Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 9 (13.3.1886)
- Date
- 1886-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3453044-3453053--1672-3455838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Oesterreichisch-ungarische ir Pränumerations-Preis Kür ^ereinsmilgtteder: Ganzjävrig . -״ . st. 5.— Halbjährig ... fl. 2.50 Vierteljährig - . st. צ2.ב Monatlich . . st- —•45 Kür Nichlmilgtttder: Ganzjährig . . . st. L. Halbjährig ... st. Vierteljährig . . st. Monatlich . - . fl. Kür das Ausland: Ganzjährig ... st. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. 3.— 1.50 -.50 Organ die Gesummt-Inimsskli Mischer Gluitlireu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob HAcruev. iiciiati und Adnrinistratiorr Ul icii, II., Novaragasse 27. Sufrratc werden billigst berechnet» Manuscrip te werden nicht rerournirt. Nr. 9 Wien^ 13. Marz 1886. 6. Jahrgang. Unirre Fachzkitullgen und ihre ehemalige Mustkbeilage (von M i n n a ch e k.) Das war ein herrlicher, ganz von Collegialität und ungeheuchelter Brüderlichkeit geleiteter, von wahrer Liebe, und Anbänglichkeit zu unserem Berufe beseelter Gedanke, unseren Fachblättern auch noch eine Musikbeilage. beizugeben. - Denn abgesehen von dem nicht zu unterschätzenden materiellen Nutzen, den eine solche Beigabe uns zu verschaffen im Stande ist, dass wir nämlich mit der Zeit eine, ansehnliche Sammlung und eine reiche Auswahl von Synagogengesängen der mannigfaltigsten und abwechselnsten Art einerseits, und von verschieden begabten und unterschiedlich beanlagten Autoren andererseits — somit auch verschieden und abwechselnd in Geschmack, Form und Inhalt — beisammen hätten, ist der uns durch sie gebotene geistige und moralische Vortheil von noch kostbarerem Werthe und noch größerer Unschätzbarkeit, indem eine Mnsikbeilage ganz dazu geeignet sein -könnte, die gegenseitige Achtung und Gleichheit unter den Collegen herzustellen-und zu befestigen und sie alle mit einem geistigen, unlöslichen Bande zu umschließen. Wir wollen einmal sehen, wie sich das gestalten könnte. In der jedensallsigen Voraussetzung, dass wir der verehrlichen Nedaction so viel Geschmack und Urtheilssähigkeit in musikalischen Dingen zutranen, - um - sicher sein zu können, sie!werde gewiss ganz unbrauchbaren Producten keine Ausnahme gewähren und uns nicht völlig verfehlte Compositionen in die -Hand -stecken, erhalten wir z. B. eine Musikbeilage von einem namhaften ,Obercantor*, dessen Name allein schon mit einem Schauer voller Bewunderung, uns erfüllt und dessen bedeutende Stellung seinem Nufe und seinem Ruhme noch mehr Glanz und Hoheit - in unseren Augen verleiht. Wir nehmen! die vielver- 'sprechende Composition ehrfurchtsvoll zur Hand!—: nicht . etwa um Kritik an ihr zu üben, sondern nur um.sie genau kennen -zu'lernen, und siehe da! Wir sind begeistert und entzückt über das.-kunstvolle Opus dieses bewunderungswürdigen Mannes. Nicht etwa deshalb, , weil wir es unserem Geschwacke. entsprechnd finden, weil es im Apparate unseres Wirkens eine sogenannte ,empfindliche Lückeauszufüllen berufen ist, weil wir ei» kunstsinniges Auditorium besitzen, das uns für die Neprodnctioir dieses Stückes Dank wissen wird, oder gar, weil wir die nöthigen Mittel besitzen, dieses Kunstwerk einigermaßen anständig und de» Intentionen des Verfassers gemäss, zur Ausführung bringe» können. Nichts von alldem, sondern lediglich und allein desshalb, weil wir uns unaussprechlich glücklich fühlen, von diesem ver- - ehrten Manne ein Kunstproduct zu besitzen, welches beredtes Zeugnis von seinen ungewöhnlichen Talenten und seiner Genialität ablegt. Es ist überhaupt sehr hübsch und edel von diesem, großen Collegen, dass er in seiner Größe und Hsrvorragenheit sich von der Gesammtheit nicht ausschließt und es nicht für ,unter seiner Würde* hält, auch für seine Bernssgenossen etwas zu schaffen und zu arbeiten, und wir sind wahrhaft stolz darauf, einen solchen Mann zu den Unselige n zählen zu dürfen. Nach mehreren Schwankungen zwischen Musikstücken von größerem oder minderem Werthe, erhalten wir denn auch ein Musikstück von einem weniger bekannten Collegen. der noch bei aller Anstrengung dazu das Misgeschick hat, -vom gütigen Himmel keine namengebsnde,' für ihn sprechende Stelle erlangen zu können; er muss sich daher mit einem .Stöllchen* begnügen, das in einem Orte sich befindet, von welchem selbst die gewiss ortskundige Landkarte kein Sterbenswörtchen zu erzählen weiß. Auch, die Arbeit eines solchen namen- und ruslosen Collegen finden wir ganz vorzüglich und zweckentsprechend, und zwar nicht weil dieser Kleine den Großen im Entferntesten nachzuahmen, oder gar sie musikalisch zu übertreffen verstand, o bewahre! Wie kann das wohl möglich sein? Sondern weil wir in ihm den leibhaften מחייב עניים, erblicken, der uns zeigt, wie man .auchunter kleinen und. ärmlichen Verhältnißen und mit wenigen und winzigen Mitteln ersprießlich, und mit Erfolg für sich und seine Collegenschast wirken und schaffen kann. Wir sind auch, auf diesen, u n s. e r e n Collegen. wahrhaft stolz! . Ich habe absichtlich das possessive Pronomen zum jedesmaligen Schlüsse der beiden angeführten Fälle unterstrichen, um danut anzudeuten, dass wir vor Allem mit den Uns erige n nicht gar so strenge zu Gericht gehen dürfen, und dass wir be