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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-11-14 · Heft 36 (14.11.1886) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 36 (14.11.1886)
Date
1886-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis Kür ^ercinsmitgkirder: Ganzjävrig ... st. 5 — Halbjährig ... fl. 2.5V Vierteljährig . - st. 2.25 Monatlich ... fl. —•45 Kür Zlichlmitgkieder: Ganzjährig ... fl. Halbjährig ... st. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Monatlich . . . ff. —.50 Kür das A»sra»d: Ganzjährig - - ■• fl• 7•־־ 12 Mark oder 6 Rubel. VL die Gesammt-Il1ierrs5kll iiiilisdjer Caiitaren. | 1 אUi tu, Erscheint jeden achten Hag. 11.. Novarazaffe 27. O r o a 11 Begründer: Obercantor §aR06 Mcrirev. Inserat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht rerournirt. Nr. 36 Wien, 14. November 1886. 6. Jahrgang. Heber die Entwickelung des Synagogen- Gesanges. Von Ober-Cantor I. Singer in Wien. II. Serie. VIII. An den Kunstgebilden unserer Meister müssen wir die Form studiren, und es muß das unablässige Bemühen jedes nach Wahrheit strebenden Fachgenossen sein, in den Geist dieser Meisterschöpfungen einzudringen, die einzelnen Schönheiten auf ihren Kunstwerth zu prüfen und die Vortrefflichkeit des Kunstwerkes nicht aus dem Totaleindrucke, sondern aus der Summe der mehr oder weniger formvollendeten Einzelnschönheiten zu resultiren. Deshalb stimmt es mit unserer Anschauung durchaus nicht überein, wenn wir hie und da der Ansicht begegnen, man solle bei einer Besprechung unserer Synagogengesangswerke nicht nach Einzelnheiten forschen, sondern dieselben nach ihrem Gesammteindrucke prüfen und hiernach beurtheilen. Jede Kunstschöpfung ist ein Aneinanderreihen künstlerischer Details, und nur die Kunsthöhe dieser letzter» verleiht der betreffenden Schöpfung das Gepräge des mehr oder minder Formvollendeten. Wir versuchten nun nach dieser unserer Ansicht den Geist der Lewandowski'schen altjüdischen Intonationen zu erfassen, und es ist uns auch gelungen, den Nachweis zu erbringen, dass der Meister bei der Verzeichnung dieser Gesangsgruppe, wenn auch nicht einem bereits bestehenden Systeme, sondern seinem gesättigten, künstlerischen Bewusstsein und den unwandelbaren Gesetzen künstlerischer Feinfühligkeit folgend, Gebilde hinftellte, welche ganz zweifellos eine strenge Gliederung aufweisen und hiedurch den emsigen Forscher ganz entschieden zur Aufstellung eines Systemes veranlassen. Wir erbrachten nun in Nr. 7 dieser Besprechung den Beweis, dass Lewandowski dem Scalengefüge der in den,Tonarten des traditionellen Synagogengesanges ״ aufgestellten mögen owaus- und adonoj moloch-Steiger vollinhaltlich gerecht ward, oder bester gesagt, dass die in dem benannten Werkchen *) dargelegten Steigerscalen das gerechtfertigte Resultat der von Meister Lewandowski verzeichneten diesbezüglichen Intonationen seien, dass demnach die Doetrinen der benannten Broschüre, waS den mögen owaus- und adonoj moloch-Steiger betrifft, mit dem Tongefüge der Lewandowski'schen Gesänge dieser zwei Arten sich vollständig decken, und wir schreiten nun an die Untersuchung auch der letzten Gruppe der von Lewandowski in kol ^iimab dtefillal' uuuiuuuelleii Gesänge, und zwar der jischtabbach-Weise. Es befremdet uns durchaus nicht, wenn Lewandowski gerade für die Anklänge seiner jischtabbach-Recitation eine andere als die in den ,Tonarten" bezeichnete Tonfolge wählt; dieser Umstand, wir haben es ja schon wiederholt ausgesprochen, das Auseinandergehen der Ansichten nach dieser Richtung, ist uns vielmehr eine höchst willkommene Erscheinung, welche früher oder später zur endgiltigen Regelung der zerfahrenen Angelegenheit drängen muß — für uns ist d ie Thatsache von umfassender Bedeutung, ob die in den »Tonarten" verzeichnete jlschtabbach- Steiger-Scala mit ihrem Tongefüge von der 1. bis 2. Stufe einen Halbton, von der 2. bis 3. Stufe drei Halbröne rc., welche Scala dort als eine specififch jüdische hingestellt er-, scheint, von Lewandowski auch zur Anwendung gebracht ist, und wir freuen uns, auch hierüber eine geradezu erschöpfende Beweisführung liefern zu können. Die Nummern 33 or chodosch, 37 ledor wodor, 38 jismaeh mosche, 39 sochrenu, 55 tikanto schabbos, 56 elohenu welohe awosenu, 277 mib08801׳ wodom, 225 jisroel noscha, 227 adonoj adonoj weisen das unangetastete Gefüge der jischtabbach-Steiger- Scala auf, und auch bei Necitativen modernen oder anderen alten Gepräges wendet Lewandowski dort, wo es ihm zweckdienlich erscheint, Tonfortschreitungen der jischtabbach-Steiger- Scala mit Vorliebe an (man sehe die Stelle moschul kacherea hanischbor in Nr. 184 — oder die Stelle uwabben haneekod in Nr. 187 oder die Stelle lehaskirom lcchajim welamowes in Nr. 194 rc.). Nicht an einer einzigen Stelle des 231 Nummern *) Dasselbe wurde ja viel später veröffentlicht.

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