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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-11 · Heft 42 (11.12.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 42 (11.12.1885)
Date
1885-12-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Acker besäßen. Und als er die Sckwielen ibrer Hände sab und sie ihm die Versickerung gaben, dass das Reick Christi nickt ein weltliches und irdisches sei und sich erst am Ende der Tage offenbaren werde, entließ er sie. ohne über sie ein Uribeil zu fällen, weil er sie nickt fürckten zu muffen glaubte. Hieraus habe die Christenverfolgung aufgehört. Dass eine solche Verfolgung stattgefunden bat, erwähnt auch Orosiuß (VII, 9), und es geht auck aus des Clemens Brief an die Korinther (I, 6) hervor. Scaliger und neuere Kritiker fechten die Glaubwürdigkeit obiger Erzählung an, ja sie bestreiten, dass eine allgemeine Cbristenverfolgung unter Domitian stattgefunden habe. Diese kritiscken Zweifel haben insoferne ihre Berechtigung, als die maßgebendste Stelle für diese behauptete Verfolgung, nämlick Suetonius (Domitian. 12), sich wohl schwerlich auf die Zudcn bezieht. Es wird an dieser Stelle berichtet, dass Domitian gewaltsame Eingriffe in fremdes Gut gemacht, namentlich Erbschaften, wenn noch ein legitimer Erbe vorhanden war. eingezogen und dann hinzugefügt babe: ״Praeter ceteros' Judaicus fiscus acerbissime actus est; ad quem deferebantur, qui vel improfessi Judaicam viverent vitam, vei dissimulata origine imposita genti tributa non pependissent.® (Fortsetzung folgt.) Mterarisches. Ich erlaube mir die Aufmerksamkeit der P. T. Herren Sollegen auf ein demnächst erscheinendes Opu8 gottesdienstlicher Gesänge von Ad. Grün zweig, Regenschori in Arad, zu lenken. Das dem Herausgeber d. Bl-, Herrn Obercantor I. Bauer, gewidmete Heft wird Casualgesänge, u. zw. speziell solche für Leicheüb egängniße, Requiem rc., für Chor, Soli, mit oder ohne Orgelbegleitung, enthalten. Durch die Freundlichkeit des Autors habe ich Gelegenheit gehabt, daß Manuskript durchzusehen, und bin ich auch in dieser Partitur den allgemein bekannten und anerkannten Vorzügen der Grünzweig'schen Compositiouen begegnet: sangbare, leicht zu Ohr gehende Melodie, gute und natürliche Harmonisirung, Schwung und nicht complicirt. Der gute Name, deffen sich Grünzweig als. Componist fynagogaler Gesänge erfreut, enthebt mich der Aufgabe, mich Über den Werth der erwähnten Compositionen des Weiteren zu ergehen. Es erübrigt mir daher nur, der Ueberzeugung Ausdruck zu geben, dass das in Rede stehende Opus manche Nummer enthält, die sich in der Synagoge eine bleibende Heimstätte erringen dürfte. Jeder wird darin etwas für sich Verwendbares finden, darum will ich auch nicht auf Einzelnes Hinweisen, sondern zum Schluffe nur noch bemerken, dass wir in Temesvar, anlässlich des Requiems für Moses Montesiore 1'צ'ל das ergreifend-schöne Requiem aus besprochenem Opus (Leracbdm ow al bonim) zur Aufführung gebracht haben, und dass diese Composition eine tiefe Wirkung bei allen Zuhörern hinterlaffen hat. TemeSvar, December 1885. W. Neubauer Regenschori. Kleine Chronik. Wien. (Orig.-Corresp) Dienstag den 8. December fand in den provisorischen Tempelloealitäten der türkischen israel. Gemeinde ein solennes Obanuba-Fest statt. Mit derselben war eine kurze Prüfung der Schüler und Schülerinnen der türk. Talmud-Thoraschule verbunden. Anwesend waren der Gemeinde- und Schulvorstand, an der Spitze der Präses, Herr Markus M. Russo, und viele Gemeinde- Mitglieder. Nach der Prüfung wurde ein Choral gesungen. Hierauf hielt der Director Herr E. Groag eine mit vielem Beifalle aufgenommene Rede, in welcher er den Freunden und Gönnern dieser Anstalt besonderen Dank für ihre hochherzigen Bestrebungen aussprack. Zum Schlüße wurden sowohl die Schulkinder als auch die Chorknaben mit schönen Winterkleidern durch den erst im vorigen Jahre gegründeten Verein betheilt. Um diesen Hnmanitäts- Verein haben sich die Comit^mitglieder Herr Abr. Finci, Israel und Jaques Menachem Russo besondere Verdienste erworben. . . . . r Wie» 7. December 1885. (Orig.-Corresp.) Bek leidung armer Schulkinder. Ein erhebendes Fest, welches abermals ein glänzendes Zeugnis jüdischen Wohlthätigkeitssinnes lieferte, fand am fünften Obauuba-Tage im Hernalser Bethause, Gerlgaffe Nr. 21 statt. Der Verein , Kinderfreunde * vo1?Hernals, Ottakring und Neulerchenfeld bekleidete nämlich 100 arme, würdige Schulkinder, Knaben und Mädchen mit vollständiger Wintertoilette. Nach der Bekleidung, die im Hernalser Brauhause durch mehrere Herren und Damen deS Festeomitäs vorgenommen wurde, fand im Bethause ein Festgottes- . dienst statt, der auf Jeden der Anwesenden einen tiefen und nach- : haltigen Eindruck machte. Nachdem Herr Cantor M. Schlesinger daS Abendgebet in anerkenuenswerther und würdiger Weise verrichtet hatte, und Las Festlied: »Lasst uns halten an dem Glauben' von Professor Sulzer verklungen war, richtete der Vereinspräses, Herr Moritz Nowak, eine Ansprache an die Anwesenden, in welcher er der wackeren Frauen gedachte, die von Haus zu Hans gierigen, um die Spenden für den Verein entgegen zu nehmen. Ihnen, sowie allen Förderern und Wohlthätern des Vereines sprach er den herzlichsten Dank aus. Besonders warme Töne traf Herr Nowak, als er die bekleideten Kinder apostrophirte und sie ermahnte, brave und 'fleißige Schüler zu werden und zu bleiben und ihrer Wohlthäter stets eingedenk zu fein. Im Namen der bekleideten Kinder richtete׳Herr S. Epstein, Neligions- und Volksschullehrer, eine Dankrede an den Präsidenten und den GesammtauSschuß. Zn derselben entrollte er ein glänzendes Bild der humanitären Wirksamkeit des Vereines »Kinderfreunde' und besonders seines hochverdienten Obmannes, Moritz Nowak. Ein bekleidetes Mädchen, Namens Fröhlich, sprach hierauf ein Dankgebet in cührend einfacher Weise, die einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden machte. Mit Absingung der von Herrn Cantor M. S ch l e s i nger componirten Cantate »Singt dem Herrn ein neues Lied", welche allgemeinen Beifall fand, schloß die Feier. Kffegg, 3. Dezember. (Orig.-Corresp.) Am 2. d. M. wurde das Obanuba-Feft an der hies. öffentl. israel. Gemeindeschule auf eine wahrhaft solenne und zugleich humane Weise begangen. — An diesem Tage fanden sich um 3 Uhr Nachmittags in der genannten Anstalt mehrere Mitglieder des israel. Cultns- und Tempelvorstandes, sowie die Präsidentin der hies. israel. Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines, Frau Flora Kraus, nebst mehreren Comite-Damen, sowie ein zahlreiches, distinguirtes Publikum ein, und wurde die Feier mit einem vom 2. Cantor und Chorleiter Herrn B. Heller, der auch an der genannten Schule den Gesangunterricht mit bestem Erfolge ertheilt, gut einstudirten Liede ,An Israel' eröffnet, worauf der'Herr Oberrabbiner Dr. Sam. Spitzer den Zöglingen die Bedeutung des Festes auseinander setzte, die Schüler zur Ausübung der Tugend, zum festhalten an der alten, ehrwürdigen Religion und zur Dankbarkeit gegenihre Wohlthäter ermunterte. — Sodann wurde von einem Schüler unter den bekannten Benedictionen das Obanuka-Licht augezünder und von sämmtlichen Schülern das Obanulca-Lied gesungen. Hierauf wurden 45 arme Zöglinge mit vollständigen Winterkleidern, Schuhen und mit Büchern und diversen Schulrequisiten und die ganz? Schulfügend mit verschiedenen Süßigkeiten und Obst beschenkt, worauf eine von einem beschenkten Schüler gehaltene Dankrede folgte, die alle

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