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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-02-09 · Heft 5 (9.2.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 5 (9.2.1886)
Date
1886-02-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Eingrlkn-kt. An die löb'icke Nedaction der .Cantoren-Zeitnug' in Wien. Brandeis, den 2. Februar 1886. Sehr geehrter HekrNedacteur! Ich ersuche Sie böslichst, folgende Zeilen zur Berichtigung des in der ,Cantoren-Zeiiung' vom 27. d. M. vom Herrn Z. Stransky, Obercantor und Secretäv in Graz, erschienenen Briefes gütigst aufnchmcn zu wollen. Es ist wobl nicht schwer, in einem Berichte Thatsachen zu entstellen und Momente wezzulasten, ohne 'welche sie eine ganz andere Beurtbeilung erfahren müßten; es ist nicht schwer, sich auf den Märtyrer zu spielen und einen Edelmuth zur Schau zu tragen, den zu üben man^ durchaus keine Berechtizung hat. Ich bin nicht der Mann, der gerne mit geschlosienem Visir umhergeht, ich habe das beruhigende Bewusstsein, mich nie einer unehrenhaften Handlung schuldig gemacht zu haben und kann daher ruhig meinen Namen unter diese Zeilen schreiben. Der Sachverhalt ist folgender: Ich war in Traulenau nahezu ausgenommen, und das Perfectwerden dieser Aufnahme wurde nur meinerseits durch Mehrforderungen, die ich stellte, verzögert. Mittlerweile hatte Herr Stransky von diesem Posten Nachricht bekommen, bewarb 'sich um denselben, kam, sab und siegte — obwohl er wissen mußte, dass mit'mir Unterhandlungen gepflogen wurden. Ich harre natürlich von diesen Vorgängen keine Abnung, als ich eines Samstages Abends' die Nachricht erbielt: ,Stransky ans Graz wurde beute bier acceptirt.' — Ich war überrascht. In Folge der Jdeen-Association folgerte ich nun: wenn Herr Stransky nach Trantenau gebt, könnte ich vielleicht'nach Graz kommen, und eingedenk des Sprichwortes, wer früher kommt, mahlt früher — schrieb ich sofort nach Graz. - Es ist selbstverständlich, dass ich in meiner Bewerbung dem dortigen Vorstand die Aufnahme des Herrn Stransky׳!!in Trantenau bekanntmachen mußte, da dieser es noch nicht gethan und niein Gesuch eines ieden Grundes bar gewesen wäre. ׳ Jetzt, wo ich ruhig denke, gestehe ich ein, dass mich der Vorwurf der Uebereilung trifft und ich klopfe reuevoll mea culpa — confiteor an die Brust. Entschieden aber muss;ich micv dagegen verwahren, dass ich eine böswillige Absicht׳ hatte, Heirn Stransky irgendwie zu schaden. Ich bitte doch zu bedenken, dass, wenn mein Schreiben den Zweck gehabt-׳.hätte, den Herr Stransky darin sucht, ich bätte anonym schreiben können, ohne meinen Namen zu unterzeichnen. ' Ich überlasse es nun der allgemeinen Beurtheilunch wer eigentlich ein ,verabscheuungswürdiges Attentat'- begangen und westen Handlung denn gar so ,nrigualificirbar' war, wie sich der edle Herr College auszudrücken beliebte, und wobin man eigentlich die Blicke zu richten habe, wenn' von ,Ueberfällen' die Ne de ist. , - Wenn mein Herr College sich dennoch - verletzt fühlen sollte, io bab ick nur. die Worte für ihn: Was du nickt willst, dass es dir geschähe, das thne dü auck andern nicht! Indem ick Ihnen, geehrter Herr Nedacieur, für .die Auf׳ nähme dieser Zeilen im Voraus meinen Dank ansspreche, zeichne - ich --mit collegialischer Hochachtung ergebenst Bernhard Weiß, Obercantor und Schulleiter in Brandeis a. d. Elbe. Type» aus dem MdiWn Ghettolclien.! Von Simon piomaut, Oberlehrer, Austerlitz. I (Alle Rechte Vorbehalten.) - . . .] : -; vm. ׳־ ■:■■ י־■ י; Auch Neb Naftole legte segnend feine Vaterhand auf . das! Haupt seines Kindes. Den Blick gen- Himmel gerichtet, sprach! er: ,Mein thenres. geliebtes Kind, du gehst jetzt von uns, einsam und leer wird es nun in unserem Hause, wir werden deine liebe Stimme nicht mehr hören, dein geliebtes Antlitz nicht mehrsehen. Du bist unser einziges Kind, unser Alles. Auf dich, sind! die Hoffnungen-deiner Eltern, unser ganzes Sehnen, Wünschen^ und Hoffen gerichtet; wir haben ja Niemanden als dich, mein \\ thenres Kind! Gehe bin und sei stets eingedenk der Lehren und Ermahnungen deiner Ellern und Lehrer! Mein Vatersegen geleitet: dich. O mögest du stets und immer seiner würdig sein!!Der; Gott deiner Väter sei mit dir. wie er mit Abraham war, als! er auf göltliches Geheiß in die weite/ ungewisse Fremde zog,! wie er auf dem Haupte Jsaks ruhte, als er zu' den Pelischtim. : ging; wie er Jakob, deinen Namensträger, geleitet auf seinem schweren Gange in die Fremde, der Stein der Erde sein Kisten -und die Himmelswölbung seine Decke war. Gehe hin mit Gott. Und wenn du, was Gott verhüten möge, ans Abwege gerathen solltest, so-hier stockte feine Stimme, sein Auge umflorte ׳•ftnb; füllte sich mit Thränen; ein Zittern überfiel ihn, es war, : als ob seine Hand ans einen Moment den Schleier der Zukunft i lüfte und fein Auge in die Ferne sähe,-und gar düstere Bilder erschienen vor ihm, eie traurige Ahnung erfüllte seinen Geist; aber unwillkürlich die auf ihn einstürmenden, trüben Gedanken, die düftern Schatten von sich weisend, zwang er sich zu. einem heiteren Lächeln, streichelte die Wangen des Kindes und sprach, die Hände ans sein Haupt legend, den durch Jahrtausende geheiligten, ehrwürdigen Aronssegen: ,Der Herr segne^und behüte dich, der-Herr laste dir leuchten sein strahlend Antlitz und fei dir gnädig, er wende dir sein Antlitz zu und gebe dir seinen Segen, Amen!' Amen, riefen alle Versammelten, denn alle Freund.e, Verwandte und Bekannte waren herbeigekommen, um dem Abschiede Jokewels anzuwohnen. — Er aber sank gerührt in die.Knie und sprach mit von Thränen erstickter Stimme: ,Vater,. Mutter, ich weiß den Elternsegen zu würdigen, steht es ja -in unserer heiligen Schrift, wie selbst der rauhe Eiau niedergeschmettert war, als er den Vatersegen vermissen musste. O, ich weiß , dieses herrliche, kostbare Kleinod zu schätzen und zu. würdigen, erwird mich geleiten aus meinen zukünftigen Lebenswegen, er-wird-mir Schutz und Schirm, mein Beistand sein in allen etwaigen Gefahren des Lebens, er soll mir ein steter Mahner und Warner sein und überwältigt von der .Macht - des Augenblickes : rief er: Borcheni Öwi! O segne, mich noch einmal, ׳mein,Vater und leise murmelnd wiederholterer Vater den soehen.laut ge- .sprochenen Segen. O dass er sich bewährt hätte! Unter den Nachbarn stand auch, unser alter Freund Neb Jekef — eine Thräne nmdüsterte sein Auge — das Wägelchen, ein einfaches Vehikel damaliger, primitiver Zeit, stand bereit, unseren Zukunftshelden zu entführen — der Kutscher schwang die Peitsche und fort ging.es, dem neuen Bestimmungsorte zu — Neb Jekef aber konnte selbst in-diesem Momente seine joviale Laune nicht verleugnen und ries: ^Leah, habt Ihr Jokewel im Sabbathskleide auch ein Stückel Brot mit Salz gegeben, es ist nur wegen ,e neue siors!* (Forts, folgte)

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