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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-05-13 · Heft 16 (13.5.1887) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 16 (13.5.1887)
Date
1887-05-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichi sch-ungarische Ganioren - Zoiinng. H>rärn1rnera1ionspreis FLe BtrelnsmitgUider. Ganzjährig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 WikrteljShrig fl. 1.25 FL« Nicht» itglicber Ganzjährig fl- 6.— Halbjährig fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.50 FLr das Ausland Ganzjährig fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. Organ M tlle ^ntereMn WMer Armtoreli mul ^ultusbeklmten. KrfcheinL jeden achten Kag. B e g r ü n b er: Obercantor Jacob Bauer. Aedaction und Administration Wien, , Novaragaffe Nr. 27. j Inserate 1j werden billigst berechnet. 1׳ Mannscripte werden nicht I retonruirr. : Nr. 18. Wien, 13. Mai 1887. 7. Jahrgang. Fragmente. Aus dein alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehr. (III. Artikel-Serie.) XXVIII. ßroüeritrrgerr, WekeHrurrgen, eheliche Weröindnngen. Es ist sehr bcmerkenswerth, dass Moses, indem er die Jsraelitenim Erobern übte, doch den Geist der Eroberungen in ihnen nicht rege machte, obgleich er ihnen diese Nichtung hätte geben können und . obgleich man, nach der Energie seines Charakters zu urtheilen, annehmen muß, dass seine Bestrebungen dieser Art von großen Erfolgen gekrönt morden wären. Aber andere Pläne beschäftigten seinen Geist, er mäßigte durch das Bild der Genüsse im Frieden die Gluth, welche die Nothwendigkeit des Eroberungskrieges in den Gemüthern . entflammte und begegnete dem Gefühle des Stolzes, das der Sieg einslößt, indem er es ihnen oft wiederholt, dass der Math ihnen weniger, als die Achtung der Gerechtigkeit, der Schutz ihres Gottes und die Macht der Grundsätze, die ihre Einrichtungen beherrschten, gefronnnt habe. Die Hebräer sollten friedlich in ihren Wohnungen leben und den Arbeiten, die ihren Reichthum und ihr Lebensglück ansmachten, sich überlassen, nie ans Ruhmsucht einen angreifenden Krieg unternehmen. Sie sollten die Völker nur angreifen, wenn sie unmittelbar von ihnen bedroht werden. Alle Bestimmungen ihrer Gesetze gehen darauf ans, sie in ihrem Vaterlande festznhalten; alle, in ihnen vielmehr die Furcht vor dem Verluste der eigenen Freiheit als das Ver- .langen nach Eingriffen tn die Freiheit anderer Völker wach zu halten. Dies ist ebenfalls, wenn man von der Natur der Zeiten absieht, eine der Hanptursachen der Gewaltthätigkeiten, die sie in ihren Kämpfen entfalteten. Nur bei gewöhnlichen Interessen bleibt überhaupt das Gemüth leicht in den Grenzen der Vernunft; aber es berechnet seine Mittel nicht, wenn der Mensch um sein eigenes Dasein zu;kämpfen, hat. Der Vergleich, den die Schrift zwischen Juda und;einem Löwen, dem man seine Beute nehmen will, und der seine Beute zerreißt, sobald er sie ergriff, anstellt, bezeichnet die Art des Ungestüms treffend, von dem dieses Volk oft Beispiele lieferte, und zugleich die erstaunliche Beweglichkeit, die dasselbe plötzlich von den zartesten Gefühlen zu den heftigsten Verwünschungen treibt. So trachtete Moses immer die Eroberungsgelüste Ln seinem Volke zu schwächen, zurückzudrängen, und nur das ihm von Gott verheißene Land mit aller Kraft und Energie zu vertheidigen und ihre Freiheit zu schützen, ohne andere Nationen zu beeinträchtigen; auch darin zeigte sich die Intelligenz des alten Judenthums. Die Bekehrungssucht ist der jüdischen Gesetzgebung nicht weniger fremd, als die Sucht nach materiellen Eroberungen, mit der jene in sehr naher Beziehung steht. So lautet eilt talmudischer Spruch: ,קשים גרים לישראל כספחת", Proselytenthum ist Israel eben so lästig, wie ein Geschwulst (Nida 13.). Ferdinand II., genannt ״der Katholische", weil er mit großer Härte gegen die Protestanten vorging, begünstigte die Juden mehr, weil sie sich ferne von Proselytenmacherei hielten. Warum thaten Mahomed und seine Nachfolger, die ihre Eroberungen ganz wie die Juden begannen, so große Dinge und die Juden so kleine? Sollte dies nicht daher kommen, dass die Muselmünner die größte Sorgfalt hatten, die Besiegten auch ihrem Glauben zu unterwerfen, die Hebräer dagegen Fremde nur selten zu ihrem Gottesdienste zuließen. Das jüdische Volk fürchtete überhaupt unterjocht zu werden, das arabische Volk dagegen wollte Alles an sich reißen und glaubte sich zum Herrscher geboren. . Man hat das Beispiel der barbarischen Bekehrungssucht, welches die Genesis enthält, angeführt; aber dies beruht auf besonderen Umständen und hat sein Urtheil empfangen. ״Simon und sein Bruder Lewy wareu Werkzeuge der Gewalt, rief Jakob entrüstet, als seine Söhne die Sichemiter, die Beschneidung anzunehmen bestimmten^,.mit sie am dritten Feiertage unter ihren Streichen fallen zu lassen. Möge Gott nicht wollen, dass meine Seele Theil an ihrem geheimen Plane hätte und dass mein Ruhm von ihnen abhänge. Ihr Zorn sei verflucht, er ist mächtig, ihre Wuth verdammt, sie war unbeugsam". (1. M. 49. 6—7.) Ein einziger Fall ist uns bekannt von dem Hasmonäerfürften, Johann Hyrkan, der in seinem Eifer zu weit ging, Andersgläubige zum Judenthume zu zwingen, was nicht im Geiste der jüdischen Lehre liegt. So uöthigte er die Jdumäer, die er unterworfen hatte, zum Judenthume überzugehen und zerstörte den Tempel der Samaritaner. Es haben diese beiden Maßregeln dem Judenthume kein Heil gebracht.

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