Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 25 (6.8.1886)
- Date
- 1886-08-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7׳ laut welcher das h. Ministerium für Cultns und Unterricht den israelitischen Schülern an den hierländischen öffentlichen Lehranstalten die bisherige Befreiung vom Schreiben und Zeichnen an Samstagen entzogen haben soll, vollkommen unbegründet istindem eine dahin gehende Verordnung nicht erlassen wurde. Lemberg am 16. Juli 1886. Für den k. k. Statthalter: L o e b l m. p. Budapest. Ans Constantinopel schreibt man der ,N. jüd. Pest. Ztg.' folgende interessante Begebenheit: ,Wahrend m-incs Anfentbaltes in der türkischen Hauptstadt wohnte ich bei einem Glaubensgenossen, Namen» David Alkllai. der vor Kurzem gegen einen reichen türkischen Hausbesitzer einen Process gewann, der viel Aufsehen erregte. Alkelai hatte die einzige Tochter einer reichen jüdischen Witwe geheiratet, die ihm jedoch bei der Hochzeit keine , Mitgift ' gab, sondern blo» eine schriftliche Erlärnng, dass er als Gemahl ihrer einzigen Tochter ihr ״Universalerbe' sein werde! Mittlerweile sollte das Ehepaar bei der alten Frau wohnen und mit allem Nöthigen versorgt werden. Da» Geld wollte die alte Frau, so lange sie lebte, nicht ans den Händen geben, da sie auch während des Lebens ihres Mannes das ganze Vermögen zu verwalten pflegte. Zn der That hatte sie eine recht glückliche Hand, da sie es eben war, die durch gelungene Geldgeschäfte ein bedeutendes Vermögen erwarb. Nun gewährte sie dem in Rede stehenden türkischen Hausbesitzer eine Anleihe in der Höhe von 250.000 fl. zum Ankäufe eines gloß.n Seeschiffes. Eine solche Summe besaß die Frau nicht und musste selbst bei einigen Bankhäusern Gelder anfnehmen, um diesen hohen Betrag zusammenzubringen. Sie that all' dies, da der reiche Türke ihr recht hohe Zinsen versprach. Allein es kam gar nicht dazu, dass sie auch nur einmal Zinsen erhalten konnte. Etwa 5 Wochen nach Abschluss des Geschäftes wurde die alte Frau in ihrem Garten tobt allfgefuiiden. Ein Gehiruschlag hatte ihrem Leben ein unerwartetes, plötzliches Ende bereitet. Alkelai, als Universalerbe der ganzen Hinterlassenschaft seiner Schwiegermutter, eilte nun zu dem reichen Türken und kündigte ihm die Anleihe. Doch dieser stellte sich erstaunt und behauptete, nie von einer jüdischen Frau auch nur einen Heller als Darlehen ausgenommen ,zu haben! Als Alkelai nicht Weichen wollte, da stieß ihn der Türke zur Thüre hinaus mit den Worten: ,Zeige mir den Wechsel, den ich unterschrieben habe, und ich werde ihn einlösen! Wer ohne Schrift eine Forderung an mich stelle, den werfe ich hinaus!' . . . Alkelai ging nach Hause, durchstöberte alle Schränke seiner verstorbenen Schwiegermutter, suchte alle Taschen ihrer Kleider ans, durchblätierte ihr großes altes Gebetbuch, in welchem sie öfters Schriften anfzubewahren pflegte, doch all' dies blieb erfolglos. Der betreffende Wechsel war nirgends anfzufinden . . . Auf den Rath eines Advocaten strengte nun Alkelai gegen den Türken einen Process an, doch dieser leugnete auch vor Gericht die Schuld, und da er sogar einen Eid leistete, verlor Alkelai den Process und wurde znr Tragung der Gerichtskosten verurtheilt. D er unglückliche Mensch ist in Folge dessen so herabgekommen, dass er seine Frau nebst zwei kleinen Kindern nur dadurch erhalten konnte, das» er fremden Leuten in seiner bescheidenen Wohnung Quartier gab. Alle Welt bedauerte das brave Ehepaar, welches durch die ,Geheimnisthuerei' der alten Frau, die ihren Kindern nicht einmal den Ort bekannt gab, wo sie einen solch' hochwichtigen Wechsel anfbewahrte, in Noth und Elend gerieth. All' dies ereignete sich Anfangs Juni vorigen Jahres. Da Monate verstrichen, ohne dass der Wechsel aufgefunden werden konnte, hatte sich der unglückliche Alkelai bereits mit frommer Ergebenheit in sein Schicksal gefügt. — Doch, wenn die Noth am größten, da ist Gott am nächsten. E» kam der Nüsttag des Versöhnungstages. Nun befand sich in dem bescheidenen Wohnzimmer der alten Frau eine sogenannte R. Meier ^b.aal.-HWeß;Büchst׳, -MlAe sitz;.!alljährlit1)-zn.lrr(!a!n Rüsttagtz Versöhnuugstagss zu öffnen pflegte. An diesem Tage übergab sitz. E Inhalt der BücHses 'MuH MuHCHAM».DtzMi, damit er da^ E -n 4.׳;i/1 eir.u^hr^iuiiir. g Geld den Armen des heil. Landes znkommeu lasse! Da die alte Frau nunmehr todt war, öffnete Alkelai die Büchse, um die darin enthaltene Summe ihrer Bestimmung zuznführeu. Und welche Ueberraschung! Unter den vielen Kupfer- und Silbermüttzeu befand sich auch der Wechsel über die 250.000 Gulden, unterschrieben von dem in Rede stehenden türkischen Hausbesitzer. Man kann sich die Freude des jungen Ehepaares denken, welches an diesem Jom Kippur nicht blos ,Tbränen der Nene', sondern auch ,Thränen der Freude', .Thräneu der Dankbarkeit' gegen Gott weinte. Es ist überflüssig, hinzuzufügen, dass Alkelai nunmehr die Viertelmillion Gulden fammt Zinsen erhielt, und dass über den meineidigen reichen Türken eine mehrjährige Kerkerstrafe verhängt wurde! Jetzt erst sah man ein, wie praktisch klug die alte Frau war. Sie that den Wechsel deshalb in dis ges nannte Büchse, weil sie wusste, dass diese nur von ihr allein geöffnet wird! Sie hatte dies aber auch deshalb gethan, weil der Wechsel, wie sich nun heransstellte, eben an diesem Tage fällig wurde. Sie war sicher, den Verfallstag nicht zu versäumen, weil sie ja an diesem Tage ohnehin die Büchse öffnen musste, um den Inhalt dem Chacham Baschi zu übergeben! Dieses Mal hat diese Büchse wirklich ein Wunder zu Tage gefördert, wodurch das Ehepaar Alkelai von Noth und Elend gerettet wurde. Berlin. Bis vor kurzer Zeit waren im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten zwei Inden als Hilfsarbeiter beschäftigt. Beiden wurden Winke ertheilt, wie sie die Schwierigkeiten die ihrer Beförderung entgegenftandeu, beseitigen können. Der Eins verstand den Wink, ließ sich taufen und wurde alsbald befördert. Der Andere, Herr Dr. Cahn, ließ die betreffenden Winke unbeachtet. Vor einiger Zeit wurde nun auch er dennoch zum kaiserlichen Legationsrath eriiannt. Der Chef des auswärtigen Amtes ist bekanntlich der Reichskanzler Fürst Bismark. Als dem Fürsten der neuernannte Legationsrath vorgestellt wurde, sagte er zu ihm: ,Wir haben Sie als tapferen Mann kennen gelernt, ich gratnlire zum Avancement'. Stellenveränderungen. College Moriz Kraus, welcher durch eine Reihe von Jahren in der Gemeinde Planian (Böhmen) als Eantor wirkte, ist vor Kurzem von dem Vereine ״Or tomid“ in Prag in gleicher Eigenschaft acceptirt worden und wird seinen neuen Posten im Monate September antreten. Wir wünschen, dass es ihm gegönnt sei, sich in gleicher Weise, wie in Planian, die Liebe und Anerkennung der Gemeindemitglieder zn erringen, und gewiss wird er es auch nicht ermangeln lassen, seinen Einfluß im Interesse des Canloren- Vereines geltend zu machen. College M. Büßgang, bisher in Frauenberg, ist am 3. Juli nach beifällig aufgenommenem Probevortrage als Cantor der Gemeinde Tachau acceptirt worden und wird seinen Posten am 1. September antreten. Wir entbieten ihm die herzlichsten Glückwünsche zn seinem Amtsantritte. Die Redaktion. Correspondenz der Nedaction. Z. in C. ,Eingesendet' erscheint in nächster Nummer, besten Gruß. N. in Lib. Unser herzlichstes Beileid über den großen Verlust, den Sie erlitten. Gruß. Mink, in Qd. Bestätigen den Empfang von 4 Rubl. D. in Br. Bestätigen dankend den gesandten Betrag. Besten Gnch. Fr. in Str. Sie erhalten in den nächsten Tagen das Dokument zurück. Gruß. Ad. in 11. Hr. Wir werden Ihnen in den nächsten Tagen ein Conto- Current znseaden. Die Nedaction-^ AhonWmsntsnndb ZrisertiorisbeträM sind irr KUedaetiöll> Wien, H., Nov aragaffe 2?, zahlbar. M