Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1886)
- Date
- 1886-01-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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OesterreichisclMingarische f 1 Organ Pränumeratrons-Prets 1 Kür Sereinsmitgtteder: Ganzjährig ... fl. 5.— Halbjährig ... fl. 2.50 für die Gesummt-Interessen Wischer Catitnrni. Vierteljährig . . ft. 1.25 Monatlich ... ft. —•45 Kür Mchtmitgtteder: Ganzjährig ... ft. 6.— Erscheint jeden achten Hag. Halbjährig ... ft. 3.— Vierteljährig . . fl. 1-50 Monatlich ... ft. —.50 Begründer: Obcroanlor Icrkob tßciucv. j Kür das Ausland: Ganziäbrig ... ft. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. SRerl ucliaii Adttrinistratiott IU i en, II., Novaragaffe 27. , Inserat« werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht rerournirt. Nr. 1 Wien, 8. Jänner 1886. 6. Jahrgang. Einladung zur Pränumeration auf die ״Besterr. - mg. Cantoren - Zeitung" Mit der heutigen Nummer tritt unsere Zeitschrift in ihren sechsten Jahrgang. Wir stellen daher an alle geehrten Herren Collegen und Abonnenten das dringende Ersuchen, das Abonnement umgehend erneuern zu wollen und im Interesse der guten Sache, die wir vertreten, für die Vergrößerung des Abonnentenkreises der ״österr.-ungar. Cantoren-Zeitung^ nach Möglichkeit bemüht zu sein. Die Administration der österr.-ungar. Lantoren-Zeitung. Gesangs-Briefe. (Fortsetzung,) Aber so ist es nicht bei der deutschen Sprache, nicht bei den - Engländern, Franzosen und Holländern, die alle mehr oder weniger unangenehme und künstliche Laute durch ihre verschiedenen Sprachen verwebt haben. Das Ohr ihrer Kinder gewöhnt sich früh an diese Laute, so dass sie erwachsen kaum begreifen, wie man sie unangenehm sinden könne. Früh wird ihre Kehle und datz Stimmorgan mit all' seiner Maschinerie zum Aussprechen dieser Schwierigkeiten gewöhnt, so dass jede Nation auch die widernatürlichsten Laute und Sylbensügungen ihrer Sprache mit Geläusigkeit hervorbringt, die des Ausländers Sprachwerkzeuge unendlich schwierig sind. Wir halten den verschiedenen Nationalsprachen das Zischen, das Näseln (nasillement), die Gaumenquetschung zu gute, und begnügen uns damit zu sagen, es ist ihre Eigenheit! Aber der Gesang ist wie eine allgemeine Sprache zu betrachten. Keine Art von verstümmelten Tönen kann in ihr gut geheißen werden. Daher wird es sehr begreiflich, dass, wenn nicht in früher Kindheit eine besondere Sorgfalt ans die Bildung der Kehle zum Gesänge verwendet wird, der erwachsene Sänger chwerlich seine Landsmannschaft ganz zu verleugnen und sich rein zu bilden im Stande sei. Zwar sagen Rousseau und Tissot, dass der Türke der türkischen, der Italiener der italienischen Musik bedürfen, um ihren Einfluss bei Krankheiten zu beurkunden, und dass die Cantaten Bernier's einen französischen Musiker vom Fieber heilten, von denen ohne Zweifel jeder Musiker anderer Nation das Fieber bekommen haben würde. Allein im gesunden Zustande möchte doch wohl unter den gebildeten Nationen nur eine Meinung über das Wesen schöner Töne beim Gesang herrschen, das zwar nicht Zeder wörtlich zu zergliedern, aber dach durchaus wohlthuend auf das Ohr zu empfinden vermag. Der Laie wie der Kenner werden bei der Prüfung dieses Wesens durchaus bekennen müssen, dass weder die Gaumendrückung bei manchen Worten der deutschen und besonders der holländischen Sprache, noch die Nasalwörter der Franzosen, oder das Zischen und Verschlucken des Tones bei den Engländern, dazu geeignet seien, schöne Töne zu befördern und aus ihren Kehlen zu leiten, wie sie offen natürlich und rein der italienischen Kehle entgleiten. Wenn solche Betrachtungen die geringen Anlagen zum schönen Gesänge bei verschiedenen Nationen beurkunden, so ent-! halten׳ sie auch zugleich Winke, aus welchem Wege sie den Schwierigkeiten am leichtesten begegnen können. Ze mehr sich deren beim ersten Blicke darbieten, desto nöthiger wird es, die Kinder früh davon zu befreien. In Holland weiß man kaum, was es heißt, wenn man von cantar di gola redet. Die Landesspräche hat die Kehlen dergestalt darin geübt, dass es hier wie in jeneit Ländern gehr, wo die Cretins häufig sind und ein Mensch ohne Kropf die Ausnahme macht. Es ist wirklich eine Ausnahme, wenn man einen holländischen Sänger ohne diese unleidliche Zuthat singen hört, und diejenigen Mitglieder, welche dies Sprachhindernis überwinden, verdienen mit dem größten Recht den Namen des Künstlers. Dass es möglich sei, die Kehle beim Gesang davon befreit zu halten, beweisen mehrere Beispiele. Der ziemlich richtige Maßstab, nach welchem man die Nachtheile einer Sprache, in Rücksicht auf die natürliche Bildung der schönen Töne im Gesänge, bestimmen könnte, scheint mir in der Schwierigkeit zu liegen, mit der sich Ausländer aller ihrer Theile zu bedienen im Stande sind. Diejenigen Theile, welche ihnen schwer fallen, gehören gewiss nicht zur leichten