Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1886)
- Date
- 1886-01-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3453044-3453045--1605-3455763- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— © Herr Jos. Brumm! . . . Frau Kath. Löwit . . . Herr Alex. Schwarz (München) ״ Jos. Schwarz (Tabor) . 20 kr. jährlicher Beitrag . 20 .. . 50 . 50 .. Summa ö. W. 8 st. 40 kr. und zwar 6 ,, 20 ״ einmalige Spenden und 2 ״ 20 ״ Jahresbeiträge. In der Gemeinde P i e s l i n g sind durch das Vereins- Mitglied, Herrn Cantor A. Schrecker, uachstehende Beiträge gesammelt worden:. Kleinr (0)111־ nili. . 1 fl. einmalige 'Lpende .' 50 kr. ״ ״ . 50 - ,, ״ 50 - ״ 50 . -Ist- . 1 ״ 1 . Herr Michael Färber . . . Herrn. Landsmann ״ Jak. Morawctz . . . ״ L. Oesterrcichcr . . . ״ Jos. Hilfreich . . . Chewra Kadischa .... Talmud Thora ... . . Bikur Cholin!. Herr Sigmund Singer . . Summa ö W. 7 fl. einmalige Spenden. Den rvotlöötichen ßilttrrsgemeinden, den tööl Vereinen sowie sämmtlichen Spendern statten wir stiemit unseren tiefgefühlten Dank aö. Die gcebrtsn Herren Collsgeu und Verernsmitglieder werden ersucht, die Sammlungen thunlichst zu beschleunigen und die Sammelbögen behuis Veröffeutlichung au den Bereinspräses einzusenden. Um etwaigen Jrrthümeru in den Ausweisen vorzubcugen, wäre es angezeigt, jedem.Sammelbogen ein deutlfto geschriebenes Namensverzeichnis der Spender beizulegen. Aer Worstand des österr.-ungar. Cauiorcn-Vereines. Da im Februar 1886 die dreijährige Functionsdauer der Vorstandsmitglieder des Cantorenvereines abläuft, hat der Vorstand in der letzten Sitzung beschlossen, für Ende Februar eine General-Versammlung zur Vornahme der Neuwahlen einzuberufen. Nach den Statuten können die Vereinsmitglieder an dem Wahlacte persönlich theilnehmen oder die Wahlzettel auch per Post einsendeu. Jedoch werden die Vereinsmitglieder darauf aufmerksam gemacht, dass nur diejenigen wahlberechtigt sind, die mit ihrem Vereinsbeilrage nicht im Rückstände sind. Der Wahl, termin wird erst in der nächsten Nummer der Cantoren-Zeitung bekannt gegeben werden. Es wäre wünschenswerth, wenn die geehrten Herren Vereins- Mitglieder dem Vorstände umgehend mittheilen wollten, ob sie gesonnen sind, bei dieser Generalversammlung persönlich zu erscheinen, da bei genügender Betheiligung die dringend gebotene Statutenänderung vorgenonimen werden könnte. Im Falle jedoch die nöthige Anzahl nicht zu Staude kömmt, müsste die Statutenänderung für einen späteren Zeitpunkt, etwa für den Monat Juli, verschoben werden. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Wien, im Jänner 1886. Wiett- Montag, den 4. Jänner, 6 Uhr Abends, wurde im Tempel in der Seitenstettengasse aus Anlass des hundertsten Sterbetages Moses Mendelssohn's ein Trauergoltesdiensi abgehalten. Die erhebende Feier wurde durch Absingung eines PsalMes mit deutschem Texte eingeleitet. Ernst und weihevoll durchzogen die schönen Klänge das in allen Räumen gefüllte׳ Gotteshaus Und versetzten die Zuhörer in andächtige Stimmung; namentlich der tief ergreifende und geradezu meisterhafte Vortrag des Recitativs durch Herrn Obercantor I. Singer war von mächtiger Wirkung. Das darauf folgende Sulzer'sche Requiem wurde mit vieler Präcision gesungen, und Professor Sulzer, der in der Vorstandsloge Platz genommen hatte, lauschte in vorgebeugter Haltung, die Hand am Ohre, mit flchtlicher Befriedigung der trefflichen Wiedergabe seines Werkes. Hierauf hielt Prediger Dr- A. Jelliuek die Gedenkrede. In derselben kennzeichnete er Mendelssohu als einen jener Denker und Kämpfer, welche ihrer Zeit voransschreilen, Saaten der Gerechtigkeit ausstreuen, die im Boden der Zukunft aurgeben und dann ewig fortleben in der Geschichte. Hiefür legte das Werk Zeugnis ab, welches Mendelssohn drei Jahre vor seinem Tode der Oeffentlichkeit übergab: »Jerusalem, oder: Ueber religiöse Macht und Jndenthum^, das wichtigste und segensreichste Werk seines Geistes, welches gegenseitige Toleranz und reinste Humanität predigt Redner schildert־ Len schweren Druck der. Verhältuiße, unter welchen Mendelssohn diese Grundsätze der Geistes-, Glaubens- und Gewissensfreiheit vorgelragen. Nur einer seiner Zeitgenossen (Lessing), der grösste Denker, den das deutsche Volk hervorgebracht. und der dem deutschen Geilte neue Bahnen vorgezeichnet hat, nannte »Jerusalem' ein unwiderlegbares Buch und schrieb an den jüdischen Weisen: »Ich halte dieses Buch für die Verkündignng einer großen, obzwar langsam fottwiikenden Reform, die nicht allein Ihre Nation, sondern auch andere treffen wird. ׳Sie haben die Nothn׳endigkeit einer unbeschränkten Gewissensfreiheit zu jeder Religion gründlich und hell vorgetragen.' Und dieses Urtheil des größten deutschen Deukers vor 103 Jahren hat die Geschichte bestätigt und wird eS immer mehr bekräftigen. Wenn auch der Kampf noch nicht beendigt ist und sich gerade in unserer Zeit feindliche Gewalten gegen diese Lehren erheben, der endliche Triumph derselben könne nicht ausbleiben. Darum werde Moses Mendelssohn fortleben nicht blös im Andenken der Juden, sondern in den Annalen aller Culturvölker. — Mit dem üblichen Nu8- Icii'-Gebere schloß die Feier, welcher unter Andern auch Baron Köuigswarter, Ritter von Goldschmied, Hofrath Ritter von Pfeiffer Ritter von Leon, zahlreiche Vorstandsmitglieder rc. beiwohntem — Im Orgelspiele theilten sich der ständige Organist und der Sohn des Obercantor Singer, , S. Singer. Er begleitete den deutschen Psalm auf dem Instrumente und entledigte sich seiner Aufgabe mit vielem Geschicke. Sein präcises und exacteS Spiel verdient, namentlich in Anbetracht des Umstandes, dass der junge Mann zum ersten Male öffentlich spielte, die vollste Anerkennung.. Zu gleicher Zeit fand aus demselben Anlässe auch im Leopoldstädter Tempel eine Trauerfeier statt. Die Synagoge, deren Kanzel und Bundeslade schwarz drapirt waren, war fast stärker besucht als an den hohen Feiertagen. Nachdem der erste Cantor, Herr I. Goldstein, daß Mincha- und Maariw-Gebet für Wochentage fungir hatte, bestieg Rabbiner Dr. Güdemann die Kanzel und hielt die Gedächtnisrede für Moses Mendelssohn. In derselben entwarf er ein treffliches Charakterbild von Mendelssohn als Menschen und Gelehrten, Namentlich feierte er die bervorragendeu Verdienste dieses Mannes um die sittliche und wissenschaftliche Erziehung der Juden. Sodann wurde ein Requiem von Goldstein zur Aufführung gebracht. Die seltenen und unverwüstlichen Stimmmittel Goldsteins gelangten auch hier zur vollsten Geltung und unterstützt vom Chore, der sein