Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 10 (21.3.1886)
- Date
- 1886-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumeralions-Preis Kür Aereinsmitgkieder: Ganzjävrig ... fl. L.— Halbjährig Vierteljährig Monatlich fl. 2.5V fl. 1.25 fl. —.45 Kür Hlichimilglieder: Ganzjährig ... fl. 6.- Halbjährig . . st. 3.— Vierteljährig . . fl. 1.50 Monatlich . - .fl- —•50 Kür das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. Organ JRctl ucitau kör die Gesllmmi-IiüeresZeii jüdischer LMiorru. Administration Erscheint jeden achten Hag. H., Novaragtisse 27. ־} Begründer: Obercantor Jakob Marr6r7. Inserate werden billigst berechnet. Manuscrip te werden nicht J retournirt. Nr. 10 Wien, 21. März 1886. 6. Jahrgang. Einladung zur Pränumeration auf die öflerr. - ungar. Crmloren - Zeitung. Mit 1. April beginnt das 2. Quartal dieses Jahrganges; wir ersuchen daher unsere geschätzten Herren Abonnenten, das Abonnement noch rechtzeitig zu erneuern, damit die regelmäßige Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Die Administration.' Unsere FnchMlMgen und ihre ehemalige Musikbeilage (von M i n n a ch e k.) II. Allein es ist in der That kein großes Unglikck, wenn nicht mehr so viele oder auch gar keine Compositionen fabricirt und in die Welt gesetzt werden. Wir sind mit diesem Artikel für die ersten hundert Jahre und noch viel weiter vollauf und genugsam versehen; im Gegentheil wir müssen uns jetzt bereits vor Ueber- Production und Ueberhäufung von SynagogemGesangsstücken höchlichst in Acht nehmen, deren Ueberfluss leicht für die angemessene Länge und passende Dauer unseres Gottesdienstes verhängnisvoll werden kann, wie wir noch jetzt unter dem Ueberfluße der mittelalterlichen Piutim viel zu leiden haben. Es kann nämlich einmal eine Zeit eintreten, wo es vielleicht den Gemeinden, oder vielmehr den Vorstehern im Einverständniße mit den Rabbinern, einfallen wird, den Gottesdienst gar nicht mehr durch Beten und Sagen, sondern nur durch Singen abhalten zu lassen — etwa deshalb, weil man voraussichtlich in, späteren Zeiten die Original-Gebete noch weniger als jetzt verstehen wird — und zur Ehre Gottes und ,zur Würde des Gottesdienstes* noch mehr Gesangscinlagen den bereits im Uebermaße vorhandenen hinzuzufügen, gerade so wie man ehemals fortwährend die neugedichteten Piutim dem Gebetbuche einverleibte, wodurch der Gottesdienst immer länger und — wir wollen daS Kind beim rechten Namen nennen— immer lästiger wurde. 0?';11 wird vielleicht darauf einwenden wollen: .,Ja, das ist ganz was And --es. Das wird sich wohl von selbst verbieten. Nicht jete ®emanbe Der mag das Singen und noch viel weniger kann sie schwierige Gesänge aufführen''. Das ist allerdings sehr logisch gedacht und richtig calculirt. in der Praxis aber erweisen sich gewöhnlich solche doetrinäre Berechnungen als grundfalsch. Dasselbe wird man wahrscheinlich auch bei den Piutim geglaubt und darauf gezählt haben, dass, wo das Hebräische nicht so verstanden wird, dass selbst die^Sprach- und später die Druckfehler gleich herausgefunden und mit Leichtigkeit corrigirt werden können; oder wo man die scharfsichtigen undvon großer Belesenheit zeugenden Winke und Anspielungen auf talmudische und midraschische Aussprüche und Weisheitslehren nicht herauszusuchen und zu deuten vermag, man sie gewiss auch nicht sagen wird. Und dennoch! Was geschah und was geschieht? Man sagt oder besier man näselt sie doch; und je größer die Unwissenheit und je abschreckender die Unkenntnis ist, und je mehr die hierfür ungefügige Zunge beim mechanischen Hersagen stolpert und förmlich radebricht, desto frömmer und desto gottseliger wähnt man zu sein und noch mehr glaubt man es einstens zu werden. Wenn das nun bei Dingen geschieht, welche tiefes, sprachliches Wissen und weit ausgebreitete talmudische Kenntniße erfordern — und deren Verständnis nicht Jedermann für sich so leicht in Anspruch nimmt, um wie viel mehr kann das bei Gesangsstücken der Fall sein, wo doch alle Welt singt, wo Jeder singen zu können glaubt und sich dazu berufen und berechtigt fühlt, überall, ob in der Synagoge oder auf dem geräuschvollen Markte des Lebens, der Vorlauteste und der Kehltüchtigste zu sein. Und dennoch können unsere Fachblätter unmöglich die Musikbeilage entbehren, sie würden sonst viel von ihrem Werthe verlieren, von der Höhe des Fachblattes herabsteigen und auf das Niveau der andern, bereits im Uebersius vorhandenen jüdischen Zeitungen heruntersinken, welche alle — nebenbei gesagt — wie ein Ei dem andern gleichen und, ausgenommen vielleicht des Annoncentheiles, für uns wenig oder gar kein Interesse haben. Wodurch zeichnet sich wohl überhaupt ein periodisches Blatt aus, um als Fachblatt eines gewissen Leserkreises und einer bestimmten Abon-