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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-02-09 · Heft 5 (9.2.1887) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 5 (9.2.1887)
Date
1887-02-09
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Arag. Der Centralverein für jüdische Attgelegenheit.'n in Prag entwickelt eine eifrige und rühmenswerthe Thätigkeit. In letzter Zeit wandte er seine besondere Aufmerksamkeit dem jüdischen Religionsunterrichte an den öffentlichen Schulen Böhmens und den von verschiedener Seite über die Eltheilnng desselben eingelanfenen Beschwerden zu. Wie wir einen! von Dr. Duschenes in der Voll- Versammlung vom 23. ׳Jänner d. I. erstatteten Berichte (s׳ Israel. -Gemeindeztg. Nr. 3) entnehmen, richteten sich diese Beschwerden z hauptsächlich dagegen, dass der Religionsunterricht sehr oft ohne jede Methode ertheilt wird, dass es weiters an den meisten Volks-, Bürger- und Mittelschulen an einem einheitlichen Lehrplane fehle. Es wurde auch darüber Klage geführt, dass beim Religionsunterrichte bald das eine, bald das andere Gebiet der Bibel und der Geschichte des jüdischen Volkes gestreift werde, ohne das eine oder andere Gebiet ganz oder vollkommen zu behandeln, so dass nur Halbes gelehrt werde, dass selbst die erwachsene Jugend nicht wissen und kennen lerne, was Religion überhaupt bedeute und worin spcciell die Grundsätze und Lehren der jütischen Religion bestehen. Es wurde endlich darauf hingewiesen, dass ein Jnzendgvttesdienst gar nicht stattsinde, dass Exhorten, welche dem Fassungskreis der Kinder entsprechen würden, für die Volks- und Bürgerschulen gar nicht, für die Mittelschulen nur in lückenhafter Weise abgehalteu werden. Die Section für Eultnsangelegenheiten hat diese Beschwerden genau geprüft und beauftragte den Ausschuss mit der Zusaminenbernfnug einer Enquete. Die Enquete wurde abgehalteu und an dieselbe nachstehende 4 Fragen gerichtet: 1. Soll in den Volksschulen (und zwar in den vier unteren Volksschulclassen) der Bibelunterricht im Urtexte, d. i. in der Bibel- Übersetzung aus der hebräischen Sprache in die Landessprache, beibehalten werden? 2. Sollen neben dem Bibelunterrichte die Grundsätze der Sittenmoral, der Elhik, der Pflichtenlehre, und zwar nicht bloS der der rituellen Pflichten, sondern der allgemeinen ethischen Pflichten gegen Eltern und Vaterhaus, gegen die Nebenmenschen, gegen den Laudesfürsten und das Vaterland, ferner anschliessend an die zehn Gebote die Grundbegriffe des Eigenthums, der Sittlichkeit, der Nächstenliebe, die Begriffe von Wahrheit, Eid, Zeugnis vor Gericht, der strafbaren Handlungen gelehrt werden? 3. Ist cs nicht ans pädagogischen Gründen dringend geboten, dass der Religionsunterricht, von der Volksschule beginnend bis in die höchsten Classeu der Mittelschulen, nach einem einheitlichen Lehrplan ertheilt werde? 4. Ist es nicht zur Unterstützung des Religionsunterrichtes dringend erforderlich, dass Exhorten, verbunden mit einem solennen ,Jugendgottesdienste, auch für die Volksschulen allgemein abgehalten, respective eingeführt werden. Bezüglich der ersten Frage wurden von den Euqnetemitgliedern drei Gutachten erstattet. Das erste Gutachten lautet: Es sei in der Volksschule der Bibelnntcrricht im Urtexte, d. i. in der hebräischen Sprache derart beiznbehalten, dass die ganze Bibel der Jugend in .Hand gegeben werde: nur sollen jene Stellen, welche für die Jugend nicht geeignet sind, in diesem Lehrbuche unbenützt bleiben. Das zweite Gutachten lautet: Es sei in der Volksschule der Bibelunterricht im Urtexte, di. in der hebräischen Sprache, derart beizubehalteu, dass ein Lehrbuch zu wählen sei, in welchem die versanglichen Stellen gar nicht angeführt erscheinen. Das dritte Gutachten lautet: Mit Rücksicht auf die karg zugemessene Unterrichtszeit für ׳ den Religionsunterricht und auf den großen Umfang der Bibel und der unüberwindlichen Schwierigkeiten, die Bibel in den vier unteren Volksschulclassen in hebräischer Sprache zu lesen, empfehlen es Opportunitätsgrüude und pädagogische Rücksichten, dass der Bibelunterricht in der Volksschule in der Landesspräche zu ertheilen sei; für diese» Gutachten sprach sich die.Majorität!der Enquetemitglieder aus. Bei der zweiten Frage wurden abermals drei Gutachten abgegeben. Erstes Gutachten: Diefe^Frage sollte ganz entfallen, weil die Bibel die Moral und die Moral die Bibel ist. Zweites Gutachten: es sollen die Ceremonien gelehrt werden. Drittes Gutachten: eS soll allerdings ein gewisser Theil der Unterrichtsstunden für den Religionsunterricht, und zwar anschließend an den Bibilunterricht, für die Moral und Ethik verwendet werden. Diesem Gutachten schloss sich die Majorität au. Die dritte Frage wurde von der Enquete einstimmig und ohne!Debatte bejaht. Die vierte Frage wurde mit überwiegender Majorität bejaht. (Lollegen! Unser Vereins- und Vorstandsmitglied, Herr Salomon Singer, ist zu Grabe getragen worden. Nachdem derselbe keine Familie zurückgclaffen, sind wir nach dem Wortlaute unserer Statuts zur Abgabe eines Pflichtbeitrages nicht verhalten. Allein es widerstrebt uns, aus einer offenbaren Lucke unserer Statuten Vortheil zu ziehen und dies umsoweniger, als der Heimgegangene seine Pflichten gegen den Verein jederzeit pünktlich erfüllt und überdies blutarme Geschwister, die auf feine Unterstützung äugewiesen waren, zurückgelaffen hat. Collegen l Ehren wir unser Mitglied nber'S Grab hinaus, indem wir freiwillig unser Schärflein beitragen, damit wir in der Lage sind, dem Heimgegangenen einen Grabstein setzen und den armen Verwandten eine kleine Unterstützung zuwenden zn können, zur Ehre unseres Vereines, zu unserer eigenen Ehre! Die Nedaction der öfterr.׳ungar. Cantoren-Zeitung ist bereits die zu diesem humanen Zwecke einlangenden Liebesgaben entgegenzunehme» und in dem Blatte ausznweisen. ZIT. Blatt. 3• Bauer. A. Rotten. Korrespondenz dev Nedaction. Den geehrten Herren Abonnenten, welche erst Mitte Jänner abonnirt haben, diene zur Kenntnis, dass Nr. 3 ganz vergriffen ist, und bedauern wir, für jetzt dieselbe nicht nachliefern zu können. M. in Sch. Sie haben für laufendes Quartal einzusenden. Schm, in Br. Einen Theil haben wir für Saldo und den andern fnr's laufende Quartal gutgebucht. L. in Gr. W. Abgesendet. Gin Kl. Die Sendung vom 16. Februar 1386 für Saldo 188& gebucht. Sie haben jedenfalls auch fnr's laufende Quartal zu senden, dann erhalten Sie die Blätter. W. in Tr. Wollen Sie sich direct an den Vereinsvorstand wenden. An unsere Leser. Wir machen die geehrten Leser. unseres Blattes auf die im Inseratenteil angekündigten Uhren von Ignaz Weiß, Tempelgasse 6, aufmerksam. Dieselben sind für uns Juden zu gewissen Zeiten von besonderem Vorth eile, indem die Zifferblätter bei Nacht von selbst leuchten. Freitag Nachts z. B., wo das Lichtanzünden doch nicht gestattet ist, ist es oft sehr willkommen, auch im Finstern ohne Weiteres die Zeit vom Zifferblatte ablesen zn können. Da eine solche patentirte Uhr auch noch eine Weckervorrichtung besitzt und der Preis nur fl. 2.50 beträgt, soll Niemand es unterlaßen, sich dieselbe anzuschaffen. Prämiirt van de» Weltausstellungen: London 1862, Paris 1867, Wien 1873 Paris 1878. Auf Raten Klaviere fOr Wien und JE*ro־vi31z Concert-, Salon- & Stutzflügel wie auch Pianinos aus der Fabrik der weltbekannten Export-Firma Gottfr. Cramer, Wilh. Mayer in Wien, von fl. 380, fl. 400, fl. 450» fl. 500, fl. 550, fl. 600, fl. 650. Claviere anderer Firmen fl. 280—350. Cla vier-Vers chleiss und Leik-Anstalt von Ä. Thierfelder, Wien, VII., Burggasse 71. Kais, löuigl, M ansscbl. jm. 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