Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 42 (11.12.1885)
- Date
- 1885-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische I Pränumeralions-Preis " Kür Sereinsmitgricder: Ganzjädrig ... ft. 2- Halbjährig - ... ft- 2. Vierteljährig . - fl. 1- Monatlich - . .ft. —- , Kür Aichlmitgtteürr: Ganzjährig . . . st. «. Halbjährig ... ft. 3. Vierteljährig . . fl. t- Monatlich. . . . fl- —- Kür das Ausland: Ganzjährig . . ..fl. 7. 12 Mark oder 6 Rubel. ן Organ s r~ ,,—; ץ־ Snennctioti kür die Oesllnilnt-IiltmZZkll Mischer Glllltyreu. * A-mirüstratrorr ווז Erscheint jeden achten Jag.X. 1׳1■י II., Novaragasi^?. י'' ■׳-־. otr- ' .:-f״' Inserat- Begründer: Obercantor ^jfa&oß Häcrrrev. werden Willigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. _-_ - ../ Nr. 42 Wien, 11. December 1885. 5. Jahrgang. Nklier Entwickelung des ״Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XLIV. Zm letzten Aufsätze wiesen wir an je einem Beispiels nach, ..dass H WeintrirübHwenu auch genügend vertraut mit dem alten Synagvgeugesangsstyle, weder die gegebene Kunstform des ,Steiger* noch die des traditionellen Gesanges (הזנות) unangetastet lieh, sondern dieselbe umwandelte und willkürlich gestaltete. Dieser Erscheinung begegnen wir in seinem Werke, mit nur ganz wenigen Ausnahmen, allenthalben. Auch Versetzungen schöner, tradilioneller Tonblüthen von einer Stelle nach einer anderen gehören nicht zu den Seltenheiten; namentlich ist dies bei jenen Nummern der Fall, wo die alten Sangweiseu auch für Chorstellen bearbeitet wurden. Wir verweisen diesbezüglich auf die Piece על הראשונים לספירה Nr. 44 — אקדמות Nr. .126 — גשם u. טל Nr. 128 und 129, hauptsächlich jedoch auf die.Wiedergäbe des altehrwürdigen Gesanges והכהנ״ם Nr. 178, welch'!' letzterer namentlich durch moderne Tonphrasen und ungewöhnliche Willkür lichkeiten derartig in Nebel gehüllt erscheint, dass wirklich nUr ein kaum bemerkbares Dämmern des uns allen genügend bekannten Motivs zu bemerken ist. Noch Eines. Wir wißen. dass die überlieferten Gesänge nur e i n ft i m m i g gedacht werden können, dass man jedoch mit der Einführung der polyphonen Synagogengesänge den Versuch wagte,, diese alten Tonwersen auch vielstimmig zu gestalten.*) Die polyphone Gesangsform verträgt jedoch keine rhythmisch freie Behandlung, sondern muss einem allgemeinen Tactmaße untergeordnet werden; hiedurch *) Gelegentlich eines Sommeraufenibaltes im Bad Ems traf der Schreiber dieser Zeilen mit dem geistvollen, berühmten Musiker Ferdinand Hiller in Wiesbaden zusammen, welcher im Verlaufe einer Unterhaltung über den traditionellen Synagogengesang den Ausspruch that, man sündige sehr, dass man die alten Synagogengesänge, welche einstimmig empfunden und erfunden sind (Hillers eigene Worte), durch die Mehrstimmigkeit verunstaltet; wir können uns diesen Worten des als ästhetisch-kritischen Musikschrisistellers weltberühmten Mannes nur vonr ganzen Herzen anschließen. ward die Ursprungsform schon genügend verzerrt und beinahe unkenntlich gemacht und nun noch die Modulation. Man weiß ja, wie geistreich man auf dem Gebiete der Modulation sein kann, wie gefährlich jedoch die verlockende Gelegenheit einer modulatorischen Abirrung für den werden muss, der nicht vollkommen vertraut mit allen Eigenthümlichkeiten des zu umkreisenden Gebietes-ist; er muss, wenn auch im besten Falle unbe» lUad'et zum ' Ausgangspunkte zurückgelangt/ zum Bewußtsein kommen, dass das^weile Ausholen zumeist nicht nöthig sei und mit den gewonnenen Erfolgen nicht im Einklänge stehe. H. Weintraub wußte dies alles, war ein auch auf anderen Kunstgebieten ziemlich bewanderter Mann und, wie schon oft erwähnt, ein jüdischer Cantor allerersten NangeS. Wie kommt es nun, fragen wir, dass wir in seinen synagogalen Musikarbeiten solchen Abnormitäten begegnen, wie, um nur eines Beispieles zu erwähnen, die Harmonisirung der Chorstelle elohe awrohom, eiohe jizcbok bei ׳ברוך אתה לגשם ולטל allwo durch die in der Melodie gar nicht begründete gewaltsame Ueberleitung von D-moll nach G-moll die allbekannte Tonweise einen geradezu befremdenden Eindruck macht und gebieterisch zur genauen Untersuchung des Vorkommnißes zwingt. Allerdings vernehmen, wir den scheinbar berechtigten Einwurf, dass für die Harmonisirung der traditionellen Gesäuge, die ja auch nach unserer eigenen Anschauung ursprünglich einstimmig gegeben waren, keine feststehende Form bestand, und dass es daher dem Geschmacke eines jeden Einzelnen überlassen bleiben muss, diese Melodien mehrstimmig zu bearbeiten. Ganz recht. Dieser Einwurf ist uns j insofern willkommen, als er uns Gelegenheit bietet, Nachfolgendes zu erklären. Die traditionellen Gesänge sind, um mit Fsrd. Hiller zu sprechen, allerdings einstimmig empfunden und erfunden, allein dieselben sind keineswegs willkürlich erdacht, sondern nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen gefugt, nach Grundsätzen, die bis nun merkwürdigerweise, wenn auch mehr oder weniger gedankenlos geübt, dem ganzen Umfange ihrer für den Synagogengesang überaus wichtigen Bedeutung nach, weder erfasst, noch in ein System gebracht wurden. Wäre dieses, von unseren Altvordern in feinfühlig-künstlecischer aber unbewußter