Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 35 (6.11.1886)
- Date
- 1886-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumkralioiis-Prri- Kür ^creinsmilgttcvcr: Ganzjävrig ... fl. 5.— Halbjährig ... fl. 2.50 Vierteljährig י fl. 1-25 Monatlich ... fl. —-45 Aür Kichtmilgkieder: Ganzjährig ... st. 6.— Halbjährig ... fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Monatlich . . . fl. —.50 Kirr das Ausland: Ganzjährig ... fl.?.— 12 Mark oder 6 Rubel. Organ GeMmmi-IiltmZAil piLiZcher Cantaten. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor IcrAoö Wcruer7. 3R crliicf tau Adurinistration Wien, II., Novaragasse 27. Inserate werde» billigst berechnet. Manuscripte werde» nicht rekvurnirt. Nr. 35 Wien, 6. November 1886. 6. Jahrgang. Da:׳ Mgelpriiludium in der Synagoge. Von K r 1t st!14t öenstein Cantor und Lehrer in Amschelberg. Die Litteratur synagogaler Musik ist überreich au Werken und wird täglich größer. Sie ist der sprechendste Beweis für die productive Kraft der jüdischen Componisten. Heute mangelt es noch au guten Orgel-Vorspielen hebräischen, synagogalen Charakters. *) Es ist ein trauriges Factum, dass der Gottesdienst mit obligater Benützung der Orgel den Juden zumeist kalr lässt. Sowie das Instrument ertönt, fühlt er sich fremd in den sonst so heimischen Räumen. Schmerzvoll irrt sein Blick von einem Betpult zum andern: derselbe Gedanke spricht aus aller Mienen. Die Klänge, die-das Herz erheben sollten — ihm erschüttern sie nur die Grundpfeiler seines Gottesdienstes, seines allen Glaubens. Und doch hat ja der Jude Sinn für gute Musik, Verständnis für ein gut vorgetragenes Tonstück. Ja, eben sein richtiges musikalisches Gefühl sagt ihm,׳j dass diese Musik nicht am׳ rechten Platze sei. So wird denn die Ursache obiger Erscheinung lediglich dem Instrument selbst beigemessen. Also die Orgel, die Königin der Instrumente, der menschlichen Stimme am nächsten verwandt, sollte an und für sich den Gottesdienst ,stören'?! Das kann nicht der Fall sein, und ist es auch nicht. Das störende Moment liegt unmöglich in dem so arg verfolgten und verpönten Instrumente, sondern in der Art und Weise, wie dasselbe gehandhabt wird. Der Posten des Organisten ist fast immer durch Christen besetzt. Dieser leitet den Gottesdienst, so gut er kann und so schlecht er will, in der Tonart des betreffenden Musikstückes ein. Der Inhalt des folgenden Tonstückes ist ihm unverstündlich, und so ' lässt er ihn denn völlig unberücksichtigt. Es macht ihn auch Niemand hierauf aufmerksam. Nun aber ist das Wesen, der Zweck des Präludiums ein *) Einige jüdische Componisten habe» wohl auch auf diesem Gebiete Hervorragendes geleistet. ganz specisischer: es soll mit dem nachfolgenden Tonstücke in unmittelbarer Verbindung stehen, sowohl nach Form, als auch nach Inhalt. Es muß die Tonart zu Gehör bringen und aus dis Empstndungeu vorbereiten, welche der Gesang ausdrücken soll. Es soll durch Innigkeit das Gemüth zur Bitte und zum Danke stimmen, und durch die Kraft des harmonischen Ausdruckes zum Lobe des Allerhöchsten erheben. Dies" setzt von Seiten des Organisten außer seinem obligaten musikalischen Wissen dieselbe genaue Kenntnis des jeweiligen Ceremoniels, seiner Würde und seines Zweckes voraus, wie vom Vorbeter selbst. Denn ebensowenig als dieser ohne Verständnis seiner Functionen bei allem sonstigen musikalischen Wissen auf fein Publikum erbaulich wirken kann, ebenso wirkungslos, und deshalb störend, erscheint das Orgelspiel, ohne' Verständnis gehandhabt. So besteht z. B. in einer Synagoge das Vorspiel in der bloßen Cadenz der jeweiligen Tonart (1. Stufe, 2. Stufe, 5. Stufe, Toniea). In einer anderen Synagoge kennt der Organist nur zweierlei Registratur: 8 Fuß und volles Werk, obzwar die Orgel viel mehr Stimmen hat. — Im besten Falle phantasirt der Spieler ad libitum, oder benützt kirchliche Präludien von Brixi, Seeger, Rinek u. A., die an und für sich meisterhaft, zumeist aber zum folgenden Stücke passen,' wie die Faust aufs Auge. Betreibt nun noch zu all' dem der Cautor selbst — borribile dictu — sein Amt handwerksmäßig, leiert er jahraus, jahrein dieselbe ,wunderbare, gewaltige Melodei" immer gedankenloser und schleuderhafter, dann muß solch' ein Gebaren dem musikkundigen Organisten lächerlich, langweilig, widerlich werden. Den Orgelpfeifen entspringen dann alle bösen Geister des Widerspruches und Uebermuthes und führen im entweihten Hause des Herrn den tollsten Hexensabbath auf, dass sich Gott erbarme l Dann ist freilich der ״neue, geregelte' Gottesdienst noch verwerflicher als das Unisono^Geichrei der ,alten' Gemeinde, und es hieße besser: fort mit der Orgel! Ich bin scheinbar vom Thema abgewichen und dürfte manchem Cantor. zu stark aufgetragen haben. Und doch ist all' dem so, und wer Ohren hat, der höre! Wollen wir der noch