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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-03 · Heft 41 (3.12.1885) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 41 (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis Kür ^ereinsmitglieder: Ganzjährig - - . st. b.— Halbjährig ... fl. 2.50 Vierteljährig . . fl. 1-25 Monatlich ... fl. —45 Kür Nichlmitgttedrr: Ganzjährig . . . fl. 6— Halbjährig ... ft. 3.— Kür das Ausrand: Ganzjährig ... fl. 7 IS Mark oder 6 Rubel. O r 2; a 11־ die GesllMNit-MerWrli indischer Cnntnrra. Erscheint jeden achten Hag. Administration Mi en. II., Novaragasse 27. . Begründer: Dbercantor JJa&oß ferner. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retvurnirt. Nr. 41 Wien, 3. Derember 1885. 5. Jahrgang. Gesangs-Briefe. :V׳iit welcher Lust werden die jüngeren Mädchen nicht dem tändelnden Spiel der Puppe entsagen, um an dem kleinen Clavier das uachzumacheu, was sie von der Mutter hörten und sahen; wie weit lieber werden sie als herangewachsene Zungsrauen die Zirkel ihrer Gespielinnen mit einem munteren Liede erfreuen, als zu den zeittödtsnden Karten zu greifen, oder die Zeit durch hirnlose Spiele zu verjagen 1 Wie viel Annehmlichkeit wird ihre Person für den geselligen Umgang gewinnen, wenn sie auf eine so unschuldige als schöne Weise größere Versammlungen durch ihren sinnreichen Gesang zu unterhalten wissen, wenn sie Freude durch das verbreiten, wo׳ durch sie selbst Freude empfinden; wenn sie zu ihrer eigenen und zur Erbauung ihrer Freunde dann und wann P ergo lese'S. G r a u n ' s oder H ay d n' s und M oz a r t' S herzrührende Melodien vortragen! Und nun sehe man diese Mädchen als Gattinnen und Mütter, wo gerade der Zirkel ihrer musikalischen Wirksamkeit wieder anfängt, wie sie durch den frohen Gesang sich selbst zu erquicken verstehen, wenn des schwülen Tages Geschäfte sie bis zum dämmernden Abend geführt haben, wie sie durch das einfache, mit Ausdruck gesungene Lied die sorgenvolle Falte von der Stirne des Gatten wezzaubern (besonders wenn er auch selbst seiner Stimme Seele früh geweckt hat), wie seine Liebe durch diese stille Wohlthat verdoppelt und fester an sie ge» kettet wird, wie so gestärkl Ruhe und Heiterkeit unvermerkt wieder in sein besseres Wesen übergehn, und er sich wieder glücklich fühlt. Man sehe, wie dieses Weib über die Herzen waltet, wenn ihre eigene Seele im Einklang mit ihren Tönen steht, wie kein Geschöpf unter ihrem Dache wohnt, desien Züge nicht durch den Wohlklang ihres Gesanges erheitert würden: und dann sage man mir, ob es nicht Pflicht ist, ein Organ zu bilden, daS eines solchen Zaubers fähig ist? Man könnte mir nun einwenden, dass es für's Erste der Gesundheit und besonders der Brust junger Kinder schaden müsse, wenn sie so früh, als ich es wünsche, ihre Singstimme gebrauchen lernten. Zweitens, dass der Gesang später der Moralität nnd dem Charakter in gleichem Maße nachtheilig sein könne, da der jungen Virtuosin Eitelkeit, wenn sie sich bei öffentlichen und Privatgelegenhei.cn hören lässt, gereizt und genährt würde. Drittens, dass die Erlerunng und Uebung der Musik viel Zeit erfordere, viel Kosten verursache, und in dem Stande der Hausfrau und Gattin der Haushaltung viel Schaden bringe, dass daher die größere Zahl der Weiber die im Mädchenstande mit Mühe und Kostenaufwand erlernte Kunst aufgäben; — und endlich Viertens, dass es der häuslichen Verwaltung nicht zur Beförderung diene, wenn sich die Hausfrau als Mädchen an zu viel Harmonie gewöhnt habe. Wahrlich, eine ansehliche Reihe von Beschuldigungen, die man der Kunst, welcher ich das Wort rede, zur Last legen könnte! Aber ich habe Muth und werde gleich einem hochherzigen Ritter, saus peur et sans reproche, meine Schöne zu vertheidigen suchen. Den göttlichen Aesculap und seine Schüler, Hippokrates und Galenus, habe ich nie studirt, aber Tissot und unsern lieben Lebensverlängerer Hufeland kenne ich. Ersterer har unS gelehrt, dass die Musik in der Medizin unendlich nützlich sein könne, und dass der Gesang bei vielen Fällen als Heilmittel mancher Krankheit beförderlich wirke. Doch thut es mir leid, dass ich nicht bestimmt sagen darf, ob diese Männer, denen jeder ohne Zweifel ein volles Vertrauen schenkt, sich besonders über den Nutzen ausgedehnt haben, der der Lunge und Brust, und durch diese der ganzen Gesundheit des Meuschen. bei der frühern Gewöhnung an einen mäßigen Gesang zufliesst. Es bleibt mir in diesem Falle nur das Mittel, welches einst Sterne gebrauchte, um seine Citate zu bekräftigen, da ihm das untreue Gedächtnis die namentlichen Autoritäten verweigerte, und er ausrief: haben es die Herren nicht gesagt, so hätten sie es doch sagen können l Uebrigens ist es bekannt, dass bedeutende Autoritäten sich ganz bestimmt für den frühen Gesang erklärt haben und nicht nur aus technischen, sondern besonders aus medizinischen Gründen das fünfte Zahr als die wahrlich nichl zu irüh bestimmte Epoche annehmen, in der die Stimme schon gebildet werden soll. Je früher ein gesundes Kind, ohne etwa durch Zwang dazu genö» thig zu werden, singt, desto leichter dehnt sich seine Brust, deren Theile nur knorpelich, und daher einer besonderen Ausdehnung fähig sind, in diesem zarten Alter aus, die Lringorgane haben

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