Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 9 (13.3.1887)
- Date
- 1887-03-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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den Gemeinden herangezogen werden. Dem oberflächlichen "Beobachter mag eine solche Argumentation imponiren, wer aber genauer zusieht, der wird sich von ihr nicht irreführen lassen. Die Gefahr für unsere Stellungen und unseren Stand im Allgemeinen droht nicht von den jungen Kräften, die etwa aus der Cantorenschule hervorgehendenn das ist ja im Leben nicht anders möglich, als dass die Jungen allmalig die Allen ersetzen, und wollte man sich davor fürchten, so wäre ja jede Fachschule dem betreffenden Stande schädlich. Viel größere und gefährlichere Feinde erwachsen uns von Seite solcher Individuen, die in der einen oder anderen Lebensstellung schiffbrüchig geworden sind, und ohne jede Eignung, ohne jede Vorbildung zum Cantorate als dem ultimum refugium. Zuflucht nehmen. Heute ist er noch Schuster, Schneider, Kaufmann, Hausirer oder dergleichen, das Handwerk geht aber nicht gehörig von Statten; morgen sieht er den Cantor in einem anständigen Nocke, ״Halt",, denkt er sich, ״ich habe ja auch eine so schöne Stimme wie Der und die Silukm kenne ich besser, mir fehlt nur etwas Noten lesen zu können." Er lässt sich rasch von irgend einem Clavierdrescher ein paar Stunden geben, die Melodien hat'er irgend einem wandernden und ebenbürtigen Genossen abgepfuscht und in kurzer Zeit tritt er als ״musikalisch gebildeter" Cantor auf. Braucht die Gemeinde tn Ermanglung eines Rabbiners einen Verweser, so .ist der Candldat naiv genug, auch dieses Amt zu-versehen. Die Befugnis hiezu verschafft ihm eine pvvuuia deposita. bei einem in -dieser Beziehung verlegenen Lamden. Wird durch dieses schamlose Treiben nicht unser Stand entwürdigt, der Altar nicht entweiht? Wird die Zudringlichkeit, die Unmoralität, die Ignoranz solcher Individuen micht der Allgemeinheit zur Last gelegt? ״Ja, der Cantor", heißt es dann, ״hat wol eine schöne Stimme, aber besitzt kein Benehmen-, .,keine ethische Bildüng, kein hebräisches Wissen." Dieseln an unserem Marke zehrenden Aebel kann nur die Cantorenschule abhelfen. Wer Cantor werden will, muß entweder nach Aneignung der entsprechenden Vörkenntniße einen zu bestimmenden Zeitraum hindurch die Cantorenschule besuchen, oder beim Lehrercollegium derselben einer eingehenden Prüfung sich unterziehen. Dann ׳werden nur fachlich reife und moxalisch makellose Männer unserem Berufe herangezogen werden, und dann werden wir mit vollem Rechte und sicherem Erfolge die ״staatliche Anerkennung" anstreben können. Auf die Vorbildung, die zum Eintritte in die Cantorenschule berechtigt, sowie auf die Einrichtung und den Lehrplan des Jnstittttes will ich das nächste Mal zurückkommen. 8. 8. Äus -er Praxis. II. Hteber WrrstLrnacherei. Von M. Tinter, Cantor und Lehrer, Bunzlau, Schlesien. Unliebsam, aber dennoch unvermeidlich ist es, in unserer Fachzeitung von dem sogenannten ״Musikmachen" zu reden. Die nähere Veranlassung hiezu wird mir durch das unqualificirbäre Gebühren eines ״fliegenden Chasans" gegeben. Der ^Sachverhalt ist folgender: Vor einigen Tagen meldete sich bei mir ein Herr Ep.. ... n, der mich sofort zu sprechen wünschte. Bereitwilligst lasse ich . den Unbekannten einixäeit, der sich als College vorstellt.. Die Conversation drehte sich natürlich" über fachliche Fragen, sowie über Singen, Sagen und Componieren, aber seine Prahlereien wurden mir bald lästig, dass ich meine Verstimmung darüber. nicht verhehlen konnte. Trotzdem setzte sich der Eindringling unaufgefordert ans Clavier, drosch einige unzusammenhängende Accorde herunter, zu denen er mir seine Composition vorgnrgelte, die er gedrucktbei. sich führte, um einen größeren Erfolg "in gewissen Einnahmen zuKMeHi. Mein Ohr war aufs Höchste verletzt. — Was thun, um nicht das Gästrecht zu verletzen,? Einen Besuch vorschützend, entledigte ich mich auf einige Stunden bß unheimlichen Gastes. Am nächsten Tage Musste ich noch einen zweiten Besuch über mich ergehen lassen, den ich jedoch durch ein bewährtes Mittel, das dem liebenswürdigen ״College»" der eigentliche Zweck war, so kurz als möglich zu gestallen. Derartige Zustände vermögen in keinem Falle zur Veredlung " unseres Gesanges beizuträgen, und dennoch ״fallen"' meld'l Collegen solchen zweideutigen Persönlichkeiten in die Hände." : ׳«-u- Die Veredlung der synagogalen Mnsik-Litteratur ist. natürlich nur durch ein sorgfältiges Studium und Pflege des musikalischen .GesHmjAes s:zu ^erreichen. Darum ist die-stete Fortbildung ,dB Cantörs unbedingt erforderlich und sein Wissen und Können? darf durchaus nicht so-haH als abgeschlossen betrachtet werden. ' 7;" ׳ Nicht der Besitz einer großen Bibliothek ist' die L^aMache-. sondern das Verständnis, der Werke und die richtige Wahl derselben. aL0 hamidroseli ickor, eie damaaseh.? ^Mas diesen Punkt,anbelangt, "sö ist'K.s? eine gar eigene Sache. Die Begriffe praktisch Md. brauchbar wöN'n oft nicht recht zusammenfallen, wenn'auch noch so ״gelinde geurtheilkMM^Wer׳׳demnäch ernstlich" bestrebt' ist, den^ tzngen Kreis der musikalischen Kenntniße, den das Seminar oder sonstige Anstalten dem angehenden Cantor bieten-' 7D erweitern, der wird sich noch nach anderen BildÜngsmitteln ümsehen müssen, und dabei gerqthen manche in eine sehr gefahrsiche. Sttaße.-; Entweder sie benutzen, die erlernter:Harmonielehre sofort zu Conlpositionsversuchen, oder, wenn sie.?wirklich ׳noch eine Compositionslehre zur Hand > nehmen, um sich im Contrapunkt, und . den verschiedenen Musikformen ettvas umbuschen,..so geschieht dies nur, um schließlich auch einmal- ״Etwas machen zu können." . . Auf diese Weise wird die Masse, des faden Zeuges vermehrt und das..Gute und Bessere verdrängt. Daher, wäre es sicherlich an der Zeit, wenn Männer unseres Standes, doch Ansehe Eimes, eilte , ״Blumenlese" in ganz leichter Bearbeitung für kleine Choroerhältniße aus den besten Werken unserer Musiklitteratur zusammenstellen möchten. ״I^ekam vaaroh Agroh." (Nach Verhältnis der Mühe wird auch der Lohn fein.) Der Religionsunterricht an Sen öffentlichen Schulen. Wir haben in Nr. 5 unseres Blattes auf die Bestrebungen des jüdischen Centralvereines in Prag zur Regulirung und Förderung des jüdischen Religionsunterrichtes aufmerksam gemacht, und berichtet, dass einer "ad hoe eingesetzten Enquete 4 Fragen zur Begutachtung vorgelegt wurden. Wie nun die isr. Gemeindezeitung mittheilt, wurde in der Vollversainmlung des Centralvereines das Referat durch den Referenten, Herrn Dr. Friedrich Duschen es, zü Ende geführt. Den interessanten Vortrag geben wir im Nachfolgenden wieder: In der letzten Vollversammlung hatten wir, wie Ihnen: ver- Hrte Herren bekannt ist, , bereits den heutigen Berathungsgegenftand auf der Tagesordnung. Ich will nun im Kurzem auf die letzte ״Berathung zurückkommen. Der Ausschuss erstattete Ihnen den Bericht über den heutigen Stand des israelitischen Religionsunterrichtes an den öffentlichen Schulen, theilte Ihnen die verschiedenen Beschwerden mit, die in dieser Richtung an den Ausschuss gelangten und refe-, vierte Ihnen über die bisher eingeleiteten Schritte, insbesondere über 5 י,.-.י• -׳»י״!׳ ■י 7