Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 44 (30.12.1885)
- Date
- 1885-12-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis Kür Aereinsmitglieder: Ganzjährig ... st/ 5.— Halbjährig - fl• 2.50 Vierteljährig . - st. 1-25 Monatlich - . st-׳— Kür Nichtmilglieder: Ganzjährig . . st. 6.— Halbjährig ... st. 3-— Vierteljährig . . st. 1-50 Monatlich . . - st. —SO Kür das Ausland: Ganzjährig . /. . st. 7.— 12 Mar? oder 6 Rubel. O r* sIrL H.; für die Orslmimt - Intcrrfisni jüdischer Contarrn Erscheint jeden achten Hag. B e g r n n d e r: Dbercamor HAcruev.!{edHclia AdttrirrisLrrrtron \U i e n . II., Novaragasie 27. Iufcrar« werden billigst berechnet. Manujcriyte werden nicht relournirl. Nr. 44 Wien, 30. December 1885. 5. Jahrgang. Der christlichen Feiertage halber, an welchen die Arbeit in unserer Druckerei eingestellt war, konnte die dieswöchenttiche Nummer erst heute erscheinen. Die Nedaetion. Einladung zur Pränumeration. Die ״Desterr. - Mg. Cantoren - Zeitung ii tritt mit 1. Jänner 1886 in den VI. Jahrgang, daher wir unsere geehrten Herren Abonnenten zur Erneuerung des Abonnements ergebenst einladen. Die Redaction. Ueber Entwickelung des ״Synagogen- Gesanges". Von Obercanlor I. Singer in Wien. XLV. Die im vorigen Aufsätze nachgewiesenen drei Steiger, (Synagogcnsingweisen), u. zw. der des!ישתם״ mit den Tönen 0—Des E F'Gr—As B C; der des מגן אבות mit C D—Es F G—As B C und der des יי מלך mit C D E—F G A—B C müssen demnach al 8 die eigentlich ältesten Sy n agogento n ar i c 1t anerka il n t werden, indem ihre Jntervallenfolge von der modernen Skala mit den Halbtönen (Dur) von der 3.-4. und von der 7.—8. Stufe vollständig abweicht, demnach mindestens jener Periode angehören, die der Ausstellung der jetzt üblichen Skalen voranging. Alle übrigen Steiger erweisen sich als entschieden jüngeren Ursprungs, indem ihre Töne dem Jntervallengesnge der modernen Skala vollständig entsprechen, daher unmöglich älter als die jetzt übliche Skala sein könne n.*) Es ist be- *) Nach dem System der jetzt üblichen Skala wird erst seit beiläufig 1650 gearbeitet. . merkenswertb, dass die NIltN-Melodien des gelammte 1 Synagogengesanges, mit Ausnahme des für מעריב לשלש רגלים welches streng im ronP^Steiger und des für גשם n!ld מל, welches streng im אבות p^Steiger gearbeitet ist. die In tervallenfortschreitung der jetzt üblicken Skala anfweisen, demenj^ sprechend auch nicht älter sein können, als diese selbst; kommen hie und da, wie bei der עמדת oder beim יי יי פזמון Abweichpngen von der modernen Skala vor, so sind diese Stellen inAesammt iiach dem ^^^׳Sreiger geformt. (Wir machen" auf diese Thalsache wegen einer später vorznfnhrenden, interessanten Erscheinung nachdrücklichst aufmerksam.) .Sogar die ׳־כל גרר׳ Melodie trägt den Charakter der jetzt üblichen Mollskala und erweist sich dem strengen Foricherauge als eine versteckte, a ׳er leibhaftige Jntroduction zu einem Csardas. Man singe oder spiele die Melodie, ohne an den aiterthümlichen Text zu denken, und der nackte, sogenannte Lasson tritt unzweifelhaft zu Tage. Bei unserer streng conservativen Gesinnung, die einer tiefwurzelnden Pietät vor dem Althergebrachten entstammt, wird rs uns wahrhaft schwer, derartige Erörterungen der Oeffentlichkeit! zu übergeben und mit kalter Hand unsere Heiligthümer anzutasten, allein der Helle Strahl der Aufklärung muss den matten Schimmer des Zweifels verdrängen, da die Macht der- Tbatsachen bekanntlich keine Sentimentalitäten duldet und rück-׳ sichtslos um Gefühlsregungen die Klarlegung der wirklichen Beschaffenheit der Dinge fordert. Nichtsdestoweniger bleiben uns die von unseren Vätern ererbten Melodien heilig und werthvoll. An der sichern Hand der geschichtlichen Entwickelung des Skalenbaues vermeinen wir nun unzweifelhaft nachgewiesen zu haben, dass von allen, noch bis heute sattsam bekannten Synagogenweisen, lediglich dem אבות ׳ישתבת pö und מלך ""Steiger der diamantene Kranz des grauen Alters zuerkannt werden muss. Versetzen wir uns nun im Geiste in die Epoche jenes Zeitalters und fragen: ,Woher nahmen unsere Altvorderen den Stoff für diese uns überlieferten Arbeiten, oder ins Musikalische übertragen, die Töne für diese Weisen? Wieder müssen wir zu den vergilbten, aber untrüglichen Blättern der alten Geschichte unsere Zuflucht nehmen. Vergebens forschen wir in der ägypti-