Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 16 (16.5.1886)
- Date
- 1886-05-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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zwischen Volk und Volk, zwischen Glaubensbekenuer und Glaubens- Memier kennen, sondern auf jedes Gemüth, auf jedes Herz mit gleicher Kraft wirken, zu gleicher Zeit die schlummernden Gefühle erwecken, so mögen in Bälde alle Nationen unseres geliebten Vaterlandes und dessen Glaubensbekenner zum Körper eines Staates -werden, den nur ein Bestreben leite, ein Willen erfülle, ein Gedanke begeistere, das Wohl und das Erblühen unseres Vaterlandes. Amen/ .(Soweit der Bericht unseres Correspondenten, der am Schlüsse seines Schreibens noch die Hoffnung und den Wunsch ausdrückt, recht bald diesem Sodom entfliehen und die ihm etwa noch von der Vorsehung gegönnten Jahre in einer mehr vom jüdischen Geiste beseelten Gemeinde zubringen zu können. Unter den geschilderten Umständen muß uns dieser Wunsch ganz gerechtfertigt erscheinen. Die Nedaction.) Wien- College Adolf Türk in Mährisch Ostrau geht so- .eben daran, eine Serie von Gruppenbildern herauszugeben, auf denen die Bildniße der bekannteren Cantoren verewigt werden sollen. Der Name des Herrn Türk, der den meisten Collegen von seinen Gedenkblättern und Smane-Hatfilos etc. her bekannt ist einerseits, sowie die berühmte Hofstrma Löwy. welche die artistische Ausführung der Bilder übernommen hat, andererseits, geben genügende Bürgschaft hiefür, dass das Werk eine nach jeder Richtung hin künstlerische Vollendung sein wird. Herr Türk ersucht uns, jene Herrn Collegen welchen kein Circular zugekommen ist, die aber in den Bildern aufgenommen zu werden wünschen, anzuweisen sich mit ihm in diesbezügliche briefliche Verbindung setzen zu wollen. Inden wir mit Vergnügen diesem Wunsche Nachkommen, können wir nicht umhin, den geehrten Collegen die kräftigste Unterstützung dem rührigen Cantor gegenüber ans Herz zu legen. Wrag. Baron Hirsch hat 100.000 Frcs. für die Abbrändler von Stryj gespendet. Dieser hochherzige, mehr als fürstliche Act dürfte in den weitesten Kreisen einen lauten Widerhall finden und für sehr Viele ein Ansporn sein, zur Linderung der schrecklichen Noth, in welcher Hunderte sonst wohlhabende Familien durch die Zerstörungswuth des entfesselten Elementes plötzlich gerathen sind, ihr Scherflein beizutragen. Würde jeder mitfühlende Reiche nach Maßgabe seines pecuuiären Könnens sich bestreben, dem ob seiner Freigebigkeit allen Anderen stets voranleuchtenden Menschenfreunde und Wohlthäter, dem würdigsten Nachfolger Montefiores, Baron .Hirsch, nachzneifern, wie bald würden alle Thränen getrocknet, alle Wunden vernarbt, all' das Elend der vom Unglück so fürchterlich heimgesuchten Stryjer Inwohner in wonnige Freude verwandelt sein. Getheiltes Leid ist halbes Leid, getheilte Freud ist doppelte Freud. So steht denn auch angesichts der Katastrophe von Stryj zu erhoffeu, dass trotz der vorherrschend materiellen Weltanschauung der Gegenwart die H umanität auch diesmal wieder einen Triumph feiern Werde, und die allseits einlaufenden Sp enden zu Gunsten der Abbrändler boten diesen jetzt schon so manchen Trost in schwerer Stunde. Es ist daher umsomehr zu verwundern, dass sich nicht auch in Prag ein Somit 6 gebildet hat, um auch am hiesigen Platze für die Abbrändler eine Hilfsaction einzuleiten. An edlen Männern, die für solche und ähnliche Zwecke stets zu haben sind, fehlt es gewiss nicht und wird vielleicht nur zugewartet, bis ein Kreis der hochachtbarsten Persönlichkeiten die Initiative ergriffen haben wird. Thun diesmal die Staatsangehörigen mosaischer Confeffion mehr als eigentlich ihre Pflicht wäre, so dürfte dies seinen Eidruck auch auf jene Bevölkeruugsschichten nicht verfehlen, in denen der Nntisemitismus angeblich wurzeln soll. O. W. KotlöttS. im Mai1886 ׳. Am 1. Nissan dieses Jahres waren es 25 Jahre, seitdem Herr Ferdinand Lichtenstein seine Frau Bertha, geb. Unger, zum׳ Traualtar geführt hatte. Dieser Tag wurde daher In dem festlich dekorirten Saale des, Gesellschafts-Hauses* in wahrhast großartiger Weise gefeiert. Herr F. Lichtenstein war früher Vorsteher unserer Gemeinde und später Mitglied des Repräsentanten- Collegiums, wobei derselbe sich um das hiesige Gemeinde-Wesen sehr verdient gemacht. Ueberhaupt zählt die Familie F. Lichtenftein zu den angesehensten Mitbürgern der hiesigen Stadt. So war es denn kein Wunder, dass dem verehrten Jubelpaare zu diesem Feste von Nah n. zum Theil aus weiter Ferne, von Juden und Christen sehr viele Beweise der Liebe und Hochachtung in überaus reichem Maße dargebracht wurden. Eine besondere Weihe hat Herr F. Lichtenstein jedoch der Silberhochzeit dadurch verliehen, dass derselbe unserer Synagoge eine mit künstlerischer Vollendung gearbeitete, sehr kostbare und prachtvolle Gewürz-Büchse zum ewigen Andenken an diesen Tag geschenkt. Möge es dem verehrten Jubelpaar vergönnt sein, in voller Gefundheir und Lebensfrische auch die goldene Hochzeit im Kreise seiner Kinder und einer frohen Enkelschaar begehen zu können. A. Z. Hlom Wie in jedem Jahre, wurde auch an diesem Charsamstage, am Vorabend der christlichen Osterfeiertage, in der im Judenviertel gelegenen Lateran-Kirche eine jüdische Seele der ewigen Verdammnis entrissen und der allein seligmachenden Kirche zugeführt. Seit uralter Zeit ist es ein Gebrauch der Päpste, am Charsamstage eine jüdische Familie in der erwähnten Kirche zu taufen, wobei ein außerordentlich großer Pomp entfaltet wird, um so der Welt zu zeigen, wie mit jedem Jahre die christliche Religion auch unter den Juden mehr An- Hänger findet. Nach der Taufe wurden dann die Getauften vom Papste empfangen, dem sie ausdrücklich erklärten, dass sie nur deshalb Len Glauben vertauscht haben, weil sie von der Wahrheit der christlichen Lehre überzeugt sind. Diese Ueberzeugung wird aber immer und stets den Abtrünnigen durch größere Geldspenden beigebracht, welche sich auf mehrere Tausend Lire beliefen. So geht es schon seit undenklichen Jahren, der Papst musste am Charsamstage seine jüdische Familie haben. In den letzten Jahren jedoch geht es mit den Familien nicht recht zusammen und so begnügt man sich mit einem. Juden-Jungen oder mit einer jüdischen Magd, die ebenfalls auS ,innerer Ueberzeugung* das Judenthnm abschwören. Eine Einzel- Taufe verliert zwar an Glanz, aber sie ist praktischer, sie kommt billiger. Gasualgesänge. Die vom Musikmeister Ad. Grünzweig in Arad herausgegebenen Casualien haben in Fachkreisen die vollste Anerkennung gefunden. Aus den vielen Zuschriften, die dem Componisten aus Collegenkreisen zugekommen sind, wollen wir eine mittheilen, da sie von einem Manne herrührl, der selbst Hervorragendes auf dem Gebiete des Synagogengesanges geleistet hat. Unser hochverehrter College Obercantor A. Baer in Gothenburg schreibt an Glünzweig folgendes : ,Mein sehr werther Freund! Empfangen Sie vor Allem meinen herzlichsten Dank für die freundliche Zusendung Ihrer vor׳ trefflichen Casual-Gesänge, die ich mit vielem Interesse gelesen und mich hierbei sehr befriedigt fühle. Schöne und gute Stimmführung, sowie feste und sichere Handhabung der Harmonie zeichnen durchgängig, diese Gesänge besonders aus und können daher zu den Besten auf diesem Gebiete gezählt werden. Indem ich Ihnen nun zu dieser neuen, schonen Arbeit meinen herzlichsten Glückwunsch darbringe, zweifle ich gar nicht, dass diese ihren Weg zu unseren Collegen mit Erfolg finden und sich der besten Aufnahme erfreuen werden/ Es wäre nun zu wünschen, dass dem Werke in Anbetracht der allseitigen Anerkennung, die es gefunden, auch der materielle Erfolg, der bisher leider ein sehr mäßiger ist, nicht ausbleiben möge. Corresponderrz der Nedaetion. W. in Gr. B. Ihr Abonnement begann am 1. März 1886. Dr. L. in B. Für diese Nummer zu spät eingetroffen. L- Ln Szegs. Wegen Aufnahme in den Verein wollen Sie sich an den Vorstand I., Seitenstettengaffe 4 wenden. Bin M-, W. in LI Eingesandtes bereits abgesührt, wird in nächster Nummer ausgewiesen. Die Redaction. l ׳. ■: jgw g3wt־av