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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-03-05 · Heft 8 (5.3.1886) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 8 (5.3.1886)
Date
1886-03-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— 7׳ — Die Sitzung währte bis gegen Abend. Das Resultat der ge- Heimen Sitzung wurde setbstverständtich hier in Wien nicht publicirt, während jedoch sofort der telegraphische Auftrag nach Krakau erging, die Angeklagten, welche seit 10. März 1882 sich im Gefänguiße befanden, aus der Haft zu entlassen. Der dritte Anklagte in diesem Prozesse Marcell Stochlinski ist, wie wir kürzlich gemeldet haben, im Gefänguiße gestorben. Die Angeklagten, welche nunmehr in Freiheit gesetzt wurden, sind bekanntlich dreimal zum Tode verurtheilt worden. Wien. Herr College Zsak Schiller, welcher bisher als Aushilfs- Cautor in der hiesigen israelitischen Cnltusgemeinde fnnzirte, ist vorige Woche vom Vorstande zum wirklichen Cantor ernannt worden. (Unsere herzliche Gratulation zu dieser Rangerhöhung. Die Red.) Wien. (Eine Bekehrungs - Geschichte.) Aus Galizien wird der der ,N. Fr. Pr.' von vertrauenswürdiger Seite mitgetheilt, dass dort die Bekehrungen minderjähriger Judenmädchen zum Katholicismus aufs lebhafteste betrieben werden. In der letzten Zeit sind fünf neue Fälle vorgekommen, deren einer auf folgende Weise verlief: Im Monat: December des verflossenen Jahres verschwand plötzlich in der Ortschaft Krasnosielce (Zloezower Bezirk) die unmündige Tochter des Propinations-Pächters Simon Wolfzahn. Die Nachforschungen nach dem Aufenthaltsorte des eniwichenen Mädchens führten lange Zeit zu keinem Resultate, bis man endlich durch einen christlichen Ortsinsassen erfuhr, dass Pesche Wolfzahn in einem benachbarten Dorfe beim Ortsrichter, der vor Jahren eine gleichfalls den Eltern entlaufeue Jüdin nach vollzogener Taufe zur Frau genommen hatte, verborgen gehalten werde. Dorthin begab sich nun der Propiuationsj Pächter, nachdem er von dem Vorfälle bei der Behörde die Anzeige erstattet hatte, in Begleitung eines Gendarmen, um die Auslieferung seines Kindes zu erwirken. Sein Erscheinen in dem Dorfe beschleuuigte indess nur die Ausführung eines muthmaßlich schon längst vorbereiteten Planes, denn vor den Augen des Gendarmen ließ man die junge Jüdin einen Wagen besteigen und wegfahren, wobei dem verzweifelten Vater bedeutet wurde, er möge sich so rasch als nur möglich entfernen, weil ihn sonst die Ortsbewohner in ihrem Unmuthe über seine Reclamation wegen Anerkennnng der väterlichen Gewalt arg zurichten könnten. Eingedenk der bisherigen j Erfahrungen, blieb dem Simon Wolfzahn vorläufig nichts Anderes j übrig, als diesen Wink unverzüglich zu befolgen. Als. es kurz hierauf j hieß, seine Tochter befinde sich in einem Nonnenkloster, that er wieder j Schritte, damit ihm gestattet werde, dieselbe wenigstens für einige I Augenblicke zu sehen und zu sprechen. Die Nonnen wiesen jedoch sein Begehren ab, und mit seinen Vorstellungen bei der Bezirkshaupt- Mannschaft und bei den Gerichtsbehörden war er nicht viel glücklicher. Angesichts dieser Sachlage entschloss sich der Landesadvocat Dr. Emil Byk, dem Präsidenten des O ber-vandesgerichtes in Lemberg direct die Beschwerde vorzutragen, dass das competente Bezirksgericht die Eingäbe Wolfzahn's wegen behördlicher Assistenz zur Erwirkung des Zutrittes in das Kloster unerledigt lasse. Freiherr v. Schenk informirte sich eingehend über den Fall und traf sodann entsprechende Verfügungen, wodurch sich das Bezirksgericht endlich veranlasst sah, in die Sache einzugreifen. Dank diesen Bemühungen ist letzthin Pesche Wolfzahu aus dem Kloster entlassen und ihren Eltern wieder zurückgegeben worden. ßottöns. (Orig.-Corresp.) (Ein curioser Commsntar zum 1' 1. Buch Moses, Kap. 28, V. 17.) Ein polnischer Israelit besuchte ן einst auf der Durchreise das Gotteshaus einer kleinen, armen, jüd. Gemeinde, welches sich in sehr baufälligem, verwahrlostem Zustande befand und jede Minute zusammenzustürzen drohte. Wo man hinsah — überall morsches Holz, halbrunde, vom hohen Alter gebeugte, schwächliche Wände. Ein starker Sturmwind hatte rücksichtslos die meisten Schindeln vom Dache geblasen/ und so konnte man, wenn ׳ mau nach oben schaute, ungehindert in das blaue Himmelszelt und I in die schöne Sternenwelt blicken; mau brauchte daher nicht erst den! Tempel zu verlassen, wenn man Kidusch l’wono abhalten wollte, j Als nun der Fremde die Räume dieser heiligen Hallen betrat, blieb er ehrfurchtsvoll stehen, faltete andächtig die Hände, richtete feine Augen zur defecten Tempeldecke empor und recitirte in sarka» stischem Ton: : מה נורא המקום היה Wie furchtbar und gefährlich ist dieser Ort, wo man stets das Herabfallen einer schwebenden Dachlatte zu erwarten hat. אי| זה כי א□ בית אלהים Ja. hier sieht man deutlich, dass dieses Haus Gott allein gehört, denn wenn es menschliches Eigeuthum wäre, dann müsste es ja reparirt und in Ordnung gehalten werden! 1ה שער השמים Und — braucht man noch eklatantere Beweise für meine Behauptnug? Sehet, hier 1 die gewaltigen Dachspalten — gestatten uns Len freien Blick zu den Himmelsgeftalten; ja hier oben ist das richtige Himmelsthor, denn es führt uns direct zu der Höhe empor. Uns fehlt blos die lange Leiter, die unser Erzvater Jakob im Traume gesehen — tun noch viel höher und weiter — mit den Engeln spazieren zu gehen. Diese sinnreiche Auslegung dürfte nur wenig oder gar nicht bekannt sein, weshalb ich sie meinen Collegen nicht vorenthalten wollte. A. Zadeck. Gorresponden; der Nedaction. G. in Andr. Wollen Sie sich direct wegen Eintritt in den Verein an den Vorstand I-, Seitenstärtengafse 4, wenden. L. in W. Den Betraa da den wir für 1885 gutgebucht. W. in Br. (Rum.) Hier ist jetzt keine Vacauz vorhanden. W. in L- College M- Schorr. Dbercantor in Kascbau, hat wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, nicht auf den Lemverger Posten reflectirt. Kin T. Wir denken oft nach, um Ihnen Erfreuliches mitzutheilen. Besten Gruß. At. in PiS. DaS Eiugesandlc werden wir bei Gelegenheit verwenden. Herr Friedrich Hoppen in Bdessa, Nspcnskaja-Stralie Nr. 43* hat ans Gefälligkeit die Vertretung unseres Blattes für Russland übernommen. Abonnements und Inserate können daher auch bei demselben nngemeldet werden. Die Redaction. Vacan;en-Me. Lnlli (Trencsiner Com.) Vorbeter, Koreh, Schochet, Rabbinatsverw., Notar. 400 fl., freie Wohnung, ganze Schechita. Emolumente, zu besetzen bis 1. Juli. Einreichung bis 1- Mai an Präses H. Hirsch. Gsnrgo (Somogy. Com.). Vorderer, Koreh. Schochet. 400 fl. freie Wohnung, halbe Schechita. Lei der hicrortigen Israel. Cultusgemeinde kommt die Stelle eines Gemeindedieners neu zu besetzen. Fixer jäbrlieber Gehalt 300 fl. österr. Währ, nebst den üblichen Emolumenten. Bewerber ledigen Standes wollen ihre Gesuche mit Angabe des Alters und Beilage der Zeugnisse bis 15. April anher einsenden. Diejenigen, welche ihre Befähigung zur Schechitah und zum Vorbeten an Wochentagen nach weisen können, werden bevorzugt. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Jägerndorf, am 21. Februar 1886. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde Julius Poilak. Prämiirt von den Weltausstellungen: London 1862, Paris 1867, Wien 1873 Paris 1878. Auf Raten Claviere für Wien und IProvi nz Conceri-, Salon- & Stutzflügel wie auch Pianinos aus der Fabrik der weltbekannten Export-Firma Gottfr. Cramer, Wilh. Mayer in. Wien, von fl. 380, fl. 400, fl. 450 6.500, fl. 550, fl. 600, fl. 650. Claviere anderer Firmen fl. 280—350 fl. Clavier-Verschleiss und Leib-Anstalt von A. Thierfelder Wien, VII. Burggasse 71.

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