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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-05-05 · Heft 15 (5.5.1887) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 15 (5.5.1887)
Date
1887-05-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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des zweiten Vornamens ״Leopold" in der?Weburtsmatrik zugestanden wurde, als gesetzlich unbegründet behoben wird, weil in der Geburtsmatrik die Vornamen ״Samuel Löb" eingetragen sind und das israelitische Landesrabbinat nicht conipetent ist, äuszusprechen, dass der jüdische Name ״Lob" mit dem christlichen (nicht deutschen) Namen ״Leopold" identisch sei, sowie auch eine.christliche Kirchenbehörde zu dem umgekehrten Ausspruche gleichfalls nicht die Competenz besäße". 0, W. Drag. Zn einer größeren. Gemeinde Böhmens schickte die Gattin des Rabbiners am סתת ח'המ ihr Dienstmädchen zu einem , der dortigen jüdischen Fleischhauer um ein halbes Zicklein. Als sie es brachte, war eben der שוחט anwesend und fragte ״von wem es sei. Vom Fleischer H.," war die Antwort. ״Dort habe ich ja gar kein Zicklein geschlachtet", sagte der gewissenhafte religiöse Schächter, untersuchte das corpus delicti am Halse, und siehe da, .es war nicht geschlachtet, sondern äbgestochen. Seit jenem Tage muß der Schächter bei diesem jüdischen Fleischer das 1L2-Fleisch siegeln. -- Der neue isr. Tempel, in welchem Zugendgottesdienste gehalten werden, ist von der zuströmenden Zugend (Mädchen und Jünglinge) in allen Raumen überfüllt und lassen nunmehr Haltung, Anstand und Andacht nichts zu wünschen übrig. Leider gibt es es eine kleine Gegnerschaft, Finsterlinge, welche unter der Maske, echte Juden zu sein, es nicht verschmähen, an öffentlichen Orten gegen die Einrichtung Stellung zu nehmen, um so der güten Sache zu schaden. Mögen, diese Verblendeten zur Erkenntnis gelangen, dass ein., geregelter, würdiger Gottesdienst nach Außen Achtung gebietet und vor Jndifferentismus (das große Unglück unserer Zeit) schützt.. Mögen., diese Herren erleuchtet werden und ihr Bestreben dahin richten, dass diese gottgefällige Einführung in allen, sowohl' hier als aus dem Lande bestehcnden Synagogen und Tempeln Platz greife. Mögen die berufenen, kompetenten, ehrwürdigen Vertreter unserer heiligen Religion in ihren Beratungen sich einigen, alle Sonderintereffen beiseite schaffen. Fortschritt und' Entwickelung, welche Len Kern, die Grundlehren der Religion nicht alteriren, Hochhalten um unserem zweiten Moses (Mendelssohn) im Geiste seiner Prinzipien zu folgen. ״Thora und Propheten sind der Quell unseres religionsgesetzlichen Lebens, über sie hinaus kein göttliches Religionsgesetz —: es muß aus der hässlichen Schale der goldene Kern herausgeschalt werden", nur mit' solchen Intentionen kann der traurige Verfall in allen Neligionsübnngen gebannt werden. Nur solche echtjüdische Prinzipien sind die geeignetsten, sichersten, zielbewussten Waffen, um den umsichgreifenden Antisemitismus bis zur Wurzel lahm zu legen und für alle Zeiten unschädlich zu machet,. 'Dosen. M.W- Zn der Provinz Posen und demnächst auch in der Provinz Westpreußen ist im Lause dieses Zahrcs seitens der Provinzial-Schulwllegien eine Verfügung ergangen, welche den Religionsunterricht an jüdische Schüler höherer Lehranstalten zum Gegenstände hat. Die Verfügung nimmt aus eine Entscheidung des Cultusminisiers Bezug, wonach der Staat keine Verpflichtung habe, den Schülern höherer. Lehranstalten, nicht-christlichen Religionsunterricht zu gewähren.' Wenn trotzdem eine Remuneration für jüdischen Religionsunterricht in den Gymnasial-Etat eingestellt werde, so geschehe dies unter der Voraussetzung, dass ein gleich, hoher Betrag von den jüdischen Cultusgemeinden an den betreffenden Neligionslehret entrichtet werde. Die. Regierung will hiernach nur noch die Halste der früheren Remuneration zahlen, den Religionsunterricht an jüdische Schüler aber gänzlich einstellen lassen, wenn die Cnltusgemeinde die Zahlung der anderen Hälfte der bisherigen Remnneration verweigert. Lemberg. S. J. Zn den abgelaufenen Osterfeiertagen war die jüdische Bevölkerung Lembergs. Zeuge eines neuen Schauspiels, welches allgemeine Befriedigung erweckte. Die jüdischen Soldaten der hiesigen Garnison,' ungefähr 500 Mann, rückten abtheilungsweise en parade unter der Führung von Commandantcn in den Tempel r,nd in die hiesigen Hauptsynagogen, um am Gottesdienst Antheil zu nehmen. Diese neuartige und in Oesterreich vielleicht Hoch gar nicht praktizirte Kirchparade wurde vom hiesigen Cultusgcmeinde-Vorstande veranlasst. Seit Zähren werden nämlich die jüdischen Soldaten der Lemberger Garnison während aller 8 Osterfeiertage (sowie an den Herbst-Hauptfeiertagen) von dem Cultusgemeinde-Vorstande mit Hilfe eines Spezialkomitds gänzlich rituell bespeist. Eine Deputation dieser Soldaten erschien vor den jüngst abgelausenen Osterfeiertagen beinr Mitgliede unseres hiesigen Vorstandes, Herrn Dr. Emil Byk, mit.der Bitte, dass den jüdischen Soldaten, der Besuch, der Gotteshäuser in ähnlicher. Form ermöglicht werde, wie der ihrer, christlichen /Kameraden in den Kirchen, Unser Vereinspräsident veranlasste dahereine Versammlung, der Verwaltungen des Tempels und der Hauptsynägogen und nachdem festgestellt wurde, wie viele Soldaten jedes dieser Gotteshäuser fassen könne, richtete der Vorstand eine Zuschrift an das hiesige Corps - Commando und brachte die Befreiung der jüd. Soldaten .von, Dienste und. die ganze Maßregel der geordneten Theilnähme der jüdischen Soldaten Lembergs am Gottesdienste in Vyrschlag. Mit anerkennenswerthe Bereitwilligkeit genehmigte das Corps- Commando diese Maßregel, ebenso wie dasselbe stets die rituelle Bespeisung der jüdischen Soldaten an den Ostcrfeiertagen' durch Abführung der entfallenden Menage-Gelder und dgl. unterstützt. Moskau. (Anton Rubinsteins erstes Concert-Honorar.) Vor Kurzem vereinigte sich im Sa! on Rubinstein in Moskau, eine große Gesellschaft, und einige'Damen unterhielten sich damit, das Album des großen Pianisten zu durchblättern. Auf einer der ersten Seiten befand sich das vergilbte Bild eines alten polnischen Juden, und sie fragten neugierig den Hausherrn, was das Bild zu-bedeuten habe. Dieser sägte lächelnd: ״Das ist eine für mich sehr interessante Persönlichkeit, und ich bin gerne bereit, zu erzählen, wie wir mit einander in Berührung gekommen. Ich-war ein blutjunger Bursche und hatte in einer polnischen Stadt mein erstes Concert änschlagen lassen. Einen halben Tag saß ich bereits an der Casse, -doch es: siel Niemandem ein, zu dem Clavier-Concerte Sitze zu-kaufen,- die Honorationen erhielten sie , gratis und die übrigen Leute kümnierten sich nicht darum.׳ Da kain plötzlich ein alter polnischer Jude/legte einen Rubel hin und sagte: ״Gib mir ein halbes Dutzend Sitze." Dieser, mein erster zahlender Hörer, erfüllte mich mit solch' namenlosem Entzücken, dass ich ihn, da ich einige Jahre wieder in's Städtchen kam, aus meine Kosten photographiren ließ, um mir sein Bild aufbewahren, zu können. Wem - Kork. Präsident Cleveland hat Herrn Oscar , S. Straus zum amerikanischen Gesandten in der Türkei ernannt. Da Herr Straus ein Jude ist, so trug man einige Zeit Bedenken, oll diese Wahl eine geeignete sein würde; allein die angesehensten Bürger von New-8)ork, z. B. der (inzwischen verstorbene) freisinnige Prediger Henry Ward Bcecher, sowie der frühere Mayor Grace empfahlen ihn sehr angelegentlich. Dazu kam, dass man von Konstantinopel her erfuhr, dass der Sultan auf Anfrage erklärte, er mache keinen Unterschied, ob es ein Christ oder Jude sei, die Hauptsache sei, dass an seiner Tüchtigkeit und Ehrenhaftigkeit nicht zu zweifeln wäre. Er werde den achtbaren Mann mit Vergnügen als Gesandten der großen Republik empfangen. Von besonderer Wirkung soll auch ein von dem oberwähnten Prediger H e n r y Ward Be e ch e r an den Präsideuten gerichtetes Schreiben gewesen sein, das wir im Nachfolgenden veröffentlichen: ״Grover Cleveland > Theuerer Herr Präsident! Einige unserer besten Bürger wünschen die Ernennung des Oscar Straus zum Gesandten nach der Türkei. Bezüglich seiner Qualifikation stimmen alle überein, dass er persönlich und geistig vollständig dafür geeignet ist. Ich aber interessire mich für den Mann wegen einer ganz anderen Eigenschaft; er ist ein Hebräer. Die bitteren Vorurtheile, die in vielen Theilen Europas bestehen, sollten in Amerika keine Begünstigung finden. Weil er eben Jude ist. befürworte ich seine Ernennung als eine geeignete Anerkennung seines merkwürdigen Volkes, das reichlich zu der Prosperität des Landes beiträgt und dessen Verstand, Moralität und breite Liberalität in allen öffentlichen Maßnahmen zur Wohlfahrt der Gesellschaft diese auszeichnende Anerkennung verdient und sollte sie von der Hand nnserer Regierung in einer ähnlichen Weise empfangen. Auch scheint es mir, Pflicht zu sein, in dieser ruhigen und wirksamen Weise den Genius der amerikanischen Regierung zu bekunden, die unter ihrer Obhut die Menschen von allen civilisirten Völkern einigt und sie behandelt, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche, religiöse oder Nassetteigenheilen, als gleichberechtigte Bürger. Wir schicken Dänen nach Dänemark, Deutsche nach Deutschland,, wir weisen Keinen ab, weil er Franzose ist. Warum sollten wir nicht dem Genius unseres Volkes den krönenden Beweis aussprechen, und einen Hebräer nach der Türkei schicken? Die Unwissenheit und der Aberglaube des mittelalterlichen Europa mögen die Vorurtheile jenes stnsteren Zeitalters erklären, ichkann mir aber nicht vorstellen, wie jetzt noch ein Christ sich von einem Juden abwenden kann. Das Christenthum hat an den Brüsten

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