Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 5 (9.2.1886)
- Date
- 1886-02-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— S — alle Compositeure und Autoren angegangen werden, dem Cantorenvereine ein Gratis-Eremplar zu spenden. Dieser Antrag wurde mit allgemeinem Beisalle angenommen und wird baldigst an dessen Ausführung geschritten werden. Aer Korstand des österr.-ung. Canloren-Vereines. Ktterstur. ^vmploml 4nvlL«k.^ Oberrabiner Dr. Nosenberg hat für die israel. Sanljugrnd einen Vormittags- und Abendgottcsdienst eingesührt. Der musikalische Theil dieses Gottesdienstes wurde von dem rübmlichst bekannten Negenschori der Araber israel. Eullusgemeinde, Herrn A. Grünzweig, geordnet und in einem Hefte, welches eben neben einigen fremden, zumeist eigcnen Compofitionen enthält, berauszegeben. Herr Grünzweig, dessen unermüdliche Thälizkeil auf dem Gebiete der Synagogal- Musik weit außerhalb der Grenzen unseres Vaterlandes gerechte Würdigung findet, bat sich mit dieser Arbeit ein neues Verdienst, ein solches um die Zugend. welcher dieselbe geweiht ist, erworben. Das sebr elegant ausgestatiete Heft ist in der Buch- Handlung des Herrn Moriz Klein jun». Arad, zu haben. Kleine Chronik. Wien. Soeben ist im Verlage von Julius Klinkhardt in "Leipzig eine: ,Judensrage' betitelte Schrift des als österreichischen Nerchsrathsabgeordneten und Hofmrd Gerichtsadvokaten in Wien in -er politischen wie in der juristischen Welt gleich rühmlich bekannten Dr. Joses Kopp erschienen. Der Verfasser legt in dieser Schrift die äußerst bemerkenswerthen Forschungen auf dem Gebiete der talmudischrabbinischen Litteratur dar, welche er als Rechtsbeiftand des Rabbiners Dr. Bloch in Betreff der von dem katholischen Theologen Professor Rohling wider die Juden erhobenen Beschuldigungen zu unternehmen veranlasst war — Forschungen, deren Ergebniße das Interesse der weitesten Kreise des Publikums im hohen Grade fesseln werden. Wien. Am 2. d. M. fand in den Redoutensälen der Jndustriellen-Ball statt, zu welchem der Kaiser, der Kronprinz, die Krön- Prinzessin, sowie die übrigen Mitglieder des Hofes erschienen. Um halb 11 Uhr wurde Cercle gehalten und Se. Majestät der Kaiser, die Kronprinzessin Stephanie, sowie mehrere Erzherzoge und Erz- Herzoginnen zeichneten bei dieser Gelegenheit die Frau Charlotte Baronin von K ö n i g s w a r t e r durch längere Ansprachen aus. Hraz. (Original-Correspondenz). Erster jüdischer Tempel bau in Steiermark. Die israelitische Cultusgemeinde in Graz hat vom Finanzministerium die Bewilligung zur Veranstaltung einer Effecten-Lotterie zu Gunsten der Erbauung eiues eigenen Tempels erhalten. Seit Bestand der Grazer Gemeinde befindet sich der jetzige Tempel im Caseruengebäude. Wltdapest. Von dem verewigten Baron ZameS Rothschild erzählt die ,N. j. Pester Zeitung' eine hübsche Anekdote. Derselbe reiste einmal von Paris nach Wien und benutzte einen längeren Ausenthalt in einer Station, um ein Telegramm abzusenden. In der Stube des Telegraphisten sah er ein dickes Quartbuch aus dem Tische; als er es aufschlug fand er zu seiner Ueberraschung, dass es ein Pentateuch mit der aramäischen Uebersetzung und dem Commentar von Raschi sei. Als er den Telegraphisten fragte, wem das Buch gehöre, antwortete dieser, es sei sein Eigenthum; er sei ein Jude und lese daraus den laufenden Abschnitt an den einzelnen Tagen der Woche. Baron James Rothschild erkundigte sich weiter um dessen Verhältniße und erfuhr, dass sie nicht die besten seien. Ohne dass der Eigenthümer des Pentateuchs es merkte, legteer eine französische Banknote von 1000 Francs in das Buch und zwar au jene Stelle, wo;der Abschnitt für die nächste Woche begann. Nach vierzehn Tagen kehrte er zurück, benutzte wieder den Aufenthalt an derselben Station, um in das Teiegraphenbureau zu gehen, öffnete das Buch und fand die Banknote dort, wo er sie hingelegt hatte. ,Sie baden mich getäuscht' sprach er zu dem Telegraphisten, .als sie mir vor vierzehn Tage« minheilten, dass Sie jede Woche die lausende Parascha aus diesem Buche lesen. Hier ist die Banknote, die ich das vorigcmal hincingelegt habe und unberührt liegt sie da. Ich hielt Sie für einen frommen Glaubensbruder, der selbst in einem Telegraphenbureau die Thora nicht vernachlässigt und beabsichtigte für Sie zu sorgen.' Die 1000 Francs, die er mit sich nahm, spendete er dann in Paris, als er zur Thora gerufen wurde und sagte lächelnd: .Er habe dieses Geld in einem Buche gesunden.' Lemberg. (Original-Correspondenz). Zur Erlangung der in der diesigen Gemeinde zu besetzenden Obercanlorftelle haben bisher nachsolgeitde Caltioren Probevorlräge abgehallen: Sonntag aus ToiiS, Kläger, aus Olmütz, Nabinvwilsch aus Kowuo (Rußland). Scdorr aus Kaschau und Merson aus Floridsdorf. Demnächst werde Ihnen einen ausführlichen Bericht einsenden. — i — Ein Bonmot macht hier die Runde. Das Oberhaus tagt im Nationalmuseum, dessen großer Saal ein gläsernes Dach hat. Der Heuer herrschende starke Schneesall hatte ans demselben eine solche Schneemasse angchäust. dass das Dach gerade an der Stelle, unter welcher die Plätze der beiden jüdischen Oberhausmitglieder Hirschler und Schwab sich befanden, zertrümmert worden ist. Es war ein Glück, dass gerade zu der Zeit des Einsturzes keine Sitzung war, sonst wären die beiden Parlamentarier unfehlbar zerschmettert worden. Vor Beginn der nächsten Sitzung wurde dieses Ereignis eifrig besprechen, und der Erzbischof Haynald meinte, der liebe Gott müsse׳ die Juden besonders lieb haben, da er sie -so!ichtlich durch den Ausfall einer Sitzung vor dem Tode bewahrt habe. Hirschler aber erwiederte: ,College Schwab und ich hätten ruhig im Sitzungssaaleaus unfern Plätzen sein können, es wäre uns trotzdem kein Haar gekrümmt worden, ja das Dach würde gar nicht eingestürzt sein.'V ,Wie meinen Sie dieses?' fragte der Erzbischof. .Nun, sehr einfach, Eminenz', entgegnete Hirschler. ,Unsere alten Weisen sind der Ansicht, dass der ganze Weltenban aus dem Verdienste von sechsunddreißig wahrhaft frommen Israeliten ruht- Nun zählen wir beide allerdings nicht zu diesen untabelhaften sechsunddreißig. Aber so viel Verdienst haben wir als Juden immerhin doch, dass wir, wenn auch nicht den Einsturz des Himmels, aber doch den Einsturz eines winzigen Dachfensters aufhalten können.' ,Nun begreife ich,' erwiederte der Kirchenfürst, weshalb Minister Tisza so eifrig daraus bestand, zwei Inden im Oberhause zu haben.— das Gebäude ist sehr baufällig. Warum har er nicht zehn solche starke Träger hitzeingebracht, dann wären wir ganz sicher. Aber unerklärlich ist, dass er diesen wirklichen Grund im Reichstage nicht geltend gemacht hat; dann wäre die heftige Opposition gegen die Zulassung der Inden sicherlich unterblieben. Ja, ja. die Juden sind doch stark, nicht, allein, dass sie nicht uiedergebeugt werden können, sondern sie sind die festesten Stützen.* London . Kürzlich wurde eine Correspondenz in der ״Post" veröffentlich״ in welcher von der vermeintlichen Spannung. zwischeue