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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-11-09 · Heft 38 (9.11.1885) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 38 (9.11.1885)
Date
1885-11-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische r Pränumerations-Preis Kür ^ereinsmitgtieder: Ganzjährig - - . fl. s.7^- Halbjährig ... st. 2.SO Vierteljährig - - fl. 12L Monatlich - . - fl- — ־ Kür Mchtmitgtteder: Ganzjährig . . . fl. 6 — Halbjährig - . . fl. 3.— Vierteljährig - - fl- 1 SO Monatlich . - . fl. —•50 Kür das Anstand: Ganzjährig . . . fl. 7.— 18 Mart oder 6 Rubel. V. O 1* «: a 11 die Gesäumt -Inieresseu indischer Gantorm. jRedn ף״7icitou J 4% ft* A-nri»istratiorr W tni. Hrscheint jeden achten Jag. Begründer: Obercantor Icrüob Mcrrrev. II., Novaragaffe 27. Inserat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht cetournirt. Nr. 38 Wien, S- November 1885. 5. Jahrgang, Ueber ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XLII. Wesentlich günstiger gestaltet sich der Inhalt des zweiten Theiles des Weintraub'scheu Synagogengesangswerkes, obgleich wir dem strophenartig compouirten יגדל in Es-dur, Nr. 111, den wir als erste größere Composition des Buches hervorheben, unsere ungetheilte Zuneigung versagen müssen. Wir erklärten , bereits an anderer Stelle und müssen es auch hier betonen, dass die Verwendung einer Melodie für die verschiedeninhaltlichen Strophen eines Gedichtes keineswegs gutgeheißen werden kann, und lassen uns bei Kundgebung unserer Anschauung nicht ein' mal durch den etwaigen Hinweis auf die Thalsache, dass selbst der Liederfürst Schubert, sowie auch Mendelssohn-Bartholdy u. A. Strophenlieder mit gruppirter Melodie componirten, beirren, indem wir betonen, dass nicht d i e s e vereinzelten Strophenlieder, sondern die große Anzahl durchcomponirter Lieder es war, die jenen gefeierten Männern daS Gepräge der hohen Bedeutung verlieh. Erscheint nun diese Compositionsmanicr selbst beim Liede, dessen Inhalt bekanntlich nur e i n Gefühl zum Ausdrucke bringt, durchaus nicht gerechtfertigt, weil die Stimmung, oder besser gesagt, daß Neflexionsbild einer jeden Strophe ein verschiedenes ist, und daher auch eine mannigfaltige musikalifche Behandlung verlangt, so wird man ein derartig componi»! stisches Vorgehen bei Bearbeitung des hymnenartigen ן^־יגדל:* tes unmöglich gutheißen können. Wir verzichten aus die Durchsicht des ׳1^־יגדל^ und wollen nur den ersten vier Zeilen unsere Aufmerksamkeit zuwendeu, um die Berechtigung des von uns aufgestellten Grundsatzes nachzuweisen:! ״Jigdal elohim chaj we’jischtabaeh Nimzoh wedn es 61 meziuso Echod weön joehid kejichudo Neelom wegam en sof leachduso.“ In diesen vier ersten Zeilen finden wir nicht weniger als vier verschiedene Stimmungsbilder; die erste Zeile enthält einen Aufruf zur Lobpreisung Gottes und muss als gar nicht zum Gedicht gehörig, oder nur als Ueberschrift desselben betrachtet werden; die zweite Zeile behandelt die Unendlichkeit Gottes bezüglich seines Entstehens; die dritte Zeile die Einigkeit und die vierte Zeile die Unbegrenztheit Gottes, seine Fortdauer betreffend. Allein, wenn wir auch zugestehen, dass in diesen ersten vier Zeilen eigentlich nur zwei Stimmungsbilder, u. zw. in der ersten die Lobpreisung und in den drei letzten die Schilderung des göttlichen Wesens enthalten sind, io muss selbst bei dieser etwas eingeschränkten Anschauungsweise zuerkannt werden, dass der vorhandene, wesentlich verschiedene Inhalt der ersten und der dritten Zeile durch eine und dieselbe Kunstwirkung unmöglich illustrirt werden darf; wie passt nun, fragen wir, für die erste und dritte Zeile eine vollständig gleiche Melodie, wenn diese letztere nicht als leeres Tongeklinzel, sondern als wirksame Unterstützung des musikalisch zu illustrirenden Textes erscheinen soll. Wir mussten bei dieser Vorausschickung etwas , länger verweilen, um nachdrücklichst zu betonen, dass bei Componirnng eines Textes stets der Arbeitszweck, d. h. die wirksame Unter- 1 stützung des Wortes durch den Ton im Auge behalten werden muss, dass jedoch der angedeutete Zweck vollständig vereitelt erscheint, wenn die Textesworte durch falsche musikalische Be» Handlung, durch Dehnung und Wiederholungen nun als armselige nebensächliche Nothbehelfe für die Melodie erscheinen, und das muss stets dort der Fall sein, wo eine, wenn auch einfchmeichelnde Weise, für einen verschiedeninhaltlichen Text angeordnet war, wie es beim vorliegenden יגדל der Fall ist. Wie stattlich kühn und siegessicher nehmen sich dieser wirklich etwas ängstlich uitb. zurückhaltend auftretenden Composition gegenüber die Nummern?לא לג Nr. 110 und ד״זברנו Nr. 119 aus. Beiden Compositioneu ward eine sorgfältige, eingehende Beachtung zutheil, deshalb! erscheinen dieselben auch als wirklich vollkommene, originale Knnstschöpfuugen, die sich im Augenblicke unsere Sympathie zu erringen wissen. Kindlich flehend tritt das Anfangsmotiv der Nr. 110, entsprechend dem Texte 10 lonn adonoj, auf und entbehrt sogar bei der Stelle al cbasdecho we’al amiteeho der uns so sehr lieben synagogalen Elegik nicht, während sie bei der Frage lomu jomeru Jbagojim eine in allen 4 Stimmen durch-

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