Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-09-06 · Heft 31 (6.9.1885) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 31 (6.9.1885)
Date
1885-09-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/1304829-3452999-3453030--1479-3455624
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

-י־ ׳7* — Vor Zähren kam ein christlicher.Student zu dem damaligen Obercantor der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Professor Salomen Sulzer mit der Bitte um Unterstützung, damit er sein Studium sortsetzeu könne. Herr Sulzer 'stand demselben nach Kräften bei, unterstützte ihn jahrelang nicht nur selbst, sondern verwendete sich auch für ihn bei mehreren reichen und angesehenen Inden. Dank diesem edlen Eingreifen des greisen Sulzer, ist es dem erwähnten Studenten gelungen, sein Studium zu vollenden und den Doetortitel zu erlangen. Und wie vergalt der neue Doctor den Juden ihre Wohlrhaten? Er wurde Herausgeber des ,österr. Volksfreund', eines antisemitischen Blattes schlimmster Sorte, welcher in seinem fanatischen Judenhasse so weit ging, die Verantwortlichkeit für den an einem Polizeibeamten in Floridsdorf verübten Mord dem dortigen Rabbiner in die Schuhe zu schieben. Der Name dieses dankbaren!! Anti» semiten ist Dr. P s e n n e r. Obwohl dieser Antisemit aus Ueberzeugung ist? Das zu behaupten, wird er wohl selbst nicht den traurizen Mnth haben. Wien. (Orig.-Corresp.) Herr Obercantor Kartschmaroff in Groß-Kanizsa hat vom Vorstände der israel. Gemeinde in Odessa den ehrenden Antrag erhalten, die daselbst erledigte Obercantorstelle zu übernehmen. Wir glauben nicht, dass unser verehrter College nach so langjährigem und erfolgreichem Wirken in einer so bedeutenden Gemeinde, wie Groß-Kanizsa, den unter den jetzigen Verhältnissen vielleicht gewagten Entschluß fassen wird, einen wenn auch hervorragenden und gut dotirten Posten in Rußland anzunehmen. St. Petersburg. (Orig.-Corresp.) Graf Josef Tyszkiewiez hat den israel. Gemeinden in Polangen und Krottingen bei Gelegenheit der Feier seiner silbernen Hochzeit eine hoch zu veranschlagende Wohl» that erwiesen. Er hat ein Stipendium gestisret, welches die Unterrichtskosten für acht israelitische Kinder zur Verfügung stellt. Diese Kinder haben die Kreisschule in Polangen zu besuchen, woselbst das alljährlich zu entrichtende Schulgeld vierzig Rubel beträgt. Dem Ortsrabbiner Rubiusohn aus Polangen ist das Rechl verliehen, die Kinder auszuwählen und zu präsentiren. Die Stiftungsurkunde trifft selbst für den Fall der Aufhebung oder Umwandlung dieser Schule ihre Massnähme. Diese Stiftung bestätigt auf's Neue den humanen Sinn des Mannes.' . ' ץ Pesjiau. Folgendes hübsche Geschichtchen; aus dem Leben des Herzogs Leopold von Dessau, Großvater der Prinzessin Friedrich Carl von Preußen, wird jetzt verbreitet. Herzog; Leopold war ein überaus beliebter und trotz vieler Eigenheiten jovialer Landesvater. Unrecht hasste er, wiewohl man .ihm rechtsstaatliche Anwandlungen selten zum Vorwurfe machen konnte. Er war in specie ein entschiedener Gegner der sich an den kleinen Fürstenhöfen breit machenden Geringschätzung des Bürgerthums uud kannte keinen Unterschied der Confession. Eines Tages ließ er einen armen, aber stets gern gesehenen Juden rufen, um ihn über die Vorgänge in der ,kreuzbraven Stadt Dessau' zu befragen. ,Modche', sagte der fürsorgliche Landesvater, ,als ich׳ heute früh durch die Stadt geritten bin, roochte es bei allen Juden; was war den. los?' ״Wir feiern das Purimfest, das Loosungsfest, Durchlaucht', antwortete der Gefragte. ,Aha, die Erinnerung an Deinen Stammvater, Modche (Mordechei), und an Haman; da wundert es mich aber, dass es bei Dir, Modche, nicht geroocht hat.' ,Hoheit! Die Zeiten sind schwer, man kann nicht, wie man möchte.' ״So, Modche, es fehlt am Nothwendigsten? Nach einer Pause befahl der Herzog, dessen sprichtwörtliche Gutmüthigkeit freilich selten die eigene Schatulle angestrengt hätte: ,Ich brauche grünen Stoff für meinen Leibjäger; gehe zum Händler N. (ein als Antisemit bekannter Schnittwaarenhändler) und lass' Dir Muster geben. Darfst aber nicht sagen, dass ich den Stoff brauche.' ״Wo denken Sie hin, Hoheit! Der N. verkauft nicht ein» mal einem armen Juden; er wird sich hüten, mir Waarenproben zu geben, der wirft mich hinaus', jammerte Modche. Der Herzog war jedoch unerbittlich. Er befahl nur: ,Modche, das lass nur meine Sorge sein, nun loof.' Klopfenden Herzens betrat der Abgesandte des Herzogs die Höhle des Löwen; bevor er das Geschäftslocal betreten, sah er sich das Trottoir vor demselben genau an, um zu prüfen, ob er noch auf andere Gegenstände als Steine fallen könnte. Gesagt, gethan. Bevor Modche richtig vor dem Tuchhändler gestanden, flog er schon zur Thür hinaus und-— auf den eintretenden Herzog Leopold. Hoheit waren darob scheinbar höchlichst entrüstet. ,Was, Du erlaubst Dir. mit meinen Bürgern so umzugehen? Himmel Donnerwetter! Gleich entschädigst Du den armen Juden mit zehn Thalern', befahl er in barschem Tone. Der Tuch- Händler war zwar wüthend über dieses Ansinneu, aber er that, wie ihm befohlen. Der Herzog nahm das Geld und überreichte es dem bestürzten Modche mit den Worten: ,Da hast Du, Modche, geh nach Hause und lass ooch roochen.' Itellenoeränderungen. College Brauufeld ist von Temesvar nach Güns, College Streicher von St. Johanna nach Höllisch, College Carmiok von B.-Gyarmat nach Alt-Ofen, Herr B- Goldstein, bisher Quartettsänger in Brünn, als Cantor nacb Straßnitz berufen worden. Allen diesen Herren College» senden wir die herzlichsten Glückwünsche zu ihrem Amtsantritte. Die Redaction. Correspondenz der Nedaetion. T. in B. Besten Dank für die Zusendung des Werkes und erwiedern gleichfalls die besten Wünsche zu ראש השנה• EingesandteS erscheint in einer der nächsten Nummern. Gruß. B. in K. (Pr.) Ihr Saldo beträgt bis ultimo December l. I. fl. 7.— Besten Gruß. L. in B. (Schw.) Diesbezüglich müssen wir genaue Daten erlangen. Wir danken für die Zusendung Ihres Berichtes. Gruß. Fr. in Ztr. Eingesandtes erscheint in nächster Nummer. Gruß. Fr. in P. Gewünschtes erhalten Sie nach den hohen Feiertagen. Gruß. Die Redaction > MT Jene Herren Collegen, welche uns die Begleichung ihrer Rückstände zu den hohen Feiertagen zngesagt haben, werden dringendst ersucht, an ihr Versprechen nicht zu vergessen und die Abonnementsbetrage uns baldigst einzufenden. Zahlungen der Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind an die Nedaetion Wien, II., Novaragasse Nr. 23׳ zu senden. ooooooooooooooooooooooo 0 Erstes Wiener Etablissement 0 <9L Mzan&fihoz Wien, II., Praterstrasse Nr. 12, empfiehlt sieh zur Anfertigung aller Gattungen Ornate für Cantoren, Rabbiner und Cuitus beamte 0 0 0 0 0 s 0 0 ö in feinster Ausführung und zu den billigsten Preisen. 0 ö Aufträge aus der Provinz werden prompt effecfcuirt. V ooooooooooooooooooooooo

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.