Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 11 (29.3.1886)
- Date
- 1886-03-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis Kür ^«reinsmitgttedrr: Ganzjährig . - . st. 6.— Halbjährig - .־ . fl- 2.50 Vierteljährig י - st. 1-25 Monatlich . . st- —•45 Kür Zlichlmilglieder: Ganzjährig . . . fl. e.— Halbjährig ... st. 3.— Vierteljährig . . st. 1-50 Monatlich . . . fl. —•60 Zkür das Ausland: Ganzjährig ... st. 7.— 12 Mark oder K Rubel. Or ״an dir GrÄlllnnlt-InterkMii Mischer Cmiiorcn. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Jakob Mcruer7. edHcitan ץ Administration W i e 11, II., Novaragasse 27. > Inserate werden billigst berechnet. Manufcripte werden nicht retournirt. Nr. 11 Wien. 29. Mür^ 1886. 6. Jahrgang. Einladung zur Pränumeration auf die österr. - nngar. Canloren - Zeitung. Mit 1. Avril beginnt das 2. Quartal dieses Jahrganges; wir ersuchen daher unsere geschätzten Herren Abonnenten, das Abonnement umgehend zu erneuern, damit die regelmäßige ,Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Die Administration. Unsere FachMunam und ihre ehemalige MuMheilage (von W innache k.) III. Und in der That müssen wir in Scham unser Angesicht tief verhüllen, wenn wir sehen, wie auf allen Gebieten der Archäologie wissenschaftliche Vereine und Gesellschaften entstehen, die das, Erdreich beinahe umgraben, um die Zeugen antiken Geisteslebens an's Tageslicht zu fördern; die mit großer Mühe und immensem Geldaufwand die entferntesten und unzugänglichsten Bibliotheken aufiuchen und durchstöbern, um die verschollenen, oder mit tausendjährigem Staube bedeckten Schätze des Alterthnms, die ewigen Denkmäler des menschlichen Geistes, der Vergesjenheit auf immer zu entreißen. Wir aber, die wir nicht minder ein werthvolles und kennenswerlhes Alterthum besitzen, das nicht einmal irgend unter der Erde oder im Staube der Bibliotheken verborgen und verwahrt liegt, sondern in uns noch lebt,s wir bemühen uns nicht, dasselbe bei seinen zahlreichen Aufbewahrern zu sammeln und beeilen uns nicht, es als untrennbares Ganzes. mit ehernem Griffel für alle Zeiten und alle Geschlechter zu verewigen. Statt dass wir nun ebenfalls ,Erwecker des Schlümmernden" werden sollten, schlafen und schlummern wir selbst, und nicht lange braucht es zu dauern, bis unsere ,nmsica sacra", unser altehrwürdiges, unvergleichliches ,NM" in das Grab der Vergessenheit gesunken und von seiner Ursprünglichkeit und Originalität keine Spür zu finden sein wird. Denn bei der jetzt so großen Fruchtbarkeit der Musik- und Notenkundigen ist weit mehr Gefahr für die Entwicklung, ja für die ganze Existenz unseres Traditionsgesanges vorhanden, als dies früher der Fall war. ׳ In früheren Zeiten, als man von Musik und Notenschrift bei uns noch nicht viel wusste, hat es wohl auch Corrnmpirungen und Verdrehungen der Originalmelodien durch müßige Zusätze von Schnörkeln und Trillern gegeben, jedoch waren diese nicht so sehr der Willkür eines jeden Einzelnen anheimgegeben und die Verfälschungen haben ~ auch nicht so viel Schaden anrichten können, indem sie nur als individuelle Vortragsmanieren unt> als besondere Eigenheit des melismatisch beanlagten Sängersgalten und auch dafür angesehen wurden. Zudem konnten diese- Modificationen, da man immer wieder auf die mündliche- Wiedergabe angewiesen war, nie den Charakter des Allgemeingiltigen und Unmodificirbaren annehmen; hat es doch auch Leute gegeben, besonders unter den sogenannten gewöhnlichen ,Baale illt’fos’ — denn nur die großen und künstlerischen Chasaniru haben das Extravagante und Umschweifende in der ursprünglich einfachen und glatten Melodie geliebt und gesucht — die die Originalmelodie berichtigen und sie auf ihre Urprünglichkeit zurückführen konnten. Jetzt aber ist eS anders, ganz anders geworden. Ein jeder bedeutendere Cantor, der zur Vermehrung seines Rufes etwas wagen darf und eintretenden Falls selbst größere materielle Opfer für etwaige Druckkosten rc. nicht zu scheuen braucht, gibt ganz beliebige Synagogengesänge, und zur Abwechslung zwischenhinein auch ,zeitgemäße", von allen - Schnörkeln gesäuberte ,Traditions- und Liturgiegesänge", heraus, und je mehr er sie — aus eigenem Antriebe oder im Geschmacks seiner Gemeinde — abkürzt und beschneidet, desto mehr glaubt er damit der hochgegerühmten Neuheit und Zeitgemäßheit zu dienen. Dass aberdadurch das wesentlich Charakteristische und Individuelle dieser herrlichen Melodien und mit diesen gleichzeitig das in ihnen aufbewahrte, ansehnliche Stück Volksgeschichte fast gänzlich verloren geht, dass weiters dadurch der Melodie selbst Gewalt angethan und sie bis zur völligen Unkenntlichkeit verstümmelt wird, das kümmert den ״Reformator und Regenerator" wenig. Solche Pseudo-Traditions-Gesänge werden aber in Hunderten