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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-05 · Heft 8 (5.3.1887) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 8 (5.3.1887)
Date
1887-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Gantoren - Zeitnn Wränumeraii onspreis | Füe Verein Smitglikdcr. j Ganzjährig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 BirrteljShrig fl. 1.25' Für NichtmitgNedrr l! Ganzjährig fl. 6.— >! Halbjährig . fl. 3.״ ij Vitrtrljährig fl. 1.60 j Für daS Ausland! Ganzjährig fl. 7.—j; 12 Mark ober 6 Nabel. j Organ pt llie skntereften DWr ^snt-ren «Nil ^ültmbeiimten. Erscheint jeden achten Lag» Begründer: Obcrcantor Jacob Bauer. [ Aedactio« •I und j Administration |;j Wie», j || II., Novaragaffe Nr. 27.!! Inserate j jj werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht j |; retour« irt. Nr. 8. i en, 5. März 1887. Fragmente. Aus dein alten jüdischen Leben im Familienkreise^ im Gotteshause, ~ im gemeinschaftlichen Verkehr. (III. Artikel-Serie) ' XXlV. Brüderlichkeit. Als die Hebräer nach langem Umherirren in der Wüste die Grenzen des Landes Edoms, das sie noch von Kanaan trennte, erreicht hatten, schickte Moses Abgesandte zum Könige desselben, um ihm dieses vorstellen zu lassen: ״Du weißt alle die Mühseligkeiten, die uns begegnet sind. Du weißt, dass unsere Ahnen nach Egypten; wanderten, daselbst lange Jahre verweilten, dass sie von den Egyptern hart behandelt wurden, und Gott uns endlich aus der Knecht- \ schaft befreit hat. Jetzt stehen wir hier zu Kadisch an Deinen Grenzen.! Ich bitte Dich erlaube, dass wir durch dein Land ziehen; wir [ wollen nicht aus Euren Brunnen trinken und nicht von der Land-! straße abweichen." i ״Ich schlage es ab", erwiderte der Edomiterkönig, ״und wenn.! Ihr vorrückt, werde ich Euch mit den Waffen zurückweisen"., ׳ Israel wiederholte seine. Bitte. ״So lass uns auf dem Fuß- 1 steige, abseits, ziehen und 'wenn wir Eure Brunnen für uns und für unsere Heerden bedürfen, so wollen wir den vollen Wert bezahlen." Doch der König .war lieblos, beharrte auf seiner Antwort, ",ויפז ישראל מעליו" und Israel wich ihm aus. (4. M. 20, 14—22). Moses leitete diese Sendung mit folgenden Worten ein: כה אמר“ I ״ ״אחיף. ישראלSo spricht Dein Bruder Israel".! Aus dieser uralten Kunde ersehen wir schon, wie Moses das : Verhältnis Israels zu anderen Glaubensbekennern ausgefasst und ' uns dasselbe überliefert hat, damit es uns für alle Zeiten als Nicht-! schnür diene. Wo wires. mit Bekennern anderer Glaubensformen zu thun haben, da gilt die Bezeichnung ‘'?״ ״ארוץdein Bruder", im vollsten Umfange und weitesten Sinne des Wortes. Das Judenthum kennt nur eine Wahrheit, eine Rechtschaffenheit, eine Ehrenhaftigkeit, eine Nächstenliebe. - Wir haben sie zu jeder Zeit im Verkehr und Umgänge mit unfern Nebenmenschen zu üben, welches Landes, welcher Zunge, welches Glaubens sie immerhin sein mögen. Das Gesetz des Landes, in dem wir leben, gilt als ein unverbrüchliches für uns. Und selbst da, wo uns das Recht noch nicht in voller Ausdehnung gewährt worden ist, haben wir alle Pflichten und Lasten unbedingt und ohne Vorbehalt zu erfüllen, die uns das Landesgesetz anferlegt. Wir lieben die Stätte, wo uns auch nur Schutz und Ruhe, Frieden und Sicherheit gewährt wird, sind treu und erkenntlich, opfern Gut und Blut für Landesvater und Vaterland, wie es wahren Patrioten geziemt. Wir rufen allen Völkerstämmen, mit denen wir Umgang pstegen zu: "״ ״בה אמר אהיף ישראלIsrael, Dein Bruder, spricht zu dir", wir handeln brüderlich gegen euch." So lautet ja ein alter Prophetenspruch: ‘"!)הלא אב אהה לבל ״ "הלא אל אהד בראנו מדוע נבגד איש באחיוHaben wir doch Alle einen Vater, hat uns Alle doch nur ein Gott erschaffen, warum soll Bruder gegen Bruder treulos handeln, den Bund unseres Gottes zerstören, entweihen". (Malach. 2, 10). Das sind Worte, die keines Commentars bedürfen und die Israel zu jeder Zeit beherziget hat. Man kann den Israeliten wohl nirgends vorwerfen, dass sie nützlichen Anstalten, zweckmäßigen Einrichtungen zur sittlichen Bildung und Veredlung, zur Ausübung menschenfreundlicher Thaten, jemals ihre Kräfte und Mittel kleinlich, lieb- und theitnahmslos entzogen hätten. Unsere Vorfahren, die wahrlich nichr Ursache hatten, von der Menschlichkeit und Duldsamkeit zu reden, weil man ihnen stets Unmenschlich und unduldsam begegnete, und dennoch, welche schöne Lehren haben sie uns hinterlassen aus alter, barbarischer Zeit: הוי מתפלל״ ״ בשלומה של מלכות"Bete für das Wohl der Regierung" (Ab. 3,2). Als Rechtsgrundsatz ruft uns der so häufig angefeindete und geschmähte Talmud zu: “״ ״דינא דסלמתא דינאDas Staatsgesetz ist für uns bindend״ (Gitin 10.) Ferner "מלכותא דערעה בעין מלבזתא ״ "דרקיעDie irdische weltliche Regierung ist ein Abglanz der himmlischen Regierung". (Ber. 58). Wichtig ist auch das Schreiben, welches der Prophet Jeremias an die Israeliten die in Babylonien in Gefangenschaft lebten, gerichtet hat. Er ruft ihnen im Namen Gottes zu: "״דרשו את שלום העיר ״Fördert das Wohl der Stadt und des Staates, wohin ich Euch in

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