Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-04-06 · Heft 12 (6.4.1886) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 12 (6.4.1886)
Date
1886-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/1304829-3453044-3453056--1699-3455868
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Prers Kür Fereinsmilglieder: Ganzjährig ... st. 5.— Halbjährig ... fl. 2.50 Vierteljährig י - st. 1.25 Monatlich - - .י st. —■45 Kür Aichlmitgrieder: Ganzjährig . . . st. S-— Halbjährig ... fl. 3.— Vierteljährig . . st. 1-50 Monatlich ... fl. —50 Kür das Ausland: Ganzjährig . . .st. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. O r g a n für die Gesäumt-JuterkMu Mscher Glliiioreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob ZZauev. ^Rednctxon UN» Administration Wien, II.» Novaragasfe 27. Z Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 12 Wien, 6. April 1886. 6. Jahrgang. An unsere geehrten Herren Abonnenten. Mit 1. April hat das 2. Quartal dieses Jahrganges begönnen. Wir richten an die geehrten Herren Abonnenten und Collegen das dringende Ersuchen, das Abonnement auf die ״österr.-ungar. Cantoren-Zeitung' zu erneuern und den Abonnementsbetrag uns umgehend zukommen zu lassen. Nur bei "pünktlicher Einsendung der Pränumerationsgebührerr--zw B eginn eines jeden Quartales ist es uns möglich, auch fernerhin die Interessen unseres Standes zu vertreten, und wir erwarten deshalb, dass kein gesinnungstüchtiger College es unterlassen wird, unserem Unternehmen die nöthige materielle Unterstützung, die doch per Quartal nur 1 fl. 50 kr. beträgt, angedeihen zu lassen. Auch Diejenigen, welche mit Rückständen belastet sind, werden dringendst nusgefordert, endlich einmal ihren Verpflichtungen dem Blatte gegenüber nachzukommen. Die 'Redaction der österr.-ung. Cantoren-Zeitung. Ein Wort über die Tonarten des traditionellen Synagogengejanges. Die wenigen, einleitenden Worte, die ich meiner Broschüre über ,die Tonarten des traditionellen Synagogengesanges rc." voranschickte, enthalten nur allgemeine Beweggründe, die mich bei meiner Arbeit leiteten; es sind dies zumeist wissenschaftliche Gesichtspunkte, bei denen nur kalte Thatsachen obwalten, bei denen weder Zunoch Abneigung für dieses oder jenes Vorkommnis platzgreifen durste, sondern bei denen aus nüchtern nachgewiesenen Prämissen die ebenfalls nüchternen Schlussfolgerungen hingestellt erscheinen. An dieser Stelle jedoch, flnde ich mich veranlasst, nicht allein als starrer Musikhistoriker, sondern namentlich als jüdischer Cantor dem jüdischen Cantorenthume gegenüber, mein fachmännisch-musik-rlisches Glaubensbekenntnis abzulegen. ' * Zwei Momente waren es namentlich,. welche mich für die schwierige, aber überaus fesselnde Arbeit begeisterten, n. z. 1. die Nothwendigkeit der Beweisführung, den vielseitigen Anseindungen gegenüber, dass das Judenthum eine eigenthnmliche Musik besitze, deshalb auch producirend und nicht, wie von den Gegnern behauptet wird, nur reproducirend in der Geschichte der"MiHk erscheine. Diese Thatsache vermeine ich dadurch nachgewiesen zu haben, indem ich die Scala 0 Des E P G As B C als eine specifisch jüdische Tonscala hinstellte. Die Berechtigung für diese Ausstellung ist in meiner Broschüre erschöpfend nachgewiesen. Wenn die Musikgeschichte sogar solchen Nationen, die keine ausschließlich eigenthümliche Tonleiter, jedoch einen eigenthümlichen Rhythmus besitzen, wie z. B. den Ungarn, Spaniern rc. eine Nationalmusik zuerkennen muss, wie kann sie nun, angesichts der nachgewiesenen speciflsch jüdischen Tonleiter, dem Judenthume das Anrecht auf den Begriff .Nationalmusik' streitig machen? Dass diese unter den jüdischen Musikern keine bedeutendere Pflege fand, ist sicherlich nicht der Lebensunfähigkeit derselben zuzuschreiben, sondern lediglich dem Umstande, dass das System dieser jüdischen Nationalmuflk nicht bekannt, dass die eigenthümliche Kunstform derselben nicht klargelegt und hiermit dem allgemeinen Verständniße entrückt war. Ich habe, bei selbst nur andeutender Erörterung des von mir nachgewiesenen Systems, die freudige Erfahrung gemacht, dass der Gegenstand auch bedeutende uichtjüdische Musiker überaus interessirt, und dass sie sich mit ganzer Kraft demselben widmen wollen; der Erfolg wird es lehren, dass das Hervortreten mit der Beweisführung für eine spezifisch-jüdische Tonleiter ganz entschieden eine musikhistorische Nothwendigkeit war, welcher schon viel früher hätte Folge gegeben werden sollen. Wäre das der Fall gewesen, so befände sich die jüdische Musik heute nicht mehr in der allerersten Entwicklungsphase, u. zw. dort, wo der Ausgangspunkt jedweder Musik zu suchen ist, in der Epoche der Kirchentonarten. Wer zählt die hellstrahlenden Künstlernamen alle, die sich um den Kirchenstyl ewiggrüne Lorbeeren verdienten, und wer nennt mir nur einen, sage .einen' Namen, dessen Träger sich den damals vollberechtigten Synagogentonarten (Steiger) zuwandte? — Ja, die Steiger! — Hier bin ich bei meinem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.