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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-23 · Heft 27 (23.8.1886) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 27 (23.8.1886)
Date
1886-08-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumcraiions-Prrik Kür ^ereinLMilglicder: , G.inzjäbrig - - . fl. 5.— Halbjährig ... fl. 2.50 Vierteljährig . - fl. 1.25 Monatlich . . fl. —.45 Kür Kich1«li1gtteder: Ganzjährig . . . fl. K.— Halbjährig ... fl. 3.— Vierteljährig . . fl. 1.50 Monatlich . . . fl. —.50 Aür das Anstand: Ganzjährig ... fl. 7.— 12 Marl oder 6 Rubel. _;_J Organ die Grsllllmii-IllterrZZell jüdiZihrr Cantoren Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkoö Mcr1r6r7. Adulittistratiorr W i en. II., Novaragaffe 27. 2 Inserat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. J Nr. 27 Wien, 28. August 1886. 6. Jahrgang. Die Agende für Wische Cantoren. Zm jüdischen Cantorate pulsirt frisches, jugendliches Leben. Eine Spanne Zeit zurück, und wir hatten keinerlei Hilfsmittel, durch welche Staudeswissenschaft und Standesbewnsstsein zum Ausdrucks gebracht: werden konnte, und nun besitzen wir Fachzeitungeu, in deren- Spalten die wissenschaftliche- Bedeutung unserer Wirksamkeit besprochen und klargelegt, und Vereine, in deren Mitte die Bessergestaltung unserer Stellungen berathen und angebahnt wird,^Wir verzichten auf die Auszählung all der Einzelheiten^ die bereits erzielt wurden, sondern können den Umstand als bedeutende Errungenschaft all der vielen Arbeiten hinstellen, dass das jüdische Cantorat ein Factor geworden, mit welchem bereits nichtcantorale Kreise zu rechnen beginnen, und welches in wissenschaftlicher Beziehung sogar das Augenmerk nichtjüdischer Kunstgenossen aus sich lenkt. Es ist nun nicht zu verkennen, dass falls daß begonnene Werk mit vereinten Kräften und ungestört fortgesetzt werden könnte, das gestreute Samenkorn in grüne Halme schießen und zur segensreichen Frucht sich gestalten müsse. Andererseits dürften nur geringfügige oder gar keine Erfolge zu erzielen sein, wenn dieser begonnenen, ernsten und zielbewussten Thätigkeit unvorhergesehene Hinderniße entgegentreten. Ein solches unvorhergesehenes Hindernis ist aber die von dem böhmischen Lehrerverein geplante Herausgabe einer Agende für jüdische Cantoren und die veröffentlichte Concurrenzausschreibung für die Bearbeitung derselben. Wir sind im Zweifel, ob wir, jüdische Canto r.e n, den böhmischen Herren Lehrern für das große Interesse, welches sie durch die angeführte Thatsache uns entgegenbringen, dankbar sein dürfen, oder, ob wir ihr Vorgehen als unverantwortliches Eingreifen in unsere Gerechlsame entschieden ablebnen sollen. Die Beleuchtung dieser Frage bildet den weiteren Inhalt dieser Zeilen. Welchen Zweck hat die Herausgabe einer Agende für jüdische Cantoren? — Nach wissenschaftlichen Begriffen nur einen, u. zw. die A n b a h n u ng eines ei n h e i t l ich e 11 Sy 11 a-- 3 p 3 e n g e sa n g es. Alle anderen geplanten Zwecke, wie Herausgäbe leichter Gesänge rc. müssen bei dem beschränkten Raum einer Agende gegenstandslos erscheinen; für die sonstigen synagogalen Bedürfniße, soweit dieselben die Amtshandlung deS Cantors betreffen, Minhagim und Dinim, ist ja in trefflicher und erschöpfender Weise durch die von den Herrn Collegen Schönfeld in Posen und Wolff in Rostock veröffentlichten Bücher gesorgt» Somit bliebe fü r die Herausgabe einer neuen Agende kein anderer Gesichtspunkt, als die obenerwähnte Anbahnung eines einheitlichen Synagogengesanges. Ein einheitlicher Synagogengesang kann jedoch nur dann erzielt werden, wenn Styl und Form derselben wissenschaftlich geprüft und festgestellt erscheinen, wenn die Anwendung der Töne unserer heiligen Gesänge nicht blos von jedem einzelnen Cantor und Autor in willkürlicher Weise gesungen und aufgeschrieben, sondern auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Gesetzes aufgebaut erscheinen. So wie die meisten jüdischen Cantoren der Gegenwart jedoch das synagogalgesangliche Necitativ willkürlich handhaben und vor dem Forum der Wissenschaft den Berechtigungsnachweis für ihre Gesangsleistungen schuldig bleiben müssen, weil ihnen Styl und Form derselben vollständig unbekannt, den meisten sogar gleichgiltig erscheinen, so kann auch die von den böhmischen Herren Lehrern herauszugebende Agende unmöglich das Gepräge des Formvollendeten beanspruchen, insolange Styl und Form unserer Gesänge nicht wissenschaftlich feftgestellt erscheinen, und ein Buch, welches eine solch' eminente Aufgabe, wie die Anbahnung des einheitlichen Synagogengesanges, zu lösen hat, jedoch in seiner Form styllos gearbeitet ist, muß doch wahrlich als Gefährdung unserer Amtsinteressen hingestellt werden. Zudem erscheint der Modus einer Concurrenzarbeit für die beabsichtigte Agende vollends unbegreiflich. Es werden sich, angeeifert durch die in Aussicht gestellten klingenden und grünenden Lorbeeren, sehr viele Bearbeiter finden; möge der böhmische Lehrerverein seinen idealen Zweck weiter verfolgen und die Concurrenzarbeiten in Empfang nehmen, er wird bei Prüfung der» selben zur Ueberzeugung gelangen, dass bei fünfzig eingelaufenen Arbeiten auch fünfzig verschiedene Stylarteu vertreten sein werden. We l ch e.r dieser Stylarten wird er dann den Preis znerkennen, wenn man sich zuvörderst nicht über einen Styl auf wiffenschaftlicher

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