Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 19 (11.6.1886)
- Date
- 1886-06-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische ־־// Pränumerations-Preis Kür H»ercins1ni1glicder: Ganzjährig ... st. L.— Halbjährig ... st. 2.50 Vierteljährig - - st. 1-25 Monatlich ... st. —•45 Iiür Ntchlmilgtteder: Ganzjährig ... fl. K — Halbjährig ... st. 3-- Vierteljährig . . fl. 1-50 Monatlich ... fl. —.50 Kür das Ausland: Ganzjährig . . . fl. 12 Marl oder 6 Rubel. V. Organ Grslinimi-IlltmMn jüdischer Cantorcn. KrscheinL jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkoö Wcrirer. V. ^cdnciian Administration IU t e n, II., 9kovaragaffe 27. 1 Sufcrafe werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht reiournirt. Nr. 19 Wien. 11- Juni 1886. 6. Jahrgang. Unsere FnchMungen und ihre ehenmiilje! Musikbeilage (von ZU i n n a ch e l.) X. Eine weitere, endgiltige Entscheidung wäre auch darüber zu treffen, ob die allerorten 'übliche Gemeindebeantwortung von בדיך תיאיי“ eine berechtigte und sinnentsprechende ist. Dem Sinne nach scheint die Zusammensetzung von!קודשא ברייך הואי* ein einzelner, zusammenhängender, untrennbarer Begriff zu sein, welcher die Umschreibung des göttlichen Eigennamens involvirt, n. z. gewinnt das vorangehende קודישאי" nur dann erst die Bedeutung der göttlichen Prädizirung, wenn es in Verbindung mit ,בדיך הוא“ zu stehen kommt; ohne diese Apposition aber, oder als anhängendc Benediction und für sich allein dastehend betrachtet, ist das isolirte קודשאמ‘ von relativer Bedeutung und kann nicht absolut auf die Gottheit allein bezogen werden, indem auch andere himmlische oder irdische, höhere Wesen oft in der Bibel mit diesem Prädicate benannt, gefunden werden. (Siehe Daniel.) In diesem Sinne finden wir auch überall in den verschiedenen .״לשם יחוד die bekannte Redensart: "ק״בי׳ה ושכינתיה und ebenso sagen wir allsabbathlich : ה״ק״ב״ה״ ישלם״ שכרם", und noch an vielen anderen Stellen begegnen wir diesem Namensausdruck Gottes, wo cs uns gar nicht einsällt, ihn zu trennen und für die Gemeinde eine besondere Einschaltung darin zu erblicken. Ueberdies ist es auch viel sinnreichem und der ganzen Construction des Satzes viel entsprechender, wenn das darauffolgende ,,לעילא" schon ans den'vorangehenden Satz, von;,יתברך" an, Bezug nimmt, als wenn es nur auf ,,הריך הוא" allein Bezug hätte, was uothwendig der Fall sein müsste, wenn der Satz schon bei ״KudseW‘ den Abschluss finden sollte und die vorherigen BenedictionSausdrücke alle ohne Erörterung geblieben wären, welche uns erklären soll, wie׳ weit unser Ideal der Gottesverehrüng in. jenen verschiedenen und mehrfachen Benedeiuugsworten sich ausdehnt. ׳ .. ' In gleicher Weise wären noch viele andere, derartige Gebete in unserem täglichen Gebetpenfum zu finden,׳ die ebenfalls j einer gründlichen Beleuchtung und Festsetzung ibres wahren | Sinnes bedürften, wenn wir mit klarem Sinn und voller Bewusstheit beten und in guter Ordnung Gott lobpreisen und ihn anbeten wo llen. So lange aber dies noch nicht geschehen ist, hat es in der That den Anschein, als ob wir nur zu unserer Entschuldigung an den Wochentagen immer wieder zu wiederholen haben: ,,ואנחנו לא נדע םה נעשה". Wir wissen nicht, was wir ihun. Bei dieser Gelgenheit werden wir auch nicht umhin können, die mannigfaltigen und nicht überall anfgeklärt scheinenden Synagogengebräuche und Ceremonien (מנהגים) zu erläutern und über ihre Abstammung, Verpflanzung und Entwicklung wissenschaftliche und aus Urquellen geschöpfte Aufklärung zn geben, was wieder ein unabsehbares Gebiet für die künftige, segensreich sich gestaltende Thätigkeit unserer Fachzeitschriften schaffen wird. Auch bezüglich der wahrhaft phänomenalen Existenz dem beiden so verschiedenen und dennoch sich nicht ganz fremden, ja oft sogar sich gegenseitig ergänzenden und begegnenden traditionellen Nitualgesänge werden wir nicht Unerhebliches und für die Erforschung der alten Synagogenmusik, — wozu eben die Dualität dieser Gesänge die beste Handhabe bieten würde — nicht Unwichtiges s. Z. zu sagen bekommen. Wir werden hierbei, wenn wir mit diesem in Vorschlag gebrachten Schöpfung durchaus wiffenschaftlich und gewissenhaft verfahren und wirklich einmal eine nützliche, bleibende und für alle Zeiten gütige Arbeit liefern wollen, eine genaue Untersuchung darüber anstellen müssen, wie diese beiden Ueberlieferungsgesangsarten (*גינות שבעל פה) ursprünglich entstanden find, und wie sie sich so viele Jahrhunderte durch mündliche Tradition erhalten konnten? Auf welche Weise haben sie sich — wahrscheinlich doch von einem Ursprünge abstammend — so schroff von einander abgezweigb und sind somit zu zwei Hälften, dem nord- und süddeutschem Ritus, geworden? Welche der beiden Traditionsgesangsarken ist die..einfachere und schlichtere und sagt, dem religiös und andächtig, gestimmten Gemüthe mehr zu? Welche derselben entspricht mehm dem'iüdischen Müsikgeiste, 'der sich in seinen Tongattungcn und seinen Jmprovisatiönsweisen offenbart, und darf deshalb den Vorzug׳ der ״ Priorität׳ zu allererst ׳für sich in Anspruch nehmen?