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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-09-16 · Heft 30 (16.9.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 30 (16.9.1886)
Date
1886-09-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Der Furcht befreit werden, die in erwachsenen Zabren kaum abzulegen ist. Die Sängerin, wenn sie eine Dilettantin ist (und diese leiden doch am meisten an dem Nebel), darf zur Stärkung ihres Mürbes sich nur erinnern, dass diese Classe von Sängern weder die Ansprüche der wirklichen Vrnuosen, die ihr ganzes Leben auf ihre Kunst verwenden, haben kann, noch durch ihre Anspruchlosigkeit zu strengen kritischen Urtbeilen berechtigt. . Ungegründete Ansprüche, wenig Zutrauen in der Menschen Wohlwollen und vernachlässigte Erziehung, schienen mir am häufigsten die Ursachen einer Furchtsamkeit, die hier so schädlich wirkt. — (Fortsetzung folgt.) ר Kleine Lhrmiik gSje«. Der Banguier Joses Braun hat, wie mau der ,Jll. Wr. Gmtztg." berichtet, an den Richter der resonnilten jüdischen Gemeinde in Budapest folgendes Schreiben gerichtet: Euer Ehrwürden! Sie hatten die Freundlichkeit meine Wenigkeit zur Theilnahme au der von Ihnen gestifteten reformirten jüdischen Geuosteuschast gütigst einznladeu, indem Sie mich zum Präses der inS Leben zu rufenden Gemeinde den betreffenden Herren Wählern vorznichlagen beabsichtigen. So sehr ich diese Auszeichnung zu würdigen weiß, bin ich doch in die unangenehme Lage versetzt. Irrem gütigen Rufe nicht so folgen zu können. Nicht nur schwer wiegende religiöse Bedenken, sondern auch jüdische Nationalrücksichteu, welche auf historischen Erfahrungen basiren, sind diesbezüglich bei mir maßgebend. Sie haben vollkommen Recht, wenn sie behaupten, dass ihre neugestiftete Neligionsgenofsenschaft nicht auf neue Ideen zurückzuführen sei, nur begehen Sie eine kleine historische Unwissenheit, indem Sie auf die jungen Nesonngemeirlden in Deutschland und Amerika sich berufen. Sie müssen auf beinahe 19 Jahrhunderte zurückgreifen, damals enstand auch eine Secte die vorgab, ganz aus׳ jüdischem Boden zu stehen, sie wolle nur das Spreu vom Korn sondern, Spreu wäre das Pharisäerthum (der Talmud) die C remonialgesetzs, — das Korn die Ethik des Judenthums u. s. w. WaS nach einigen Decennien aus dem Judcnthume dieser Secte, als sie schnell zur Macht gelaugte, geworden, wissen Sie, gelehrter Herr, besser als ich, die Welt wurde zwar mit der jüdischen Heilslehre beglückt, aber wir Juden mußten doch viele. Jahrhunderte die Zeche bitter bezahlen. — Auch Ihre Genossenschaft, wenn sie zur Macht gelangen sollte, würde mit ihrer Mntterreligion, dem alten Judenthume nicht besser verfahren, und dazu will ich mich nicht hergeben. Ihre Vorläufer hatten den heiligen Geist, der sie zu ihrem Vor-- gehen inspirirte, — in Ihren Schriften konnte ich vom heiligen Geiste nichts vorfinden. Das Judenthum basirt auf der heiligen Schrift und auf der Tradition. Da Sie die Tradition, die im Talmud enthalten ist, ganz verwerfen und aus der heiligen Schrift nur jene Stellen gelten lassen, die Ihrem System entsprechen, somit auch den größten Lheil der heiligen Schrift verwerfen, wie können sie dann das Judenthum nennen? — Sie führen eine Stelle im Talmud an: ,Wer den Götzendienst negiert, wird Jude genannt". Der Talmud sagt nicht nur er ist Jude, sondern er wird so genanilt. Die Römer nannten durch 300 Jahre die Christen Juden, weil sie die alten Götter verwarfen. Da ich nur eine Reform, welche ans jüdischen Boden steht, km Judenthum besser gelten lassen kann, werden Sie hoffentlich meiner Neberzeugung Rechnung tragen und mir gütigst entschuldigen, wenn ich Ihrer freundlichen Einladung nicht folgen kann. Budapest, im September 1886. HZudapest. Das Circular des ungarischen Cultusministers an die Schulinspectoren, laut welchem den jüdischen Schülern der Bürger׳, Gymnasial- und Realschulen das Schreiben und Zeichnen am Sabbath | nur in den wenigen AusnahmSfällen zu erlasstn sei, falls die jungen- Leute Theologie studieren wollen oder Söhne von Rabbinern sind, Hai bereits im vorigen Jahre große Aufregung in verschiedenen Kreiselt hervorgebracht und bei Beginn des neuen Schuljahres von Neuem gesteigert. Die DnrchführungS Commission der conservativen Gemeindenin Ungarn hat deswegen am 10. August 1886 an den ungarischen׳ CultuSmiuister nachstehende Vorstellung überreicht: Excellenz, Herr Cu It u s mi n ist er! Zahlreiche jüdische Eltern haben sich an Ew. Excellenz mit der Bitte gewendet, ihre die Mittelschulen besuchenden Kinder znm Zeichnen und Schreiben am Sabbath nicht verhalten zulassen. Infolge dieser Gesuche haben Ew. Excellenz mittelst Erlasses vom 12 December 1885 zu verfügen geruht, dass dem Ansuchen im Allgemeinen keine Folge gegelen, dass abcr in einzelnen Äusnahmsfällen, zum Beispiel den Söhnen von Rabbinern oder solchen Zöglingen, Ue sich zur Rabbiner-Laufbahn vorberciten, auf Unrerbreirung deS Schuldirecrors seitens. Ew. Excellenz der diesbezügliche DispenS ecrheilk werden wird. Diese Verfügung hat die Angehörigen der jüdisch-ortho-׳ toxen Constssion des ganzen Landes schmerzlich berührt, denn sie stellt die Kruder dieser Gläubigen einfach vor die Wahl, entweder auf die Wohlthat des Ui'.terrichreß der Mittelschulen zu verzichten, oder die Fundamental-Gesetze der jüdischen Religion ständig und wissentlich zuverletz.-». Wir sind aber der festen Neberzeugung, dass keiner der hier angeführten Fälle den Jntenlioneu Ew. Excellenz entsprechen könne, denn die Anhänglichkeit an die Religion kann unmöglich auf welcher 1 Laufbahn immer ein Hindernis bilden, und ebenso unmöglich ist eS andererseits, dass die staatsmänuiiche Einsicht Ew. Excellenz es nicht längst erkannt haben lollte, dass Irreligiosität eines der gefährlichsten klebet unserer Zeit bilde. Wenn aber Ew. Excellenz den angeführten Erlass aufrecht zu erhalten entschlossen sind, dann kann der Vater, der fernen Kindern eine jüdische Erziehung arigedeihen lassen will, sie unmöglich in eine Mittelschule schicken, jene jüdischen Kinder aber, welche die Mittelschule besuchen, werden systematisch zue Irreligiosität gedrängt. Was jene Begünstigung betrifft, welche der angeführte hohe Erlass jenen Kindern zu gewähren geneigt ist, die sich zu Rabbinern heranzubilden bestreben, so können wir nicht umhin, unlerthänigst zu bitten, in Betracht ziehen zu wollen, dass, abgesehen davon, dass die Schüler der Mutelschulen nur in den sellensten Fällen eine bestimmte Laufbahn sich vorgezeichnel haben, eS auch vom orthodox jüdischen Standpunkte gar nichr gestattet ist, das Nabbinenhum als eine im Voraus bezeichnete Laufbahn ariszustecken. Wir können eben deshalb nicht umhin, unser tiefes Bedauern da!über anSzusprechen, dass Ew. Excellenz in dies.r vorzüglich religiösen Frage unser bereits im Jahre 1876überreichtes Gutachleu zu berücksichtigen, nicht die Gewogenheit hatten, sondern Len Standpunkt der Congreß-Kanzler zu billigen beliebten, der wir in Sachen der jüdischen Religion jede Competenz absprechen müssen. Nach alledem bitten wir urrrerlhäuigft, Ew. Excellenz mögen, den angeführten Erlass außer Kraft setzend, gnädigst gestatten, dass im Sinne unserer Unlerbreitnng vom Jahre 1876 allen jüdischen Schülern der Mittelschnle, welche den Sabba h nicht entweihen wollen, das Schreiben, Zeichnen und Rechnen am Sabbath erlassen werden möge." Oe. W. Krag. Ein Meschumed als Mohel dürfte zu den Raritäten gehören! Aber in unserer Zeit, wo Fürsten über Nacht entthront werden, ist alles möglich! In einem Städtchen Böhm ns (nomina sunt odiosa) lebt ein junger, getaufter, jüdischer Medic. Docror. Seine Neffen sind zufällig noch Juden, bei welchen die Encuruciffion aus ,.Gesundheitsrücksichten" nnterbleibeu mußte; d.nn. die Frau Maina will nicht, dass man ihre Kinder sofort als Söhne Abrahams erkenne und hofft, dass diese Kinder noch rechtzeitig dein Schooße der allein seligmachenderr und Stellen vergebenden Kirche״ zngetührt werden! WaS thnt aber Gott? Die Kinder leiden schon feit ihrer Geburt viele Schmerzen bei den nothwendlgsten Entleernngerr und haben immer dadurch die Vorhaut so entzündet und mit Eiter

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