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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-08-14 · Heft 26 (14.8.1886) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 26 (14.8.1886)
Date
1886-08-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Prämnneraiions-Prrik Kür Atreinsmilgttedrr: Ganzjädrig ... fl. S.— Halbjährig ... fl. 2.5V Vierteljährig * - fl. 1.25 Monatlich - - - st- —•45 Kür Kichlmilgtttder: Ganzjährig . . . st. e.— Halbjährig ... fl. 3.— Vierteljährig . . fl. 1.50 Monatlich . . . fl. —.50 Kür das Ausland: Ganzjährig - .. . fl- 12 Mark oder 6 Rubel. Organ die GeMlimit-IlckreZseil Mischer Caittütm Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor IcrAob Mcrusv. ^eJitciton UI1D AdntinistraLiorr IU i e n, II.» Novaragasse 27. > Iuscrat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht rerournirt. Nr. 26 Wien, 14. August 1886. 6. Jahrgang. Altjüdische Tempelmnsik.*)! Die Tonarten des traditionellen Synagogengesanges (Steiger). Ihr Verhältnis zu den Kirchentsnarten und den Tonarten der vorchristlichen Musik. Periode. Erläutert und durch Notenbeispiele erklärt von Josef Singer Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. . Das ist•'״eine,klnne,^.aher bedeutungsvolle und hochinteressante Schrift,''d'' man'-cil8^Ureunden ernster'MnMorschüng ans Herz legen muss. Zn einer im Allgemeinen klaren und anmuthenden Sprache erörtert der Verfasser, ein gewiegter Praeticus des jüdischen Cultusgesanges, den Ursprung und Charakter der alten Melodien, nach denen die Liturgie des israelitischen Gottesdienstes gesungen wird und die unter den Namen , Steiger * in ungefähr derselben Weise wie die Kirchentonarten, ans denen die römisch-katholische Liturgie, der Gregorianische Gesang beruht, begriffen werden. Die Arbeit Singer's ermangelt, obwohl sie durchaus gemeinverständlich gehallen, keineswegs mit gelehrtem Beiwerk ansstaffirt und in scrupulösen Untersuchungen aufgegangen ist, was auch ihrer Kürze wegen schon sich ansschliesst, in keiner Weise der Tiefe und Gründlichkeit, welche durch die große Wichtigkeit des behandelten Gegenstandes, seinen Zusammenhang mit ernsten Zielen der Musikhistorie und seinen praktischen Zweck für die Reinerhaltung und Veredelung des ältesten der europäischen Culte bedingt wird. Sie ist durch die Ausartungen hervorgernsen, denen die jüdische Tempelmusik, in welcher ehedem trotz der Verschiedenheit der Riten (Minhag, Polen und Aschkenas), eine streng einheitliche Form obwaltete, durch die Umwandlung des Gottesdienstes in den Neformgemeinden verfallen musste, da hierbei ohne einheitliche Grundgedanken vorgegangen wurde. Singer hat sich die Aufgabe gestellt, in die Fußstapfen seines wohlverdienten Vorgängers Sulzer tretend, dis Reinheit und die durch moderne Zuthaten und Verschnörkelnngen geschmackloser *) Unter diesem Titel veröffentlicht der bekannte Componist und ' Musikschriftsteller H. Eichborn in der ״Wiener musikal. Zeitung" seine Ansich׳ ten über den traditionellen Synagogengesang, mit Rücksicht auf die vielerwähnt^ Singer'sche Broschüre. Durch die Freundlichkeit des Autors sind wir in der angenehmen Lage diese höchst bemerkenswerthe Enunciation unseren Lesern mitzutheilen. Die Redaction. j Cantoren vielfach verballhornte Schönheit der alten traditionellen Steiger nach Kräften herzustellen und im Cultns wenigstens der größeren Gemeinden zur Geltung zu bringen. Er hat zu diesem Zwecke gründliche Untersuchungen über das Princip angestellt, welches den altjüdischen Synagogen-Weisen zu Grunde liegt, und ist hierdurch auf eine merkwürdige Ana- Mögie geführt worden, welche zwischen den Kirchentonarten des Gregorianischen Antiphonarinm und den Scalen besteht, die er mit unzweifelhafter Deutlichkeit ans einer Anzahl alter Steiger heraus conftruirt. Nach einer sehr klaren Uebersicht des Wesens der Kirchentonarten und deren allmäliger Ausbildung zu unserem jetzigen System der Dur- und Moll-Scalen bezeichnet er mit Recht das Vorhandensein von Intervallen, welche den modernen Tonarten widersprechen, als einen Prüfstein für das höhere Alter der Tonsätze, darin sie Vorkommen, und besindct sich auf Grund dieser Erkenntnis in der Lage, im Synagogengesanze Modernes von Altüberliefertem scheiden zu können. Die von Singer herausgesundenen Synagogentöne sind nun: 1. C-Des E-F GAsBC 2. C D-Es F G-As B C 3. CD E-F G A-B C Diese Scalen bezeichnete er, den Steigern entsprechend, in denen sie unzweideutig vertreten sind, mit deren Namen, 1. disditabaeh, 2. Mögen owaus, 3. Adonoj moloch, und nimmt sie zum Kennzeichen der wirklich alten und originellen Melodien. Daran reiht sich eine interessante Forschung nach der Entftehnng jener Scalen, welche ergibt, dass die Mögen owaus- Scala der Ordnung ihrer Intervalle nach mit der äolischen Tonart übereinstimmt, die ans den Tönen a 11 c d e f g 3 besteht, wobei es natürlich nicht auf die Tonhöhe, sondern nur auf die Zntervallen-Verhältnisse ankommt. Ein Vergleich der Steiger mit den Tonreihen der mohamedanisch-arabischen Musik ergibt die genaue Uebereinstimmnng der Adonoj moloeb-Seala mit der Scala Usebak (C D-E F G A-B C) und der Mögen owaus mit der Scala Newa (G D-Es F G-As B C). Das Resultat ist, dass die genannten beiden Scalen sehr alt, aber durchaus zweifelhaften Ursprunges sind.

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