Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 7 (25.2.1887)
- Date
- 1887-02-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungärtsehe Priilmmeralions-Preix K«r K«rei«sm11gricder: Ganzjädrig - - - stb — Halbjährig . . - -st- 2.S0 Vierteljährig . . st. 1-25 Monatlich . st- —-4L Kür Plchlmilgrieder: Ganzjährig ... fl. 6.— Halbjährig . . . ,fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.SV Monatlich . . . fl. —.so Kür das Ausland: Ganzjährig ... st- ל•— 12 Mark oder 6 Rubel. i_---/׳ O r «: a n für die OeZammt-Interrssell jüdischer Cantoren. Erscheint jeden achten Jag. Begründer: xTb-rrnntoi Malier. and Administrativ« w i t n. | II., Nov aragaffe 27. I ~ Inserat» werde» diNigst berechnet. Manuscrivlc werde» nicht rekonrnirk. Nr. 7 Wir». 25. Februar 1887. 7. Jahrgang. Der Priester in Israel. Von.L. Cohen, Lehrer und Cantor in Nees am Rhein. Geehrter Herr Nedaeteur! Um Ihnen zu beweisen, dass ich die mir gütigst gesandten Nummern Ihres geschätzten Blattes Luteres gelesen .Hobe, erlaube ichmir^-Ihuen einen kurzen Beitrag für dasselbe mit der Bitte um Ausnahme hiermit ergebenst zu übersenden. Ich bedauere zwar herzlich, bei meinem Debüt mich sogleich auf's Polemisiren verlegen -zu müssen, hoffe jedoch, durch Mittheilung meiner Ansichten den geehrten und gelehrten Lesern der Cantoren Zeitung Veranlassung Zu weiterem Machdenkrn-über ,den. Priestersegen' in Nr. 5 gegeben zu Haben- Wenn wir auch gegen b e r ech tizte Reformen im Gottesdienste hier im nördlichen Deutschland durchaus nicht verschlossen sind, so leicht, wie .es Herrn Baum geworden, über eine durch Eibel und Talmud snnctionirte Institution den Stab zu brechen, wird es uns nicht. Es hätte wahrlich nicht des großen Citaten- Apparates aus Bibel und Talmud bedurft, um glauben zu machen, dass zur Ertheilnng deS Priestersegens die priesterliche Abstammung nicht erforderlich sei. Die Anführung des einen Satzes ואתם תהיו לי ממלכת:כהנים וגוי קדוש, der sich schon Exos. 19,6 findet, und der Merkwürdiger Weise ganz übergangen ist, hätte zur Begründung der Schlnsssolgerung des Herrn Verfassers vollkommen genügt. Wo Hier Gott zum ganzen Volke Israel redet: ,Wenn ihr ans meine Stimme höret und meinen Bund hütet u. s. 11׳., so sollt ihr mir ein Reich von Priestern sein uj. U).* 6i11 triftigerer Grund dafür, dass Jeder, der diese Voraussetzungen erfüllt, zur Ertheilnng des Priestersegens nach Herrn Baum'S Ansicht würdig sei, könnte gewiss nicht erbracht werden. Was mag aber den Herrn Verfasser veranlasst haben, gerade diesen durchschlagenden Stützpunkt für die Bcgründung seiner Ansichten unberücksichtigt gelassen zu haben? Run, die Antwort ist leicht gesunden. Diesen Schabcrnak hat ihm Dr. Hamburger's Neal-Encyclopädie II., S. 934 ff., woraus übrigens derganze Artikel bis aus die letzten vier Absätze fast wörtlich wiedergegeben ist, dadurch gespielt/ dass sie in dem Artikel nicht vom Priesterberufe, sondern nur vom Priesterfegen spricht, also auch nicht Veranlassung hatte, diese Stelle anzuführen. Das Ergebnis der Forschungen deS Herrn Baum gipfelt nun in dem Resultat: Talmud und Codices haben sich umsonst abgemüht, besondere Vorschriften über die Ertheilünz des Priester» segenS, wie sie z. B. im Schutchan Aruch 128—130 niedergelegt sind, zu erlgsM^^unjonst, Verordnungen zu treffen über NXQH2 )כהן למו, wie sie im Joreh deah 369—374 enthalten find. Oder will Verfasser auch ' diese Vorschriften von jedem Israeliten, der doch nach feiner Meinung ein כהן ist, beobachtet wissen? Der Jrrthum dcs Herrn Baum entsteht aus der Ver- Wechselung der Begriffe .Priester' und ,Priesterberus' und au» der Jdentisicirnng der verschiedenen Bedeutungen, welche dem Worte כהן inncwohnen, und die derselbe nicht genug auseinanderhält. Auch ist es eine irrige Meinung, wenn behauptet wird, der Priestersegen war ursprünglich ein Bestandtheil des Tempel» Gottesdienstes in Jerusalem (durch die letzten zwei Worte hat Herr Baum die Neal-Encyc!opädie nur ergänzen (?) wollen; sie finden sich in derselben nicht), und stützt sich aus die im 4. B- M. 6, 21—27 enthaltene Anordnung, welche lautet: .Rede zu Ahron u. s. w.' Geht hieraus nicht deutlich hervor, dass vielmehr auch schon zur Zeit des Ausenth.iltes in der Wüste der Priestersegen zu den Beftandtheilen des Gottesdienstes ge» hörte? Und zeigt nicht ferner Gen. 14, 18—20, wo es heißt': ומלכי צדק מלך זכו׳ זהוא כהן לאל עליון: ויברכהו ויאמר וכוי ,Und Maikizedek, König von Salem, der ein Priester deshöchsten Gottes war, segnete Abraham u. s. w.' klar und deutlich, dass lange vor jener Zeit diese Function schon zu den Obliegenheilen der Priester gehörte? WaS aber den erwähnten Jrrthum anbelangt, so ist zu er» wägen, dass das Wort כהן nicht immer einen Priester bedeute, sondern in vielen Fällen nur eine im Dienste der Religion thälige Persönlichkeit oder auch nur den Träger eines weltlichen Amtes. Statt vieler Beispiele möge für die erste Bedeutung der vorerwähnte Bibelvers ואתם תהיו לי ממלכת בהרס sprechen, für die letzte וגם עירא היארי היה מהן להוה (Lam. II. 20—26) auch 2ra, der Iairi, war ein vornehmer Slaatsdiener Davids. (Bgk.