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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-01-16 · Heft 2 (16.1.1887) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 2 (16.1.1887)
Date
1887-01-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— 7״ — «Stiftung zur Nnterstützuug von in ihren Vermögensverhältnißen herabgekornmeuen Kaufleuten oder deren Witwen errichtet, von dem Reste wurden das israelitische Hospital, das jüdische und daS christliche Siechenhaus, das jüdische Waisenhaus,, die christliche ,Bnrssa', die Talmud-Thora, die israelitische Hauptschule, respective deren Lehrerpensionefond, die jüdische Volksküche, der Fraueukrenzervereiu, der Schulkinderbekleidungefond re. re. mit theilS größeren, theils kleineren Beträgen bedacht. Das ist das Monument, das dem unvergesslichen Manne hier, in seiner Vaterstadt gesetzt wurde. Wir wollen das selber knrzweg ,Jad Nathan ״ nennen. Dieses Monument wird unzweifelhaft jenen Marmor überdauern, der dort ans dem Central- י fn'edhofe die Grabesstätte des Herrn von Kallir schmückt. Der harte Stein wird früher oder später, vom Zahne der Zeit zernagt, in sich ,zerfallen, doch das »Jad Nathan' wird dauernd Segen spenden, wird immer von der Liebe zeugen, die einst daS Leben dieses edlen Menschenfreundes verklärt hat, und wird unvergesslich seinen Namen fortlrlen lassen bei den spätesten Nachkommen unserer Gemeinde. Indem ich dieses hiemit öffentlich bekannt gebe, nehme ich gleich- - zeitig Veranlassung, für die hochherzigen Legate, welche den mit der israelitischen Hauptschule in Verbindung stehenden Wohlthätigkeits- Institutionen, als da sind: Lehrer-Peusionssond, Schulkiuderbekleidungssond, Unterslützungsfond armer israelitischer Gymnasialschüler, zuerkannt wurden, ganz besonders zu danken. Der Lehrkörper, der in dem sei. Nathan von Kallir den Gründer und langjährigen Jnspector der Schule geehrt hat, wird dem thenren Dahrrrzeschiedenerr ein bleibendes, ehrenvolles Andenken erhalten, seiner Liebe und Hingebung für diese , seine Lieblingsjchöpsunz eine trrne Erinnerung bewahren, und seinen Namen nur in Dankbark.it und Verehrung nennen. Der Name Nathan von Kallir ist unlöslich verknüpft mit der hier bestehenden israelitischen Hauptschule, und die vielen Liebesacte, die der leider zu früh Verstorbene an derselben geübt hat,, schützen ihn vor Tod und Vergcsseubeit. Dr. H. Aroöoöycz D. Z. Ein sensationeller Fall ereignete sich vorige Woche beim Bestrksgerichte Medenize, bei Drohobycz. Ein Propinatrons- Pächter klagte s.inen Schanker wegen Bezahlung von 26 fl., worüber beim erwähnten Gerichte verhandelt wurde; der Geklagte wendete ein, dass der Kläger seine Forderung in Folge eines außergerichtlichen Vergleiches auf 18 fl. ermäßigt hat, da er Gegenansprüche hatte, und wollte er ihm diese 18 fl. auch gutwillig bezahlen; da aber der Kläger bei seiner ganzen Forderung von 26 fl. beharrre, so beschloß der Richter, dass der Kläger schwören soll; als der Kläger schon die Hand auf das 8eker-1'i10ra legte, um zu schwören, berief sich der Belangte ans einen in Medenize wohnhaften Zeugen, und der Richter fasste den Beschluss, diesen Zeugen sogleich einzuvetnebmen; den,zufolge forderte der Richter den Kläger auf, vom 8eker-1t10ra zurückzutreten; er trat aber nicht zurück; der Richter schrie ihn nochmals an wegzugehen, allein er rührte sich dennoch nicht vom Flecke; nur -Lhränen ergehen sich aus seinen Augen; der Richter ging nun auf ihn zu, redete ihn an, er antwortete jedoch nicht, und zwar aus dem Grunde, weil in dem Augenblicke, als er die Hand zum Schwure aus das Sefer-Thora legte, wurde ft ine Sprache und die rechte Seite des Körpers gänzlich gelähmt, so dass er sich nicht mehr rühren und kein Wort sprechen konnte; nur Tdränen strömten fortwährend ans seinen Augen. Man führte ihn ans einem Fuhrwerke zum Medenizer Winhshankpächter, welcher ikm aber keinen Einlass gewähren wollte. Wa um, können wir nicht begreifen. Und so irrte dieser Unglückliche mehr als eine Stunde auf dem Fuhrwerke herum, bis er wo Unterkunst fand, und in zwei Stunden war er eine Leiche. Kornsiay. Am 12. September v. Z. fand Hierselbst die dies« jährige Generalversammlung der Beni Israel statt, Richter Scott führte den Vorsitz und hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, welche mm so bedeutsamer ist, als er ein Christ ist. Er sagte: ,Ich empfinde i eine lebhafte Genugthuung darüber, dass ich heute unter Ihnen weile. Ich halte eS für eine sehr schöne Tugend, wenn Vertreter verschiedener GlarrbenSbekenntniße zu gemeinschaftlichem Wohlthnn sich verbinden. Namentlich hier in Indien müssen wir Toleranz üben lernen, denn es wäre sonst unmöglich, hier Wohlthaten zu thun. Ich glaube, die gesammte Menschheit müsste mit den Israeliten mehr als mit den Bekenner» irgend einer anderen Confession zusammenarbeiten, weil die Juden aller Sectirerei abhold und in Bezug auf die Meinungen Anderer durchaus tolerant sind. Diese Toleranz erscheint noch bewundernswerthrr, wenn man die Vergangenheit der Lev! Israel, oder die Geschichte der jüdischen Raee im Laufe so vieler Jahrhunderte in Betracht zieht. Lange konnten sie mit Shylock tagen: ,Leiden ist die Krone unseres ganzen Volkes.' Trotz dieser Leiden sind sie aber toleranter gewesen als je. Kaum gehe ich fehl, wenn ich behaupte, Israel sei das toleranteste Volk der ganzen Welt. Wie interessant die Geschichte der Juden im Allgemeinen für uns auch sein mag, so erregt die der Gemeinde Lev! Israel doch unser ganz besonderes Interesse, die Geschichte dieser kleinen Schaar von Israeliten,. welche vor 1600 Jahren ihre Heimat und Alles, was ihr theuer war, verlies, um nur ihren Glauben zu retten. Ihr Schiffbrnch fern von Bombay, welchen nur sieben Männer und sieben Frauen überlebten, ihr langer Kampf um die Existenz während der schlimmen Jahrhunderte, in denen die Hindus und Mohamedaner herrschten, die Thatsache, dass sie mmitten so vieler Millionen Götzendiener ihren reine» Glauben einen einzigen Gott sich bewahrten, ihre Existenz bis zum heutlWr Tage mit ihrem unerschütterlichen monotheistischen Glauben, ihre Nachkommenschaft von mehreren tausend Seelen ist ein von der Geschichte geschriebener Roman, der lange nicht nach Gebühr gewürdigt ist. Die Geschichte der Parsis hat große Aehnlichkeir mit der der Bern Israel. Diese kamen im Jahre 1100 unserer Zeitrechnung nach Indien. Sie waren ebenfalls eine Handvoll vor religiöser Verfolgung, Flüchtende und sind die reichste und angesehenste Religionsgemeinschaft Indiens geworden; vor der großen Vergangenheit der Beni Israel müssen aber auch die Parsis sich beugen. Ihr habt jedoch ein näheres und großartigeres Beispiel vor Euch : die Laufbahn der abendländische» Inden in der Neuzeit. Sie bcfinden sich an der Spitze der Civilisation, sie nehmen ats Staatsmänner, Financiers, Advocaten, Künstler, Gelehrte u. s. w. die hervorragendsten Stellungen ein. — Ich wünschte, dass man von den Kindern der Bevi Israel dasselbe sagen möchte, was der School Board von den südlichen Kindern der Londoner Schule berichtet: ,Sie antworten besser als alle anderen Schulkinder.' Der Redner ging sodann daraus ein. dass gerade die Armen der Bein Israel die Mittel zur Erhaltung der Woblrhätigkeits׳A»staiten lieferten und bedauerte die Zurückhaltung der Reichen. Die Schule liefert vortreffliche Resultate, und es wäre zu würrschen, das» eine Handwerkerschute gleich der irr Jerusalem errichtet werde. Correfpondenz der Nedaction. N. in H., L, in Str., Str. m Szab. Wir bewilligen Ihnen den alte» Rest in Raten zu begleichen. H. in Kap. Woll.n Sie die Erledigung vom Vereinovorstande abwarten. W. in St. Wollen Sie nur dasselbe bei dem in unserem Blatte inserirerrden Messerschmicdmerster bestellen. H. in Biel. Ihre Rechnuug stimmt. 3)!. ln L. Sie erhalten die Blatter nachgesendek. W. in T. Die Antwort erhalten Sie brieflich. B. in Gothb. Beüäligen dankend die nnS gesandten 25 Mark uni» erhalten Sie in den nächsten Lagen ausführliche Rechnung. Tie Nedaction. Abonnementsnnd Jnsertio ns betrage find in der i Nedaction, Wien, II., Novaragasse 25, zahlbar.

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