Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 30 (16.9.1886)
- Date
- 1886-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Prnmnneraiions-Prri Kür ^ereiusmitgUrdrr: Ganzjährig ... st. 5- Halbjährig - - - fl- 2.51 Vierteljährig - - fl. 1.21 Monatlich ... fl•. —.4, Aür Zlichlmilgrieder: Ganzjährig . . fl. 6.- Halbjährig ... st. 3.- Vierteljährig .. . fl. 1-5.1 Monatlich ... fl. —.5 Aür das Ausland: Ganzjährig ... fl- 1■— 12 Marl oder 6 Rubel. O r ga-11 die Gesummt-Interessen Mischer Cantoren. jRedaeito» Administration M im, ה Erscheint jeden achten Hag. II., Novaragasse 27. ) Begründer: Obercantor Icrkob ZZcruer7. Inserat« werden billigst berechnet. Manuscriple werden nicht retournirl. Nr. 30 Wien, 16. September 1886. 6. Jahrgang. Arber die Entwickelung des Synagogen- Gesanges. Von Ober-Cantor I. Singer in Wien. VI. ■■■■■ Die in kol rinnoh ut’filloh von Lewandowski »eröffeut־* lichten Necitative müssen, wie bei anderen ähnlichen Componisten, in zwei Abtheilungen gesondert werden, und zwar 1. in das ,:moderne (deutsche), und 2. in das traditionelle (polnische) Ncci-; tativ. Die Eigenartigkeit deöLewandowski'schen modernen Necitativs offenbart sich keineswegs in allzugroßeu Musikformen, sondern gerade in den allereinfachsten derselben; hiebei brauchen wir jedoch weder auf die strengmusikalische Illustration des Wortes, noch auf interessante, sachgemäße Modulationen zu verzichten. Wir müssen angesichts des allzureichen Stoffes es uns versagen, auf : jedes einzelne Necitativ des vorliegenden Werkes insbesondere . hinzuweisen, wollen daher lediglich an einem Beispiele nach- .zuweisen uns bestreben, welcher Art die diesbezügliche, musikalische . Muse Lewandowski’s ist, und wählen hiezu das allererste Necitativ für likras schabbos S. 6, N. 7. Der Umfang der Melodie beansprucht nur die Töne einer .Octave, demnach nach modernen Begriffen den bescheidensten ,Aufwand an Tonmaterial. Zudem erscheint für die Textesworte likras schabbos bis) bemachaschowo techilloh ein gleichfalls .bescheidenes Naumverhältnis von nur 7 Tacten verwendet. Betrachten wir jedoch den musikalischen Inhalt dieser 7 Tacte und twir; gelangen alsbald . zur Ueberzeugung, - dass' hier eine :Meisterhand den.Griffel geführt, um die einzelnen Töne mit logischer:Begründung und tiefer Sachkenntnis zu verzeichnen. Man dürfte , einwenden,- dass es keiner-.allzugroßen Geschick- -lichkeit bedarf, um von der Ausgangstonart O-dur nach der ver- .wandten..^-äur-Tonart: zu gelangen, und dieser. Einwand muß :im Allgemeinen zugeftanden werden, allein .man versuche selbst, :ein ähnliches Necitativ mit ähnlich musikalischer Absicht nieder- -zuschreiben, und man wird sich überzeugen, dass es zumeist greller, oftmals unberechtigter und durch den Textesinhalt nicht gebotener Hilfsmittel bedarf, um diese scheinbar leichte Aufgabe zu lösen. Hier jedoch ist die Vermittelung durch II-moll bei merosch mikedem nesucho so fließend und zwanglos hergestellt, dass das wenig geübte Ohr oder der Laie es kaum bemerkt, in eine andere Tonart eingeführt worden zu sein. ׳ Noch interessanter gestaltet sich das Necitativ von mikdasch melech und hisna’ari. Der selbstbewusste Herrscherruf mikdasch melech ir melucho erscheint durch den Aufschwung der Melodie zur Octave ebenso trefflich gezeichnet, wie das Abwärtsgleiten des Gesangsmotivs bei kumi ze’i mitoch hahafecho die tiefe Erniedrigung und die nöthige Aufmunterung zu neuer Thatkraft erschöpfend wiedergibt. Der unvermittelte Uebergang nach D-moll und die Anwendung einer Noll-Tonart überhaupt bei dem trostspendenden Inhalte hisna’ari meofor kumi, liw’schi big’de sifartech ami dürste bei oberflächlicher Durchsicht etwas auffallen, bei näherer Betrachtung jedoch zeigt es sich nur zu deutlich, dass bei der in Noll gearbeiteten Musikillustration des Textes liw’schi, hig’de sifarfcech ami etc. weniger die Absicht obwalten kann, das Israel der Gegenwart in Prachtgewänder gehüllt zu sehen, als. vielmehr auf die geschwundene Blüthenperiode des ,sieg- und ruhmreichen, einstigen jüdischen Staates hinzuweisen; bei diesem historischen Hintergründe dürfte die Anwendung einer Molltonart nicht mehr auffallen, ja als der einzig richtige Vorgang erachtet werden. Zudem stellt sich uns bei dem Verse hisna’ari meofor etc. die nach berühmten (?) Vorbildern bis nun von sämmtlichen Componisten verzerrte Textdeclamation hisna’ari meofor kumi — liw’schi bigde — sifartech ami das allererste Mal als. dem Wortinhalte entsprechend richtig dargestellt vor und zeigt, dass Lewandowski einerseits der Textbehandlung sein Hauptaugenmerk zugeweudet, anderseits die von Anderen, wenn auch hochbedeutenden Männern, verübten Irrthümer nicht demuthsvoll acceptirt, sondern männlich freimüthig zu verbessern bestrebt ist. Die in diesem winzigen Necitative nachgewiesenen trefflichen Merkmale, als: leichtflüssige Melodie, Benützung eines mäßigen Tonumfanges, interessante Modulation, strenge Anschmiegung des Musikgedankens an den Inhalt des Textes und die unangetastete Wiedergabe des grammatikalisch gegliederten Wortes | haften allen, im vorliegenden Lewandowski'schen Werke vor-