Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 38 (30.11.1886)
- Date
- 1886-11-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-^reik Kür ^«rrinsmitülicder: Ganzjährig ... fl. 5 — Halbjährig ... st- 2.5l> vierteljährig - . fl. 1-25 Monatlich ... fl. —-45 Kür zrichtmitglieder: Ganzjährig ... fl. Halbjährig . . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1-50 Monatlich . . . fl. —.5« Kür das Ausland: Ganjiäbrig - - - st- 7- 12 Mark oder 6 Rubel. Organ die Gesammi-IliiereZZen jüdischer Contoren. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Zcrkob ZZcrrrer7. ]Rttlneiton Administration \V i 111. II., Novaragaffe 27. Inserat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht reronrnirl. Nr. 38 Wien. BO. November 1886. 6. Jahrgang. Nelier die Entnnclielnng des Synagogen- > gesnnges. Von Ober-Cantor I. Singer in Wien. II Serie. IX. Mit bcr Beweisführung für die eminent künstlerische Behandlung der synagogalen Necitative, traditionellen und modernen Charakters, seitens deS Herausgebers dcS 1c01 rinnal1 utefillah wäre allerdings die Thatkacbe genügend erwiesen, dass Lewandowski eine hervorragend künstlerische Individualität sei, dass demnach auch jedes seiner musikalischen Producte einen hervorragend künstlerischen Werth in sich berge. Allein, wir sind eS nicht gewöhnt, Machtiprüche in die Welt zu setzen, sondern durch die genaue Lorsührung deS fraglichen Stoffes, wie durch möglichst erschöpfende, kritische Beleuchtung desselben jedem unserer Leser die Möglichkeit zu bieten, sich sein eigenes Urtheil zu bilden, bevor wir noch nniern Aus'prnch gelhan. In diesem Sinne schreiten wir nun zur Besprechung der übrigen in kol riunali utefillah sich vorsindlichen ynagogengesänge und sind ernstlich erfreut, unter den 231 Nummern des vorliegenden Werkes nicht eine einzige Piece von sogenannter pompöser Form anzutreffen; wir meinen die Anwendung jener bekannten, großen, musikalischen Formen, welche durch technisch auffallende äußer'e Ausstattung verblüffen und von der Aermlichkeit deS inner« WerlheS derselben ablenken sollen. Auf solche Hilfsmittel verzichtet Lewandowski aus mehrfachen Gründen. Zuvörderst war eS ihm bekannt, dass, die einschlägige Litteratur genügend für große Massenaufführnngen jedweden WertheS vorgesorgt, und dass, insolange jeder jüdische Cantor auch ein klx ofio-Componist zu sein vermeint, Compositionen der angeführten Gattung niemals, mangeln. werdeu; hauptsächlich jedoch richtete sich sein sicherer Kennerblick auf jene Synagogengesangsverhältniße, denen nur bescheidene Mittel zu Gebote stehen und deren Ausgabe eS trotzdem fein müsse, möglichst sormger echte. Gesangsausführnngen zu bewerkstelligen. Wir betonten bereits an anderer Stelle, dass eS bis nun Gepflogenheit der betreffenden Factoren war, das Melodiesragment eines vielstimmigen Chores mit Hintansetzung aller Kunstgesctze, lediglich der eigenen Auffassung folgend, nur so im Handumdrehen in ein- oder zweistimmige Chöre zu verarbeiten. Dass ein derartiges, geradezu vandalisckes Vorgehen den Synagogengesängen tiefe Wunden beibrachte, kümmerte die betreffenden Herren ebenso wenig, als es jenem Baritou-Cantor unmöglich einleuchten will, weshalb er bei seinen Gesangsvorträgen keine Fisteltöne verwenden dürfe. Zur Vertretung eines solchen Standpunktes gehören eben zwei nnglückielige Eigenschäften, und zwar Unwissenheit und Mnlb, oder besser gesagt, der Muth der Unwissenheit, welcher sich um Gesetz und Bcrechtigung gar nicht kümmert, sondern kraft seiner eigenen Machtvollkommenheit alles das für erlaubt hält, was e r zu leisten im Stande ist. Solche zweifelhafte Bestrebungen aus synagogal-gesanglichem Gebiete müssen die lautere Gesinnung jedes gebildeten Fachgenossen geradezu beleidigen, und des unangetastet reinen Knnstgsschmackes Lewandowski'S bemächtigte sich ebenfalls ein Gefühl der Entrüstung beim Hinblicke ans die Tbanache, dass der Synagogengesang kleinerer Gemeinden der Willknhr und der Unwissenheit überantwortet sei, weil alle seine Vorgänger nur für große Synagogenchöre sorgten und es keinem Einzigen einsiel, sein Augenmerk^einer Stätte zuzuwenden, welche, weil räumlich bedeutsamer, in erster Reihe eine sorgsame Pflege beanspruchen durste. Diesem Gedankengange entstammten die in kol rmnah utefillah von Lewandowski niede:gelegten ein- und zweistimmigen Originalchöre. Ein- und zweistimmige Chöre? hören wir fragen; was soll's denn mit dieser Vedeutung? Nun, jenen Fachgenossen, welche mnsikaliche Lehrjahre durchgemacht und Notenbeste mit den ersten Elementen der Harmonisirung vollgeschrieben, bis sie in der Lage waren, nur einigermaßen CorrccteS zu schaffen, brauchen wir aus diese Fragen nicht zu antworten, aber für jene Alle, welche diese langgedehnten Wanderungen auf dem weiten Plane der CompositionSlehre für LnxuS erachten und nur so von GotteS Gnaden Componisten geworden, erlauben wir uns darauf aufmerksam zu machen, dass die knappe M u s i k f 0 r m auA