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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-24 · Heft 41 (24.12.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 41 (24.12.1886)
Date
1886-12-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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nicht kannten.' für die allein selig machende Kirche zu gewinnen. Seine Bemühungen blieben in dieser Hinsicht erfolglos, denn feine hochgeachteten Brüder wollten von dem Glauben ihrer Väter nicht lassen, und so kehrte der fromme Abbe immer ,gebrochenen Herzens' nach Paris zurück und beweinte dort .von Neuem «seine verstockten Brüder', die noch immer nicht das .wahre Licht' schauen wollten. Nun ist der Abbe selbst zu dem Glauben, in dem seine Ellern gestorben, zurückgekehrl. um gleichfalls im Zndenlhume zu sterben *). Kehren wir nun wieder zu den hiesigen Söhnen Jakobs! zurück. Nach Schluss des Ne'ilahgeberes richtete Herr Alzedo einige Worte an seine anwesenden Glaubensgenossen und deren .Frauen und ermahnte sie, auch während dcs ganzen Jahres nicht zu vergessen, dass sie dem Zndenthnme angehören, und mögen sie demselben bann und wann ein Stündchen widmen und dasselbe in Andacht verbringen. Die anwesenden Herren gaben sich hierauf den Bruderkuss und kehrten wieder in ihre Behausungen zurück. — Unter den Juwelieren hier bestndel sich auch ein Jude ans Wien, Herr Mittler, welcher eine Gold- und Silberwaarensabrik in Paris hier vertritt. ׳Auch mehrere jüdische Schuhmacher gibt es hier; dieselben stammen aber durchwegS aus Marokko und kehren immer über die hohen Feiertage nach Tanger oder Tetuan zurück. Herr Senator Lopez-8apnya zeigt in den ,Arch. iSr.' an, Lass sich eine Commission gebildet, welche die Einwanderung von Israeliten in Spanien teilen wird. Au der Spitze dcrselden stehen die Herren Banquier Salzcdo (ans Bayonne stammend) und Jonas, ein Deutjcher. Die Commission wird -sich diesbezüglich an die bestehenden Hilss-ComneS in Paris, London, Berlin und Wien wenden, um deren Mitwirkung zu erlangen. Herr Haim Guadallah in London wurde zum Ehrenpräsidenten derselben ernannt. Herr Rabbiner Dr. I. Hildesheimer in Berlin und der Abgeordnete Herr Rabbiner Dr. Bloch in Wien haben bereits ihre Milgliedjchasr angezeigt. *) Abbe Bauer ist, wie wir bereits gemeldet, vor einiger Zeit in Paris geworden. Eingejendet. Löbliche Nedacl ion der ,Oest erreichisch-ungarischen -Canto ren-Zeiinng', Wien. In Nr. 37 Ihres geschätzten Blattes haben Sie einen vom Collegen M. Reiser, Cautor und Religionslehrer in Neuern, eingesendeten Artikel, welcher einige Vorschläge zur Förderung der Verelnstbätkgkeli enthält, veröfsenllicht. Als Mitglied des Cantoren-Vereines erlaube ich mir zu bemerken, dass ich voll׳ kommen der Ansicht des genannten Collegen beipflichte und die .Ueberzeugung hege, es könne auf diese Weise den Interessen des Vereines in hervorragender Weise gedient werden. Wenn nun der wohllöbliche Vorstand mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die so vortheilhasten Vorschläge des Herrn Reiser erwägen und schnellstens zur Dürchfübrung bringen würde, dürste sich gewiss von keiner Seite dagegen ein Widerspruch erbeben, da Niemand der Förderung seines eigenen und des allgemeinen Wohles entgcgeulreten wird. Ich ersuche hösiichst, diese meine Zustimmung in Ihrem geschätzten Blatte ausnehmen zu wollen, und zeichne mit besonderer .Hochachtung Mi stell» ach, im December 1886. S i g m u n d I e l l i n e k, Cantor und Religionslehrer. In Nr. 39 dieses Blattes wird in der Correspondenz aus- Mislitz berichtet, dais Herr Obercantor Heller seine Rede anknüpite an die Talmud stelle: ״Kabed es adonai mehoneho al tikroh mehoneho eloh migronchok“. Ich babe erst neulich in der Beamtenzcitung bemerkt, dass diese Stelle sich nirgends im Talmud oder Midrasch b-.sindet, sondern es beißt im Tanchuma zu Rech, wie auch in mehreren Midra'chim: כבד את ה' מהונך אם הי' קולך ערב הוי פורם על שמע ועובר לפני התיבה כבד ממה שחננך. Das אל תקרי מהונך בוי findet sich mir bei Nasch! zu Misch!! K. 3. V. 9 und ist dort, wie Salcmon Duber in Tanchuma recht bemerkt, eine Interpellation. Es gibt sehr viele Sprüche im Munde des Volkes, die sich nirgends befinden, die sich aber sorterben und als talmudische Worte benutzt werden; unter mehreren will ich nur einige anführen. Alan sagt gewöhnlich: כל אומן שונא את אומנתו das ist falsch, sondern es beißt in Bereschi! Rabba K 19 כל איביש סני בר אומנותי wie auch daselbst K. 32 אין לך אדם אוה,כ כן אומנתו ES heißt im Gegentheil im Berachot 43 b. Gott hat es so eingesührt, dass Jedem seine Profession gefallen ioll; hiezu bemerkt daselbst Nasch!: אפילו בורסי נאה לו אומנתו Gott hat es so eingerichtet, damit d!e Menschen verschiedene Handwerke lernen sollen. Auch der Satz: זכה עזר לא זכה כננהו ist nicht richtig, sondern es heißt im Talmud:זבה מעזרתו לא זבה מננהתו Man sagt gewöhnlich: לשון התורה לחור ולשון נמרה להור, in Chulin 137 b. heißt es in der Mischnad: לשון תורה לעצמה ולשון הכמים לעצמה Der Spruch: כל מבד. אשר לא בתובה בתורה זו מיתת הצדיקים findet sich nirgends, wie auch der המאבד עצכז לדעת אין לו חלק לע״הב. nirgends zu finden ist. Es gibt noch sehr viele solcher Sprüche, die als taimndische angeführt werden und sich nirgends finden. Sziklos, 16. Deeember 1886. A von N o t h, Bezirks Rabbiner. Kttrrarischks. In einer musik-Iinerarischen Rundschau bespricht der Musikreferent der ,N. Fr. Presse', Professor Eduard Hanslick in der Nummer vom 14. December 1886 die vom Obercantor I. Singer heransgegebene Broschüre in folgender, höchst beinerkenswerther Weise: »Der als vorzüglicher, classisch geschulter Sänger bekannte Obercantor der israelilischen Cnltusgemcinde in Wien behandelt in dieser streng wissenschaftlichen Sludie die sogenannten ,Steiger' (Tonarten deS traditionellen Synagogengesanges) und ihr Verhälnris zu den alten Kirchentonarten, sowie zu den Tonarten der vorchristlichen Musikperiode. Sein Bestreben, die Reinheit und Würde der durch moderne Zulhaten und Verschnörkelungen vielsach geschädigten alljüdischen Synagogen-Gesänge wieder herzustellen, hat Herrn Singer aus gründliche Uiuersuchnngen des PrincipS dieser Gesänge geführt. Er entdeckte eine merkwürdige Analogie zwischen den gregorianilchen Kirchentonarten und den Scalen, die er ans einer Anzahl alter ״Steiger'' beransconstrnirt. Das Vorhandensein von Intervallen, welche den modernen Du!- und Mollicalen widersprechen, bezeichnet Singer mit Rcch! als einen Beweis für das höhere Alter der Tonlätze, darin sie Vorkommen. Drei solche Scalen — sie finden sich in den drei Steigern: 1. Jischtabr.ch, 2. Mögen owaus, 3. Adonaj moloch — erklärt Singer als Kennzeichen der wirklich alten und originellen Melodien. Die zweite und dritte stimmen mit den

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