Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 16 (16.5.1886)
- Date
- 1886-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränuincralions-Preis Kür ^ereinsmitglieder: Ganzjährig ... fl. 5.— Halbjährig ... fl. 2.50 Vierteljährig י . fl. 25.נ Monatlich ... fl. —•45 Kür Mchlmilgtteder: Ganzjährig ... st. 6— Halbjährig ... fl. 3.— Vierteljährig . . fl. 1.50' Monatlich ... fl. —50 Organ die Gesummt-Juteressm Mischer Cantaten. ^ßedaciton ד־" AdmirriftraLion W 'r en. Erscheint jeden achten Hag. II-, Novamgasse 27. 2 B eg rund er: Obercantor Icr^ob 'Mcrirev. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 16 Wien, 16. Mai 1886. 6. Jahrgang. Ueber die Entwickelung des Synagogen- Gesanges. Von Ober-Cantor I. Singer in Wien. II. Serie. I. Die erste Serie dieser Abhandlung brachte in 46 Aussätzen die Wirksamkeit jener Männer, die als Marksteine am Ent- Wicklungswege des Synagogengesanges stehen, in möglichst klarer und erschöpfender Weise zum Ausdrucke. Bilden nun diese Auf- Zeichnungen allerdings den allerersten Untergrund für eine Geschichte des modernen Synagogengesanges, so ist es selbstredend, dass der Ausgangspunkt dieser Geschichte keineswegs bei jenem Autor anzunehmen sei, dem wir in unserer Besprechung zuerst unsere Aufmerksamkeit zugewendet. Für uns mussten lediglich jene synagogengesanglichen Wirksamkeiten maßgebend sein, die theils durch authentisch'schriftliche Aufzeichnung, theils auch durch Drucklegung der jeweiligen Müsikschöpfungen der Nachwelt überliefert wurden. Diese Schöpfungen tragen das Gepräge ihrer Entstehungs- Periode und mannigfacher localer oder nationaler Einwirkungen nicht minder, wie sie auch die fachmännische Gesinnung des jeweiligen Schöpfers in vorzüglicher Weise darlegen, stehen demnach, miteinander verglichen, zumeist im offenbarem Gegensätze und müssen daher als die Sturm- und Drangperiode des moderneu Synagogengesanges bezeichnet werden. Wie auf jedem anderen Kunstgebiete, so war auch hier, wenigstens für einen be׳ stimmten Umkreis, je eine Persönlichkeit geeignet oder beanlangt, ihre Anschauungen als die maßgebenden hinzuftellen, oder Kraft ihrer großen fachmännischen Befähigung auch die Berechtigung ihrer Kundgebungen uachzuweisen; zumeist war die Bewegung eine reformatorische und diese leider auch zumeist eine willkührliche, subjeetive. Welchen Anprall von Kirchenmusik, (Choral) Opernmelodie, Oratorienstyl und. selbst rein weltlicher Gesäuge hatte das in Sturmesnöthen beinahe erstarrte Pflanzlein des Synagogengesanges von den unter der Flagge Reform anstürmenden feindlichen Mächten zu bestehen, und wie mächtig muss die Triebkraft dieses zarten, nur stiefmütterlich behandelten Pflänzleins gewesen sein, wenn cs, unberechtigt von seinem legi» timen Boden verdrängt, fern vom lebendigen Getriebe der von uns erörtertenffynagogal-gesanglichen Bestrebungen dennoch den Gewalten der Ungunst nicht erlag? Der langgedehnte Winter mit seinen Stürmen zog jedoch vorüber; wieder ward es Frühling auf Erden. Auch dem historischen Synagogengesange sollte ein neuer Frühling erwachen. Schüchterne Regungen dieses Wiedererwachens finden wir zwar schon bei einzelnen der von uns bereits behanbeiten Autoren, allein das vollkommene Zurückerobern dieses geschichtlich denkwürdigen Gebietes war einer späteren Zeit und Männern Vorbehalten, die, ausgerüstet mit tüchtigen Fachkenntnißen, rastlosem und idealem Streben, Herz und Sinn für alle nöthigen Erscheinungen der Gegenwart offen hielten, gleichwohl die historische Anknüpfung als Basis für ihre synagogal-gesanglichen Arbeiten als nöthig erachteten. Einer der bedeutendsten Componiften auf diesem, von uns angedeuteten Gebiete ist unstreitig Louis Lewa» dow Ski, königl.-preußischer Musikdirector und Dirigent der Chöre an der großen Synagoge zu Berlin. Louis Lewandowski (mit dem jüdischen Namen אליעזר genannt) erblickte am 3. April 1821 ^ר׳וז״נים) als der jüngste von sieben Geschwistern in Wreschen, einer kleinen Pcovinzstadt im Herzogthum Posen, das Licht der Welt. Seine Eltern, von beiden Seiten alten Rabbiner- und Gelehrtenfamilien entstammend, gehörten zwar dem Kaufmannsstände an, nichtdeftoweniger fanden in ihrem Hause Wissenschaft und Gesang eine treue Pflegestätte. Wie aus den Acten des dortigen Kreisgerichtes zu ersehen, war dem Vater Lewandowski's das wichtige Amt eines gerichtlichen Translators für die hebräische, deutsche und polnische Sprache übertragen, und dieser Umstand deutet genügend darauf hin, dass derselbe nicht blos ein tüchtiger Hebräer war, sondern auch über ein beträchtlichess Maß profanen Wissens verfügte. Für seine außerordentliche Vertrautheit mit der talmudischen Litteratur spricht sein reger, persönlicher wie schriftlicher Verkehr (86llaa10td mit dem berühmten Rabbi Akiba Eger. Im Elternhaufe Lewandowski's fanden auch talmudbeflissene Jünglinge regen und erfolgreichen Unterricht, an welchem der Knabe אליעזר gleichfalls theilnahm und bereits