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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-10-16 · Heft 35 (16.10.1885) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 35 (16.10.1885)
Date
1885-10-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis Kür Kercinsmitgttrdrr: «anzjävriz . - . fl- »-7- Halbjährig . . . fi. >.iv Vierteljährig - . fl. 1.3S Monatlich ... fl. —iS Kür Michtmitgtteder: Ganzjährig ... st. «•־■־ Halbjährig ... ft. *•— Viertel!ährig - - fl. 1 50 Monatlich ... fl. —•50 Kür das JlK»r«n> : vanzlährig . . . ft. 7— 13 Mark oder C Kübel. •Ä. O r ö: a 11 die GrsMmt-InterisZeli iiidischer Cantareu. Erscheint jeden achten Tag. Begründer: Oberoanlor IcrAob HJcruev. SRedHciian Administration W i e n. jj II., Novaragasse 27.; 1 —' Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 35 Wien. 16. Ocloder 1885. 5. Jahrgang. Wien, am 16. Moder 1885. As ist eine allgemeine und gewiss nickt unberechtigte Klage, die i״ den letzten Jahrzehnten von verschiedener Seite erhoben wurde, dass seit der Zeit der sogenannten Emancipation der Juden die Theilnahme unserer Glaubensgenossen am Gottesdienste immer mehr und mehr abnehme, dass der religiöse ^zndifferentismus immer größere ^Kreise erfasse, und dass in Folge dessen manche Gemeindegenossenschaft, die in unserer Jugendzeit nock in vollster Blüthe stand, jetzt einem fast unaufhaltsamen Auflösungsprozesse entgegen gehe oder demselben bereits erlegen sei. Dem Umsichgreifen dieser für das Judenthum böckst bedrohlicken Erscheinung wollte man nun auf verschiedene Weise begegnen. Die Euun. die in der Verbreitung der Bildung unter den Juden und in der Beschäftigung mit den diversen wissenschaftlichen Disciplinen den Grund des Uebels sahen, suchten sich und die Ihrigen von jeder geistigen Thätigkeit auf dem Ge׳ biete der profanen Litteratur abzuschlicßen und gerietheu so in Constict mit den Anforderungen, die das practische Leben in der modernen Zeit an den Menschen stellt: die Anderen unternahmen es, das Judenthum uud den jüdischen Gottesdienst mit dem Fortschritte in Einklang zu bringen und opferten das Jndenthum im Interesse des Fortschrittes. Namentlich in der letzten Richtung wurde viel gesündigt, Stück' um Stück sah man 'von der alten, ehrwürdigen Synagoge abbröckeln, die den Juden durch viele trübe Jahrhunderte Zuflucht gewesen, und über alte, ehrwürdige Gebräuche, für die unsere Väter ihr Herzblut ließen, wurde rücksichtslos der Stab gebrochen. Abkürzung des Gottesdienstes, Beseitigung der bebräischeu Sprache wurden zuin allgemeinen Losungsworte, alle möglichen und unmöglichen Reformen wurden in Vorschlag gebracht, das jüdische Gotteshaus wurde zur protestantischen Kirche, oder was auch in vielen Fällen stattfand, zum Concertiaal, wo pompös angelegte Cböre den frommen Sinn der Gläubigen erwecken sollten. Der Cantor war natürlich hiebei vollkommen entbehrlich geworden und wurde als altes Möbelstück über Bord geworfen. Die Gemeinde hatte geringere Lasten, und der Gottesdienst׳ war ein moderner, reformirter, so dass auch Andersgläubige daran theiluehmen konnten und nichts mehr von der verpönten .Juden, schuf fanden. — Ja wohl, es war ein Gottesdienst fnr Andersgläubige aber nicht für Juden. Man war ausgezogen. um den religiösen Jndifferentismus zu bekämpfen und erreichie gerade das Gegentheil. Wir wollen uns hier nicht eingehender mit diesen AuS- -wüchsen der jüdischen Reformation beschäftigen, da sie ja schließ, lich in den großen Gemeinden, wenigstens in Europa, keinen Eingang fanden, oder wo dies wirklich geschah, nicht lauge andauerten. Die tonangebenden Gemeinden waren eonservativ geblieben, und in deren Mitte beschäftigten sich wahrhaft jüdische Männer mit der ernsten Frage, auf welche Weise dem Jndifferentismus entgegengesteuerl werden könne. Sollte aber irgend ein Erfolg errungen werden, so musste man nicht blos den Symptomen begegnen, sondern nach der letzten Ursache des Uebels forschen und dieselste zu beseitigen suchen. Der Neligionsunter. richt, der sehr im Argen lag, wurde verbessert. Unsummen von Geld darauf verwendet, aber all' dies nützte nichts. Die Ersahrungen bestätigten allgemein, dass nicht so sehr der Mangel an religiösem Unterrichte in der Schule als der Mangel oder das gänzliche Fehlen der religiösen Erziehung in der Familie den Jndifferentimus großgezozen habe. Hier mußte der Hebel angelegt werden, hier war der wunde Punkt, auf dessen Heilung man alle Kräfte verwenden mußte. Diese Ueberzeugung hatte zur Folge, dass iy den meisten jüdischen Gemeinden der Jugendgottesdienst obligatorisch eingeführt wurde. Den jüdischen Kindern wurde Gelegenheit gegeben, wenigstens einmal in der Woche die Synagoge zu besuchen und mit den Formen des Gottesdienstes bekannt zu werden. Wenn nun trotzdem die gewünschten Erfolge noch nicht sichtbar sind, so liegt d׳es einerseits in der verhältnismäßigen Neuheit der Einrichtung, andererseits in dem Umstande, dass unseres Erachtens dis nötigen Vorbedingungen für den Jngendgotlesdienst noch nicht erfüllt sind. Und unter diesen Vo rbedingungen steht obenan der lithurgische Gesangs n n t e r r i ch l Was der Gesang im Allgemeinen für die sittllche Ent- Wicklung und Veredelung des Menschen bedeutet, das bedeutet

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