgenden Rabbiner- Prediger und theils durch den reichen Schatz ihres Wissens, theils durch zündende Beredsamkeit Pionniere für die einzuschlagende, moderne

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