Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 22 (30.6.1887)
- Date
- 1887-06-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wrärmmeralionsprtts FS« Vereinsrniiglieder- Ganzjährig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 Vierteljährig ׳. fl. 1.25 Kür NkchtmItgNeder Ganzjährig fl. K.— Halbjährig fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.50 Für da» Ausland Ganzjährig < fl. 7.— 13 Mark oder 6 Rubel. Oesterreichisch-ungarische Zeitung ■ OrgraDa für ilie ^nleresftvi DWer ^-.intoren mul DvNsbeamten. Krscheirrt j e M » achten K a g. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Medaction und Administration W i e n, II., Rovaragaffe Rr. 27. Zaferate werden billigst berechnet Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 22. Wien, 30. Juni 1887. 7. Jahrgang. Einladung zur Pränumeration aus die österr.-ungar. Eantsren-Zeituug. Mt nächster Nummer.beginntdasiii. Quartal des 7. Jahrgangeswir ersuchen -daher ׳ das Abonnement umgehend zu erneuern, damit die regelmäHige Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Die Administration der österr.-ung. Lantoren-Zeitung. Aphorismen aus dem Grsangsleden. X. - Aus dem Vortrage weniger Tacte dramatischen Recitatives lässt sich' die ganze geistige Begabung, der Standpunkt der allgemeinen Bildung eines Sängers erkennen, während eine einzige Periode getragenen Cantilenengesanges hinreicht, uns die Hähe seiner gesanglichen Tüchtigkeit, die Herrschaft über sein Stimmmaterial zu offenbaren! — Deshalb ist auch das große Rccitativ, ebenso wie der ge-- tragene Gesang, die Lieblrngsaufgabe und der Triumph wahrhaft gebildeter Gesängsknnstler und — die Achillesferse aller Naturalisten. Die Nothwendigkeit einer vielseitigen, wissenschaftlichen, sprachlichen und musikalischen Bildung׳ kann deui Kunstjünger nicht oft und dringend genug ans Herz gelegt werden. Cr erlangt durch solche Universalbildung eine ganz andere Anschauung des Kunstwerkes, sein Horizont wird ein unendlich' weiterer, und so müssen auch seine tonkünstlerischen Leistungen einen viel größeren Wert, eine tiefere Bedeutung gewinnen, als die eines bloßen musikalischen— Handwerkers! — Und doch hört man noch so häufig die traurige Frage aufwerfen:' Wozu soll ich denn Dies oder Jenes lernen׳? Was Hilst es mir für meine musikalische Carriere. Das Studium der Harmonielehre ist für. Jeden, der sich der Gesangslaufbahn widmen will, geradezu unerlässlich. Soll die gute und reine Jntonirtion nicht ein bloßesWerk des Zufalls, ein Resultat eines besonders feinen Gehöres sein, sondern allezeit mit Bewusstsein und unfehlbarer Sicherheit gelingen, so muß der Sänger in jedem Augenblicke wissen, welches Intervall der zu Grunde liegenden Harmonie er eben intonirt, ob er Neben- oder Wechselnoten singt, ob sein Melodieton eine Septime oder None ist, oder die Terz, der Leit- Mn, welcher sich nach oben aupösen muß, nicht blos im vorliegenden Falle zufällig auflöst. Die Kenntnis der Modulationskshre wird ihn in den Stand setzen, Alles viel leichter und schneller auswendig zu behalten, weil ihm der Gang und die Folge der Harmonien, (nicht nur der Melodien) im Ohre bleibt. Der junge Sänger wird nie in Zweifel fein, ob er eine große oder kleine Secunde als Vorschlagsnote im Recitative anzuwenden habe und bei der Bildung einer Eadenz ebensowohl, als bei der Abänderung einer unbequemen Stelle sich selbst zu helfen wissen, ohne immer eist zum Capellmeister Laufen zu müssen! Möchten doch die jungen Künstler dies berücksichtigen und die gehörige Kenntnis der Harmonielehre, wie gesagt — für eine ganz nothwendige Bedingung gesanglicher Tüchtigkeit erkennen und mit aller Liebe und Ausdauer zu erringen bemüht sein! Es gibt kaum eine größere Beleidigung gegen das Publikum, als wenn ein dramatischer Sänger unmusikalisch, un cher in seiner Rolle und deshalb gezwungen ist, inmitten der leidenschaftlichsten Scenen, statt auf die bangende Geliebte oder den drohenden Rivalen, nach dem Capellmeister und seinem Taktstock zu schauen! Hiedurch wird nicht nur der musikalische Genuß beeinträchtigt, sondern auch der charaktervollen Darstellung und vor allem der Mimik vollständig der Garaus gemacht, indem die Züge des Sängers statt die Erregtheit liebenden Verlangens oder die vernichtende Gewalt beleidigten Stolzes aufzuweisen, einen jämmerlichen, um Hülfe flehenden Ausdruck gewinnen, der alle Illusion beim Hörer vernichtet und den Künstler zu einem Gesangschüler degradirt, welcher seine Prüfung bestehen soll und sich der Sache nicht gewachsen fühlt. So erfreulich, ja so nothwendig es für Jeden fein niag, der sich der Gesangslaufbahn widmet, gut vom Blatte singen zu können, .so tritt doch die Wichtigkeit dieses^ Verdienstes beim Concert-wie beim Opernsänger, sobald es sich um die Ausführung einer Arie oder einer ganzen. Partie handelt, sehr, ja völlig in den Hintergrund. Die ge-