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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-09-08 · Heft 29 (8.9.1886) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 29 (8.9.1886)
Date
1886-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumcralions-Prrix Kür ^»errinsmitglikder: Ganzjädrig . . . fi. 5.— Halbjährig - ... . fl. 2.50 Vierteljährig י . fl. 1.25 Monatlich - - fl- —•45 Kür Kichlmilglieber: Ganzjährig . . . fl. 6.— Halbjährig ... fl. 3.— Vierteljährig ... fl. 1.50 Monatlich . . . st. —.50 SjsSr das Anstand: Ganzjährig ... fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. Organ die GeZoinnit-Interessen siidischrr Cnntnrcn Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Acrk.c»ö H3crr.rev. Adttrinistration IN i tu, II., Novaragasse 27. j Inserat« werden billigst berechnet.' Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 29 Wien, 8. September 1886. 6. Jahrgang. Wikn, am 7. September 1886- In einer dcr letzten Nummern dieses Blattes hat ein gefchätzter College aus der Provinz, der sein warmes Interesse für für den Cantorenverein auch schon durch die That bewiesen, die die traurige Bemerkung gemacht, dass in unserer VereinSthätigkeit seit längererZeit eine Stagnation eingetreten sei, und die allgemeine Begeisterung und Schaffensfreudigkeit, welche vor einigen Zähren sich kundgab, der jetzt herrschenden Apathie in grellen Farben gegenübergestellt. Die Wahrnehmungen des Herrn Collegen Auspitz in Horic haben uns nicht so sehr überrascht, denn wir selbst haben zu wiederholten Malen Gelegenheit genommen, an leitender Stelle auf manche Uebelstände aufmerksam zu machen Und die Collegen zu größerer Energie angeeifert; befremdend klang nur die Mötivirung des geehrten Einsnnders, die in dem Ausspruche gipfelt, dass bei den Mitgliedern das Vertrauen aus ein ersprießliches Wirken des Cantorenvereines geschwunden sei, weil zwischen der Centrale und dem scinerzeitigen Ausschüsse der geplanten Zweigniederlassung in Böhmen Differenzen entstanden, die schließlich zur Austassuug der Zweigniederlassung führten. Wir wollen uns hier nicht in die Erörterung der Frage einlassen, ob das System der Zweigniederlassungen in den Krönländern überhaupt für die Dauer haltbar und dem Vereine förderlich war — unsere Ueberzeugung, die aus den Erfahrungen mehrerer Jahre resultirt, spricht vollkommen gegen diese Jnftitution; wir wollen, dem lobenswerten Vorbilde des Herrn Collegen Auspitz folgend, auch darüber nicht rechten, wen die Schuld an dem ,unerquicklichen Bruderzwiste* traf — die Sache ist bereits geschehen, und wer seinem Gedachtniße zu Hilfe kommen will, der thue einen Einblick in die betreffenden Nummern der Cantorenzeitung vom Jahrgauge 1884 oder in die im Vereinsarchive aufliegende Correspondenz und die Sitzungsprotokolle, und er wird, falls er über damaligen Vorgänge noch nicht genügend belehrt ist, in der Lage sein, sich ein richtiges Urtheil zu bilden; nur eine Frage möchten wir uns erlauben? Ist denn seit jener Zeit gar nichts geschehen, haben wir nach diesen gewiss bedauerlichen Dissonanzen — mittlerweile sind bereits zweieinhalb Jahre verflossen — gar nichts der Initiative des Vereinsvorstandes zu verdanken, und ist es ferner nicht anerkenneswerth, wenn die Männer, die an der Spitze unseres Vereines stehen, trotz verschiedener Angriffe und trotz der unliebsamen Erfahrungen, nicht wie Ändere es thaten, die Flinte ins Korn warfen, sondern unverdrossen Zeit und Mühe im Interesse der gemeinsamen Sache opferten? Jene Herren, die den Vorstand für die Stagnation verantwortlich machen wollen, scheinen ganz darauf zu vergessen dass unterdessen das Vereinsvermögen nahezu um die Hälfte gewachsen ist, und zwar nicht blos von den Zinsen und Mitgliedsbeiträgen; es scheint ferner ihrem Gedächtniße entschwunden zu sein, dass in den Sitzungen und in verschiedenen Veröffentlichungen mehrere wichtige Standesfragen in Anregung gebracht wurden, die leider bei den Mitgliedern nicht die nöthige Unterstiitzung fanden. Und forschen wir nach der Ursache, so ist es keineswegs Mangel an Vertrauen, sondern Mangel an Erkenntnis der Nothwendigkeit und Ersprießlichkeit eines gemeinsamen Verbandes. Ein großer Th eil unserer Collegen lässt sich noch immer vom Egoismus beherrschen, legt sich fortwährend die Frage vor, waS bietet mir der Verein, und denkt gar nicht daran, was seine Schuldigkeit gegenüber dem Vereine ist, und womit er den Interessen desselben dienlich sein kann. Um nun an einem Exempel die Nichtigkeit dieser Argumentation zu erhärten, wollen wir. auf das Resultat der Sammlungen, die in den einzelnen Gemeinden zn Gunsten des Cantorenvereines eingeleitet wurden, Hinweisen. Hier hätte doch Jedermann wenigstens den Willen bezeugen können, etwas, und sei es noch so gering, für den Verein zu thun. Bevor der Vorstand die Sammelbögen aussaudts, wurde er von allen Seiten bestürmt, und so Mancher war schnell mit dem Vorwurf bei der Hand, dass durch die Lässigkeit der Centrale der Verein jährlich um so und so viel Tausende zu kurz komme; als aber die Mitglieder die Bögen zuge!anot erhielten, was war das Facit? Von s ä m m tl i ch e n Mitgliedern haben ungefähr dreißig sich darum bemüht. Diese verdienen gewiss vollstes Lob und Anerkennung und sie haben sich wahrhaft, jeder nach seinen Kräften, um den Verein verdient gemacht. Wo blieben aber die anderen Hundert und noch mehr? Der Eine befürchtete

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