Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 34 (29.10.1886)
- Date
- 1886-10-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oes te r reich isch - ungarisch e '-- —־־—־ Prämnncraiions-Preik Kür ^ereinsmilgkiedcr: Ganzjävrig - - - fl. 5 — Halbjährig . . . fl- 2.50 Vierteljährig , . fl. 1.2b Monatliche - . . fl- —45־ Kür Mchtmilgtteder: Ganzjährig . . . fl- 6.— Halbjährig , . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Monatlich . . . fl. —.50 Kür das Ausland:!Ganzjährig - •■.־'•fl•..7•— 12 Mark ober 6 Rubel. t O 1* o a 11 die OeZl1mmt-I11ierrZ5ell jiiitisrtjrr Canturen ßrscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Jakob Mcrrrev. Administration II., Novaragasie 27. Inserat« ' werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirr. Nr. 34 Wir». 29. Ortober 1886. 6. Jahrgang. Das ivriße Amtslrleid des jüdischen Lnittors an den hohen Wertagen. (Zweiter Artikel). In dem erstell .gleichbetitelten Aussätze versuchten wir zu erläutern, dass nur jener jüdische Cantor berechtigt ist, au den hohen Feiertagen das nnschnldsvolle. weiße Amtskleid anznlegen, der makellos und im ungeschmälerten Besitze feiner Menschenwürde vor seinem Schöpfer hintritt, und dass es geradezu wie eine Verhöhnung der heiligen Einrichtung erscheint, wenn Individuen dieses Symbol der Unschuld anlegen, deren Moral schwarz wie ein tiefer Nachtschatten, deren sittliches Leben wie ein vom Sturme zerwühltes Wrack vor uns liegt. .Diese Betrachtungen bildeten den Inhalt jenes in der Nüstzeit zu'den hohen Feiertagen veröffentlichten Aufsatzes und nun. da das ,Singen und Sagen' verklungen, da die alljährlich wiederkehrende, beinahe aufreibende Amtsthätigkeit der jüdischen Cnltusbeamten gethan und dieselben wieder zu ihrer normalen Bes ch ä f t i g u n g zurnckkehren, wenden wir unser Augenmerk jenen Erscheinungen zu, die bedeutungsvoll für jeden Menschen, aber für den jüdischen Cultnßbeamten, beziehungsweise für seine amtliche und sociale Stellung, von ungeheuerer Tragweite sein müssen. Betrachten wir nun die oben angedeutete, normale Beschästigüng der jüdischen Cultukbeamten in ihrer dienstfreien Zeit, so trübt sich das Auge, und das Herz durchzuckt ein tiefes Weh' beim Anblicke der Zustände, die leider im jüdischen Cantorenthume platzgegrisfen. Die Herren Rabbinen und Prediger schlagen je nach Gesinnung oder Bildungsgrad wieder die Talmndsolianlen oder andere Bücher der Wissenschaft auf, um zu lernen, um die geistige Potenz ihres Wissens, welche ihnen das nöthige Uebergewicht dem Laien gegenüber verschafft, zu erweitern, und.befestigen durch diese ausschließlich richtige Verwendung ihrer amtsfreien Zeit ihre Bedeutung und Autorität in zielbewussterer Weise, als es durch die Machtvollkommenheit ihrer Amtsftellung allein möglich wäre; denn Bildung verleiht Kraft, Mulh und Freiheit des Willens. Wenden wir nun unsern Blick auf die normale Beschäftigung der jüdischen Cantoren in ihrer dienstfreien Zeit, und wir gelangen alsbald zur Ueberzeugung, dass dieselbe leider die trübe Quelle all' jener bedauerlichen Zustände ist, welche innerhalb des jüdischen Cantorthumes platzgegriffen. Man misverstehe uns jedoch nicht. Wir meinen keineswegs jene Cantoren kleinerer Gemeinden, die durch die Verhältniße veranlasst, in ihrer sangesfreien Zeit das Amt eines Gemeindesecretars, NeligionSlehrers oder Schächters versehen müssen; sie sind wahrbaft glücklich zu preisen, dass sie zur Entfaltung einer subjcctiven Mannigfaltigkeit gezwungen sind; denn nach unserer Anschauung verschaffen ihnen ihrer Aemter Bürden auch die nöthigen Würden, indem ihre anstrengende Thätigkeit sie einerseits von Nahrungssorgen freihält, andererfeits zu steter Arbeit veranlasst und sie demnach von thaten- und gedankenloser Zeitvergeudung fernhält. Unser Blick ruht heute lediglich auf jenen Cantoren, die in ihrer Gemeinde ausschließlich den sogenannten ,Obercantoröienst' verseben, denuiach von Samstag Mittag bis kommenden Freitag absolut nichts zu thun haben. Wir unterlassen es, dieses traurige Bild zu zeichnen; die Beschäftigung der meisten dieser Herren ist ja vollauf bekannt, es ist die B e s ch ä f t i g n n g s l v s i g k e i t. Allerdings sind wir keine Sittenrichter, haben daher auch keine Berechtigung, über das Thun und Lass.« nuferes Nebenmenschcn Zu urtheilen, oder für dasselbe ein Regulativ zu verzeichnen — allein diese erwähnte Beschäftigungslosigkeit ist der Ausgangspluikt all' jener unerklärlichen Thaten, die den Herrn ,Obercantor' der Verachtnng seiner Gemcindemitglieder preisgibr, demnach dem Gesammt- Cantorenthume tiefe, schwer heilbare Wnudeu schlagt, und zur Abwendung ähnlicher Gefahren für unseren heiligen Stand vindiciren wir uns erst das Recht, ein gewichtiges Wort mitreden zu dürfen. Sind die Herren ,Obercantoren" wirklich alle so fachmännisch gesättigt und wissenschaftlich reis, dais sie mit dem Autritte des Obercantorpostens aus jede weitere Ausbildung verzichten können? Oder haben die Herren so viele und aufreibende Studienjahre als Vorbereitungsperiode für ihr wichtiges Amt durchgemacht, dass die Arbeit ihnen als Ballast erscheint, den