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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-06-19 · Heft 20 (19.6.1886) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 20 (19.6.1886)
Date
1886-06-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis Kür ^rreinsmitglieder: vanzjähriz ... st. Halbjährig - . -fl- >50 Vierteljährig . - st. 1-25 Monatlich ... st. —.45 Kür Zlichlmilgkieder: Ganzjährig ... st. Halbjährig ... ft. 3.— Vierteljährig . . ft. 1.50 Monatlich ... ft. —.50 Kür da* Ausland: «an,jährig ... ft. 7.— 12 Marl ober 8 Rubel. Organ die GrZlinrnli-MmsZen sMZchrr Cantaren. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icr^oö Mcrrrev. AdministraLrorr H) i tn, II., Novaragajse 27. 2 Inserat« werde»! billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 20 Wien, 19. Juni 1886. 6. Jahrgang. Einladung zur Pränumeration auf die Lsterr-ungar Cantoren - Zeitung. Mit 1. Juli beginnt das 3. Quartal dieses Jahrganges; wir ersuchen daher unsere geschützten Herren Abonnenten, das .Abonnement rechtzeitig zu erneuern und den Abonnementsbetrag pünktlich und regelmäßig einzusenden. Die Administration der österr.-ungar. Cantoren-Zeitung. Nester die Entwickelung des Synagogen- Gesanges. Von Ober-Cantor I. Singer in Wien. II. Lerie. III. Lewandowski's Eintritt in die Akadeinie der Künste muß insofern als ein Ereignis bezeichnet werden, weil bis dahin noch keinem Juden der Eintritt in dieselbe gestattet, und. wie bereits erwähnt, die Anzahl der Aufzunehmenden auf 16 festgesetzt ward. Allein zwischen der Erlaubnis zum Eintritte und der Aufnahme selbst lag noch eine bange, erwartungsvolle Zeit; denn jeder Aust zunehmende hatte zuvor eine überaus eingehende Befähigungs- Prüfung zu bestehen, deren Erfolg erst die eigentliche Aufnahme in die Anstalt beftmmte. Erwägen wir nun, dass die betreffende Vorstandschaft der Akademie durch die eventuelle Aufnahme eines Juden mit einer bestehenden Tradition zu brechen veranlasst War, so ist es begreiflich, dass dem Eleven Lewandowski der Befähigungsnachweis nicht bequem gemacht, sondern das Höchste verlangt wurde, was eben verlangt werden konnte. Betrachten wir beispielsweise dis Aufgaben, die an den Jüngling gestellt wurden, so ist es kaum zu erfassen, wie dieselben von ihm gelöst werden konnten. Außer einer mehrstündigen, strengen, mündlichen Prüfung mußte Lewandowski innerhalb zweier Tage in der Klausur zwei Originalchöre geistlicher Richtung componiren, ein von einem Andern angefangenes Streichquartett J mit strenger Ausarbeitung der gegebenen Motive vollenden und schließlich ein für Pianoforte componirtes Stück für großes Orchester bearbeiten. Die erste Aufgabe sollte die eigene Schaffenskraft und Richtung des Aufzunehmenden darlegen, während die zweite Theilaufgabe das künstlerische Erfassen der musikalischen Eigenart eines Andern bekunden, und die letzte Arbeit die Vertrautheit mit der instrumentalen Technik so»vohl als auch mit der Vertheilung der Harmonie und Klangeffecte an die charakteristischen Instrumente Nachweisen sollte: Aufgaben, die das Können eines gereiften Musikers vorauSietzen und zu deren nur beläufiger Lösung die festgesetzte Frist zweier Tage geradezu als etwas Außerordentliches betrachtet werden muß. Allein Lewandowski entsprach den an ihn gestellten Anforderungen so vollkommen, dass bereits am dritten Tage deffen Eintritt als Eleve in die Akademie der Künste bewerkstelligt war. Unter 16 Schülern der einzige Jude, war es wieder keine leichte Arbeit, die Lewandowski zu leisten hatte, um nur nnangetastet den vorgeschriebenen Obliegenheiten nachzukommen; seine Ausdauer, sein Fleiß und Ernst einerseits eroberten ihm jedoch im Sturme die volle Sympathie seiner Lehrer Nungenhagen, Bach und Grell, während seine Bescheidenheit, Zurückhaltung und Offenheit die anfangs gehässige Gesinnung seiner Mitschüler in wahrhafte und innige Freundschaft umwandelte. Das ernste Streben Lewandowski's, welchem die übliche Pflichterfüllung keineswegs genügte, deffen Wissensdrang ihn vielmehr zu immerwährend neuer Thätigkeit anspornte, blieb auch seitens seiner Professoren nicht unbeachtet, und diese belohnten den echten Knnsteifer ihres Zöglings wiederholt durch Prärnien, mehr noch durch ihre rückhaltslose Sympathie, welche Lewandowski beseeligte und zu weiterer Thätigkeit anspornte. Dieser künstlerische Einfluss der Schule, wie der öftere Aufenthalt im musikalischen Hause Mendelssohn's gestalteten sich für Lewandowski zu einer Lebenssonne, in deren Strahlenglanze die Fähigkeiten des Kunsteleven um so offenbarer erschienen, durch deren belebende und erquickende Wärme jedoch auch deffen Anlagen und Talente wunderbar geweckt und zu prächtigen Blüthen entfaltet wurden. Was ein Kunstnovize zur Ehre der von ihm srequentirten Anstalt nur zu leisten im

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