Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1887)
- Date
- 1887-01-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 bandelt erit^ciuf, jumcift. auch als boniinircnbc Stimme an stritt. Die in drel'-r Nummer durch allzureiche Fioriruren verzierte miisikati'che Iitnüraiion de» weibeoolicn und selbst von Lewandoweki sonst ruhrg bebandellen Sabbaihgrnhes Boi challoh muh entjchledkn nie eine pe׳!örillche Zrncksichtnahrne für cliren leichtft bitten Eanior antge fasst werden, sonst wäre dieses exorbitante Vorkoiumuis rlnerktä! Irch. Eine interessante. Abweichung von der notrchen Art, die Melodie des jeweiligen Beclio dodi-Nesrarns nach einer Melodre singen zu lassen, bietet Lewandowski durch das Änssplunen des Muslkgedaukeirö auch ans den B66Ü0 dodi-Text, wvdnrm das U.iprnn.,ß1u0tiv der Beclio dodi-Drelodie znlüct..edräugt euch-.in:; der Grund snr dieses Vorkommnis dürste in der U pprgkeil des Melodreuflusses, welche einen räumlich größeren Lex: ic.iuipuiü», zu suchen sein; unS erscheint diese iuteltssanie Pointe weniger gerechisertigt, als die althergebrachte Marder, den gl.!.Den Text anch mit einer gleichen Melodie zu illnürrreu. Beesto dodi ist bBannilich ein Slrophenticd mit einem wrederledrenden 9r-.׳srain, und snr diesen letztcrn sollte, unseres EraLtens, die gleiche Nielodie mit denr gleichen Texte übereu.strmuierr. Niü tsdestoweniger liefen Lewandowski selbst mrt iricJer Äbnormitäl einen stbätzenswenhen Beitrag für die Ardeirs- und Dtrikerwcilerririg auf lynagogalgcsanglrchem Gebiete. Als werterer Beleg bicirrr muß anch der Umstand angeführt werden, dat» der Änior nicht allein einen Becho dodi in F-Moll Drervierterlacl für die drei Worben und einen Beclio dodi tu G־Dur Dreiviertettacl für Cie Sefirah, zwei überaus gelungene Ärveiren, sondern logar ernerr Beclio dodi irr G-Dur Viervierte'- tact für den Mona! Eliul gelreser t bat; die in der letzterwähnten Nummer verarbeircten Neoiive von 2'' und N°N sollen gleichsam als Prolog für die kommenden, ernsten Tage gelten und durch ihre charakierisliiche Tonsarbcu das Herz der Zuhörer vorbereiten. Demselben Zdeengnng begegnen wir auch bei den von Lewandowski in sicbensacher Alt bearbeiteten יהדשהל. Archer dem der Originalmelodie nachgearbeitetcn, in De8-Dur Sechsachteltact, liefe 11 der Componist anch einen in G-Dur Bicrvierleltact vollständig frei behandelten. Die hierans solgender! fünf rvkitcren ck6elrad86116I1u erweiien sich, wie bereits erwähnt, als vollständige Gelegenhettscomposiiionen. die vielleicht hie nrrd da angefochten, in nrerilorischer Beziehung jedoch entschieden hochgebalten werden müssen; der eins, Nr. 67 6-Dur Viervierteltact, ist für den Nenmorid'abbath vor den GlranukBab-Tagen. der andere, Nr. 68 D-Dur Biervierteliact. für die Neumonds- Verkündigung vor Pessach, der dritte, Nr. 69 in G-Dur Biervierteltact, für den gleichen Zwtck vor Scliewuoth, der vierte, Nr. 70 in G-ÄI0I1 Dreivrertelract, für den Neumond Aw und der hfcle, N:. 71 in C-Dur Viervierkeltact, als Nenmondsverküudigung für den Monat FlluI bcstirnmt; in sämmtlichcn Piecen erscheinen die eniiprechendcn traditionellen Melodien ltesftich verwendet und werden ihre charakteristrschc Wirkung gewiss nicht verseblcn. Mögen nun die Anschanurrgen bezüglich der Nothwerrdigkeit dieser und ähnlicher Arbeiien noch io sehr von einander abweichen, den didaclischeu Werlb der ans denselben sich ergebenden Gesichtspunkte dürste wobl Niemand anzweis.lrr. Lewandowski muß als der allererste Kämpe in die vordersten Nerbeu all' jener Streiter für das von den Vätern ererbte GesarrgSmaterial hingestellt werden, der mit künstlerischem Z.ntsinn und väterlicher Fürsorge Umschau hält au: dem weiterr Plane des jüdischen Tradilionkgesanges, der jede Torrblüthe ans ihren Knnstwerth prüft und es niemals verabsäumt, dieselbe in den Nahmen ies modernen Synagogengesauges hineinzusügen. Haben es Ändere a.us dem Gewissen, gleich gesanglichen Baals-Priestern, unsere Heiligtbümer hintangesetzt und fremde Klänge dem jüdischen Gottesdienste einverleibt zu haben, und verhall! anch der von dieser Stelle zu wiederholten Malen versuchte Notbschrei für die Rückkehr zum Alten angesichts der Wissens- und Theilnahurslosigkeit wirkungslos in den Lüsten: die Geschichte bleibt sich unter allen Umständen getreu; sie wird und must einstens zu Gerichte sitzen rrnd den Frevler abunheilen, wie sie dem Gerechten den Lorbeer der Anerkennung gewiss nicht vorerrthalten wird. — Als ein solcher Gerechter erscheint nun Lewandowski ans dem Gebiete des SynagogengesangeS. Nicht etwa, weil ihn! die Glücksgüter des uroderncir kirchlichen SynagogcrUanges unerreichbar dünken, wendet er sich von demselben ab; Lewandowski, ein Fürst irn Reiche der Töne, hätte cs wahrlich vermocht, solche Glücksgüter mit vollen Händen zu spenden, und er spendet sic auch dort, wo die Gabe gcrechtscrtigt erscheint, sondern seine ideale und gesättigte Küustlergesiuining zeichnet ihm mit eherrrem Griffel die Gemarkung vor, wo der eine Styl rrrrmöglich, der andere jedoch nothwendig wird. Wenn Lewandowski z. B. das Cantorrecitativ בלכת שבע Nr. 80 für den Sabbath-2Iu88at' mit Orgelbegleilring, also in absolut irroderner Fassung componirte, so sind es weder die aus Honigseim und Monderrschein deutenden, für die Synagoge geradezu trivialen Opernmelodien, noch die dem so sehr beliebten Kirchenstyle entnommenen Kirchentönc, welche seinem geistigerr Auge vorschweberr, sondcrrr der argbedrängte, bescheidene Sang der Väter erfüllt sein Herz, und gleich heihen Blutstropfen qtitllm die ehrwürdigen Töne aus diesem Herzen hervor, verwandeln sich in synagogale Notcnköpse, welche niemals die Vasallen des sie begleitenden Instrumentes sein wollen, vielmehr dasselbe zur Unterwürfigkeit unter ihren souveränen Willen zwingen; man ftuöirc drcse Piece, man beachte die Dcclamalion und die bescheidene, geradezu unterwtnfige Qrgelbegleitnug, und man muh alsbald znm Bewusstsein gelangen, was synagogal-geiaitgliche Poesie bedeutet. Solchen poetischen Schönheiten begegnet man überall in dem Werke Todali wesimrah, wo nur ein Anknüpfungspunkt an das Traditionelle vorhanden, sogar das Neumondlicd mit deutschem Texte .Es wird nicht untetgehen rc.' Nr. 63, ist durchweht von dem Geiste der B08el1-11aelr0de8elr-Bentschen-Melodie. Diese von Lewandowski verzerchnete Thailache wird ganz entschieden ein mächtiger Weckruf sein für alle Zene, welche die Wiedergebnrt des SynagogengeiangeS entweder irr dem Opern- oder Kirchenstyle suchen, und wird gewiss ihre heilige Mission dadurch erfüllen, dass die erschütternde Wirkung solcher in der Tradition wurzelnder Synagogengcsänge im Gegensätze zu dem sonst üblichen Style endlich und endgilrig den Weg vorzeichncn wird, wie mau für die Synagoge schreiben soll. Möge man uns der Schwärmerei bezichttgen, wir sind stolz daraus, dass unsere Gesiunung und Anschauung, wie nicht minder die mannigfachsten Studien uns ans eine Bahn gelenkt, welche über Nah und Kurz als die allein richtige anerkannt werden muh, es ist der Fortschritt ans dem Gebiete des Allen. (Forts, folgt). Aus -er Praxis. Von W. Mntner, Ccintor und Lehrer, Lunzlcin (Schlesien). I. Es liegt mir fern, meine Ansichten als die allein richtigen biiizustetlen; ober das kann ich sagen, dass daS, was ich schreiden will, sich aus langjährige Erfahrung und Beobachtung gründet. Gesang und Orgel spiel haben sich im Gebiete unseres ...