Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 27 (19.8.1887)
- Date
- 1887-08-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterr eiehiscii - imgarisehe Organ H'rännw eratiorrspreis Füe Vercinsmiiglie-cr. - Ganzjährig fl. 5.— Halbjährig ־ fl. 2.50 VirrteljShrig fl. 1.25 Für Nicht» ltgtteder Ganzjährig fl. 6.— ',Halbjährig ' fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.50 Für das Ausland Ganzjährig ' fl. 7.— 15 Mark oder K Rubel. ilte Werefsen Wischer ^Mtoren Miß Aultusbesnilen. § t f feint jeden achten Gag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. - Hledaction und Administration Wien, II., Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden tnuigst berechnet. Manuskripte werden nicht retouruirt. Nr. 27. Wien, 19• August 1887. 7. Jahrgang. Me neuen Vereinsstatuten § 2 «nd § 3 der neuen Statuten des ßantoren - Mereines. Besprochen von Josef Rosen bäum, Obercantor in Graz. ״Der Zweck des Vereines besteht in der Wahrung und Förderung der socialen Interessen des Cantorenstandes und der materiellen Interessen der Vereinsinitglieder", so lautet §2 ׳ der neuen Statuten des Cantoren-Vereines. Was in der Welt ist geeignet, auf das Denkvermögen des jüdischen Cantors anziehender zu wirken, seine Theilnahme mehr anzuregen, seinen Eifer mehr auzuspornen, als diese wenigen Worte? Jnvolviren doch dieselben das Heil unserer - Gegenwart und Zukunft! Wohlan, auch ich, einer der Jüngsten unseres Standes, will mir erlauben, ein Augenmerk auf diesen .Passus zu richten und mit meiner bescheidenen Meinung diesmal hervorzutreten. . ״Dieser Zweck wird insbesondere erreicht: a) Durch Besprechung der Standesinteressen in dem Vereinsorgane, der österr. ung. - Cantoren - Zeitung, und Wahrung derselben nach jeder Richtung hin. b) Durch Anstrebung staatlicher Anerkennung der Cantoren und Gleichstellung derselben mit geistlichen Funktionärenc) Durch Unterflützung berufsunfähiger Mitglieder, sowie der Witwen und Waisen verstorbener Mitglieder, eventuell durch Gründung einer Pensionscassa. d) Bei Vorhandensein zureichender Mittel durch Gründung einer Cantorenschule" rc., so interpretirt § 3 den vorhergehenden Paragraphen. Alinea a) und c) können nur den Beifall eines jeden denkenden Menschen stnden. Das Vereinsorgan als Quelle der praktischen Belehrung, als Boden für פלפול התלמידים und als Ueberbringer wichtiger und interessanter Mittheilungen kann das Interesse des Standes nur fördern, während der Culminationspunkt c) das Fundament der Wirksamkeit des Vereines ist, der damit Humanität auf seine Fahne geschrieben. כי בצדקה ינון כפא. Ist aber Punkt b), der die staatliche Anerkennung der Cantoren und Gleichstellung derselben mit geistlichen Funktionären anstrebt, ebenso befriedigend? Was bedeutet dieser Passus und was bezweckt er? Wenn darunter ein vom Staate geregeltes Verhältnis zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer zu verstehen ist, welches manchen Gemeinden in ihrer Willkür dem Cantor gegenüber ein veto zürnst, das der Begierde gewisser Individuen nach Abwechslung — über dm Trümmern der Existenz einer Familie — einen Riegel vorschiebt, kurz, wenn damit ausgesprochen ift; dass die Cantoren als Steuer- Zahler staatlichen Schutz gegen Thorheiten diverser Müssiggänger Mangen, eine Nothwendigkeit, die mit der Existenz der Beamten׳ parallel, läuft, dann müsste der'Passus anders stylisirt sein, da das Obtenirte keine staatliche Anerkennung, sondern staatlicher Beistand oder staatlicher Schutz wäre. Ist aber in Alinea b) etwas Anderes enthalten, dann bitte ich höflichst, bevor ich mir eine Aeußerung erlaube, um nähere Aufklärung. Was aber mein Staunen erregt, ja mich geradezu verblüfft, ift Alinea ds des § 3. Eine Cantoren schule creirt von. Cantoren motu proxrio! Sonderbare Zumuthung! Ich habe noch nie gehört oder gelesen, dass irgend ein Stand darüber nach« grübelt, in welcher Weise es ihm möglich wäre, sich selber eine Concurrenz zu schaffen. Der Beweggrund zur- Ausführung eines solchen Planes, .wie ihn Alinea d) entwirft, müsste entweder die gute Sache an und für sich oder die Aussicht auf Verbesserung der Lage der Cantoren sein. Ist die Fundation einer Cantorenschule eine gute Sache? Wenn es ein großes Verdienst ist, Schulen, d. h. Stätten der Verbreitung von Kunst und Wissenschaft zu gründen, so ift die Schöpfung einer Cantorenschule ein faux - brillant, ein desolates Werk, eine Frustration, ja ein sündhaftes Vorgehen. Was heißt das, eine Cantorenschule? Unter Cantorenschule verstehe ich ein Institut, in welchem ein mit Gesangstalent begabter junger Mann das Rothwendige erlernt, um in einer jüdischen Gemeinde gegen ein geringes, seine nothwendigsten Bedürfniße kaum deckendes Einkommen, der Träger des Gottesdienstes sein zu können und dann beim Kaffeehaustische den Gegenstand der Kritik zu bilden, in der Regel geübt von Menschen, die von dem Objekte, von dem sie reden, keinen blauen Dunst haben. Die Hand auf's Herz, geehrte Collegen, wenn Sie bei Ihren Kindern beachtenswerthe Gesangstalente finden, werden Sie die Zahl der Cantoren mit ihnen bereichern? Ist es also ein Verdienst, eine Schule zu creiren, in der Männer herangebildet werden.