Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 23 (13.7.1886)
- Date
- 1886-07-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische 71־—ר־—= Prämnncralions-PrNS Kür ^crcinsmilglirdcr: Ganzjäkrig ... st. 5.— Halbjävrig ... st- 2.5V Vierteljährig - - st- 1.25 Monatlich ... fl. —45 Kür zrichlmilglitder: Ganzjährig ... st. 6.— Halbjährig ... st. 3.— Vierteljährig . . st. 1.50 Monatlich ... fl. —.50 Jür das Anstand: Ganzjährig ... fl. 7-— 12 Mark oder 6 Rubel. V Organ Ar die Oeslimmt-IiüeresZen sMHer dDautarpn. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor HZcrrrsv. jRetlneiion AdurinisLraLion IU i tu, II., Novaragasse 27. > Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 23 Wien, 13. Juli 1886. 6. Jahrgang. Unsere Fnchjritungru und ihre ehemalige Mujikiieilage (von W i n n a ch e k.) XII. Alle diese für unsere gegenwärtigen allgemeinen Zustände wahrhaften Wunderwerke und Wuuderthaten der allseitigen Regelung und Jdealisirung unseres Gottesdienstes, der Anregnng und Aufmunterung zur Wissenschaftlichkeit ans allen Gebieten des Fachwissens und der Musikalisirung, ja ich möchte schier sagen der Civilisirnng unseres V o l k s - Synagogengesanges, vermag allein die richtige und vollständig kunstgerechte Ausarbeitung und Veröffentlichung unserer TraditionSgesänge hervorzurufen und dazu noch einen solchen unabsehbaren Wirkungskreis für unsere Fachblätrer zu schaffen, der, wie die Wissenschaft selbst, nie aushören und nie zu Ende gehen kann. Wie die Mutterbrust, je mehr sie gesauget wird, desto reichern Zufluss an Milch und Nahrung hat; ebenso wird durch diese in oben sormulirter Weise heranszugebends Mnsikbeilage die Zahl der sachwissenschaftlichen Tonarten und die Menge der aus gründliche Lösung und Aufklärung harrenden Fragen für unsere Zeitungen sich immer mehr vergrößern und vermehren, und wir hinwiederum werden, dadurch an Kenntnißen und gründlichem Wissen immer mehr zunchmen und erstarken, und unsere litterarischen Erzengniße werden dann auch immer ergiebiger und fruchtbringender werden. Und -in der That sind gerade in unserer Zeit die Anssichten für die Realisirnng unserer Hoffnungen und Wünsche betreffs des TraditionsgcsangeS besser und günstiger, als sie je gewesen sind. Immer wieder und immer von Neuem hören wir ans maßgebenden Collegenkrcisen gewichtige Stimmen verlauten, dis alle ans das Nesnms hinauslansen: ״Lieber weniger Originalcompositionen und dafür mehr Bearbeitungen von Traditions- Melodien", und wir müssen sogar annehmen, dass dieses so vielfach und in verschiedenen Variationen ausgesprochene Verlangen zu allererst von den Gemeinden selbst ausgieng, die aus ihre Beamten in dieser Beziehung eine Pression ausüben und sie zu diesem allgemeinen Nothschrei veranlassen. Aber abgesehen davon, ist unsere gegenwärtige Zeit noch ganz besonders für die Ausführung dieses Unternehmens günstig und geeignet, als sie es ja auch ist, die aus dem Gebiete des Synagogengesanges eine Erscheinung gezeitigt, die an das Unglaubliche und geradezu Wunderbare grenzt. Wir sind eS nämlich von jeher gewöhnt, dass, je größer und je renommilter der Chasan desto abgeneigter war er dem Traditionellen im Synagogengesange und desto weniger wollte er je etwas davon wissen. Und nun, was sehen und was erleben wir jetzt? Ein Mann, wie Obercantor Zoses Singer in Wien, der Präsident des öfterreichijch-ungarischen Cantoren-Vereincs und der würdige Nachsolger unseres großen Sulzer, der vermöge seiner hervorragenden Bildung und künstlerischen Begabung, vermöge seiner hohen Stellung und seines socialen Ansehens, noch mehr aber vermöge seines ehrlichen und redlichen Strebens nach Licht und Wahrheit hoch und gigantisch über uns steht und mit ganzer Kopfeshöhe — משכמו ומעלה גבוה מבל העם — und ganzer Mannesgröße uns überragt; er ist nun der treueste Freund und der beharrlichste Vertheidiger unseres Traditionsgesanges. Mit voller Kraft, mit der ganzen Schärfe seines Geistes' und der Wärme seiner Wahr-, hcitsliebe kämpft er gegen die Vernachlässiger und Verletzer deS traditionellen Synagogengesanges, und mir seiner mächtigen Stimme und schneidigen Feder schmettert ec nieder und wirst sie zu Boden dis sogenannten ״Chor-Chasanim', die in ihrer großen Einfalt und ihrem Eigendünkel glauben, dass das ,Jüdisch-Singen' für ihr hohes Amt eine Herabwürdigung, wäre und eine traditionelle Melodie in ihrem geweihten Mundo ihre ganze ,Künstlerschast* unverwischbar beflecken könnte. ,Deutsch' und ,Choralisch*, das ist zeitgemäß und der ,Bildungshöhe* des 19. Jahrhunderts würdig. Ist das nicht nun ein wahres Zeichen der Zeit, dass ein. Mann, wie Singer, ein Cantor aus der größten, vornehmsten und wahrscheinlich auch gebildetsten Gemeinde Deutschlands sichan die Spitze einer Bewegung stellt, welche die Devise: »rein jüdischer Synagogengesang und Pflegung und Erhaltung des Traditionsgesanges', aus ihreFahne geschrieben, und bei welcher wir