Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 3 (24.1.1886)
- Date
- 1886-01-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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— ׳7־ - Dr. Joseph Mochnacki einen Vormund bestellt. Chiel Stieglitz recurrirte dagegen an das hiesige Ober-Landesgericht, das jedoch den Recnrs abweislich beschied und die Bestellung des gedachten Vormundes bestätigte. Der Vater, der sich überzeugt bat, dass die Idee der Nomination eines Vormundes für die ihm entführte minderjährige Tochter nicht von ihr ausging, ergriff nun den außerordentlichen Nevisions-Recnrs an den Obersten Gerichtshof, der beide Untergerichtliche Entscheidungen bezüglich der Ernennung des Dr. Mochnacki zum Vormund für die Rachel Stieglitz aufhob. Dieses oberstgerichtliche, im December vorigen Jahres erfolgte Erkenntnis wurde dem Chiel Stieglitz vorige Woche eingehändigt. Uebrigens bat Chiel Stieglitz auf Befragen vor einigen Tagen von der Breslauer Polizei-Direction die Relation erhalten, dass feine Tochter Rachel, 166׳t6 Marie, nicht mehr in Breslau sich befindet und von dort nach einem unbekannten Ort entfernt wurde. KottöttS. (Mendelssohnfeier). Montag den 4. Jänner Abends versammelte sich im Saale des hiesigen Gesellfchaftshaufes die zahlreichen Verehrer Moses Mendelssohns, um das Andenken des großen Todten zu ehren. Feierlicher Gesang und ein zu diesem Zwecke von Herrn Edmund Lichtenstein gedichteter und von diesem gesprochener Prolog eröffnete die Feier. Alsdann ergriff Herr Rabbiner Dr. Dienstfertig das Wort und schilderte in längerer, eingehender, dem Charakter des deutschen SocrateS gerecht werdender, formvollendeter Weise das Leben und Wirken des Mannes, der aus , Nichts * hervorgegangen, dem ,Nichts" zu Gebote stand an ideellen und materiellen Mitteln und der doch so unendlich Großes geleistet. Hieran schloß sich ein von dem Comitemitglied Herrn M. Freund vorgetrageues, schwungvolles Gedicht. Sodann sprach Herr Edmund Lichtensteiu das Schlusswort. Er wies unter Anderem darauf hin, wie ein Jude es gewesen, der den französirenden Ton damaliger Zeit gleichsam entfernte und im Vereine mit seinem unvergesslichen Freunde Lrffing an dessen Stelle einen deutschen, noch heute als klastisch geltenden, selbst von Jmanuel Kant, trotz eigenen Unvermögens gelobten Styl setzte und hob ferner hervor, wie das Leben und die Thaten des beute Gefeierten seine Glaubensgenossen anspornen musste, ihm nachzuahmen, in seinen Spuren zu wandeln und gleich ihm immerdar bemüht zu sein, wahrer Menschenliebe in Wort und That Ausdruck zu geben. Mit einem begeisterten Appell an die Versammelten, nicht nur deutsch sich zu nennen, sondern deutsch zu fühlen und deutsch zu denken, schloß unter lautem Beifall der Redner. Mit weihevollem Gesang endete sodann die Feier, welcher unter anderen Ehrengästen die Herren: Oberbürger- Meister Dr. Meyer, Pastor em .Nicolai beiwohnten. Der Festraum, der mit Zuhörer gedrängt besetzt gewesen ist, war einfach, aber geschmackvoll decorirt und fehlte nicht das bekannte Bildnis des ,Weisen von Dessau" . Sämmtliche Gesänge sind unter der trefflichen Leitung des Cantor A. Zadeck einstudirt worden und die musterhafte Aufführung derselben fand allgemein Lob und Anerkennung. London. Die ,Berliner Post" veröffentlicht in einer ihrer letzten Nummern eine befremdliche Correspondenz aus London, welche so viel Unwahrscheinliches und auf den ersten Blick Unrichtiges enthält, dass wir uns doppelt verpflichtet erachten, diesefbe au dieser Stelle mitzutheilen, um so den berufenen Kreisen Gelegenheit zur Richtigstellung zu geben. Die Correspondenz lautet: ,Seit einigen Monaten spielt sich eine Art häuslichen Zwistes ab zwischen den englischen und deutschen Juden, von dem bisher noch nichts an die Oeffentlichkeit gedrungen, der aber in mancher Richtung sehr intereffant und charakteristisch ist. Ein gewißer Antagonismus besteht unter den Juden in England schon aus dem Grunde, weil die englischen Juden meist konservativ, die deutschen aber liberal sind. Dieser Gegensatz trat deutlich hervor, als, wie ich Ihnen seinerzeit gemeldet, in Witechapel dem radikalen Samuel Montagu der konservative Colonel Coveu als Parlamentsmitglied entgegengeftellt wurde. Montagu, ein wegen seiner großen Munificenz weit bekannter Philantrop, siegte mit Hilfe der deutsch eu Juden über seinen Gegner. Aber auf dem Gebiete des Religionskultus erhoben sich auch Differenzen. Die deutschen Juden hatten für ihren Gottesdienst in New Braod Street, City, eine Synagoge von der City-Corporation in Pacht, wurden aber durch exorbitaute Miethssteigerung daraus vertrieben und beschlossen, sich eine Synagoge zu bauen. Unter Leitung des Präsidenten, Herrn Berliner, eröffneten die deutschen Juden eine Subscriprion für den neuen Tempelbau und sandten die Liste auch an Lord Natbaniel Rothschild mit der gleichzeitigen Bitte, derselbe wolle die Ceremonie der Ecksteinlegung vollziehen. Lord Rothschild aber verweigerte jeden Beitrag und. motivirte die Verweigerung schriftlich damit, dass er keine deutschen oder englischen Inden anerkenne, Jude sei Jude, und die deutschen möchten demgemäß in die reichlich vorhandenen englischen Synagogen geben. Diese Auffassung Rothschilds hat begreiflich Erstaunen und Entrüstung erregt, zumal jetzt alle englischen Juden sich von der Subseriptiou ausschloffen. Aber die deutschen Inden haben trotz Rothschild sich eine prächtige Synagoge am Spitals-Square gebaut, und wird dieselbe am 17. d. M. eröffnet und der Eckstein von Samuel Montagu, M. P., gesetzt werden. Die Einweihung vollzieht der Rabbiner Dr. Adler, ein Zeichen, welches von den deutschen Juden im versöhnlichen Sinne gedeutet wird. Erwähnt muss noch werden, dass auch Se. Majestät Kaiser Wilhelm um einen Beitrag angegangen wurde, aber durch den Grafen Hatzfeld erklären ließ, dass er jede Betheiligung aus prinzipiellen Gründen ablehnen müsse.« 06. W. Wenden-Verzeichnis. Für die Hinterbliebenen des verstorbenen Cantors Kauders in Linz sind weiters folgende Beträge eingelanfeu: Obercantor I. Singer in Wien 2 fl:. Obercantor S. Samuely in Galatz 10 Francs, Cantor M. Rosenzweig in Galatz 4 Francs. Chor- Dirigent C. Blum in Galatz 3 Francs. Tenorist M. Wagner in Galatz 3 Francs. Summe 2 fl. ö. W. und 20 Francs. Die Administration der österr.-nngar. Cantoren^Zeitnng. Correspondenz der Nedaction. S. in B- Besten Dank für die Sendung, Brochure sehr interessant. Sch. in K- B. Wir ersuchen auch um Berücksichtigung Ihres Saldo pro 1885. Wegen Anschaffung des für jeden Cantor fast unentbehrlichen ״Bai — Tefilah“ wollen Sie sich gef. direct an den Herausgeber, Obercantor A. Baer in Gothenburg, Schweden, wenden. D. in Au. Wir müssen gestehen, dass Sie nicht Unrecht haben, jedoch bei genauer Kenntnis der Verhältniße würden Sie milder urtheilen. Werden unser Wort baldigst ein lösen. S. in G- Bezüglich der gewünschten Werke haben wir Nachfragen eingeleitet. Vorläufig steht Ihnen das Sulzer'sche Werk zur Verfügung. Bestä' tigen gleichzeitig gesandten Betrag. Dr. W.r Bitten um Fortsetz, des Manuscriptes für nächste Nummer. L. in M. Da bei Einlangen Ihres Berichtes bereits ein Referat über dieselbe Feier aus E. vorlaz, konnte der Ihrige nicht mehr verwendet werden. Danken jedesfalls für Einsendung. Ein K- M. Sie restiren 1 fl. pro 1885 und Abonnement für laufendes Quartal. H. in M- Sie kennen doch unsere Geduld. Die geehrten Herren Collegen und Abonnenten im Anstande ersuchen wir aus diesem Wege sreundlichst um Erneuerung des Abonnements, da wir denselben keine österr. Postanweisungen zusenden konnten. Die Redaktion. Abonnements- und Jusertionsbeträge sind in der Nedaction, Wien. II., Novaragasse Nr. 23׳ zahlbar.