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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-09-06 · Heft 31 (6.9.1885) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 31 (6.9.1885)
Date
1885-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische "F Pränumerations-Preis KSr ^ereinsmitgtttdrr: Ganzjährig . Halbjährig - - - fl- -- Vierteljährig . . fl. 1. Monatlich ... fl. —> Aür Mchlmitgttrder: Ganzjährig . . - fl- K. Halbjährig ... fl. *• Viert«l!ährig . - fl- 1 Monatlich ... fl. —- Zs«r das Ausland: Ganzjährig ... fliS Mark oder 6 Rubel. H «anal I״ ן Organ 6| י=-;- für die fenmmt-Interessen siidischer Cantoren. Administration Erscheint jeden achten Hag. II., Novaragasfe 27.; Begründer: Dbmaiitor Iakc>6 Mauer.! Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. <_ _> Nr 31 Wmi, 6. September 1885. 5. Jahrgang Der Feiertage halber erscheint die nächste ׳Nummer der Cantoren-Zeitnng erst Donnerstag den 17. September. Allen Freunden und Mitarbeitern unseres Blattes, sowie allen unseren Collegen und Abonnenten wünschen wir herzlichst .שנה טובה Wien, am 6. September 1885. Hart an der Schwelle eines .neuen Jahres wendet' sich unser Auge unwillkürlich in die Vergangenheit zurück, um den eben durchschrittenen Zeitraum zu überblicken und uns die ernste Frage vorzulegen, ob wir in Allem und Jedem gegenüber der Menschheit im Allgemeinen, unserem Volke, unserem Stande und uns selbst gegenüber unsere Pflichten erfüllt haben. In erfterer Beziehung ist der Ausblick düster und trübe. Immer flnsterer und drohender wird das Gewölk, das am Firmamente beraufzieht und den Kindern Israels Unheil verkündet. Die Sage vom ,ewigen Juden* ist wieder lebendig geworden, und das Schicksal der Heimatlosigkeit scheint noch immer dem ,auserwählten Volke' beschieden zu sein. Viele unserer unglücklichen Brüder und Amtsgenossen werden aus ihrer langjährigen Ruhe aufgescheucht und gezwungen, den Wanderstab in die Hand zu nehmen und sich eine neue Heimat zu suchen. Doch nicht aus jenen Gebieten, die jeder Cioilisation entbehren und im Banne der Finsternis ruhen, kommt diese traurige Kunde, nein, aus dem Lande der Aufklärung und der Reformation, aus dem Lande, das die abscheulichste Misgeburt des neunzehnten Jahrhunderts, den Antisemitismus, groß gezogen hat, tönt dieser Nothschrei. Dort werden rücksichtslos und ohne Erbarmen unzählige Existenzen vernichtet und so die primitivsten Menschenrechte mit Füßen getreten. Ist es nicht eigentlich unter solchen Umständen die größte Ironie; von Pflichten gegenüber der Menschheit zu sprechen, und kann da von Erfüllung derselben die Rede sein? Und dennoch erfüllen wir diese, wir erfüllen sie schon durch unsere Existenz, schon dadurch, dass wir an unserem Volksthume, an unserer glorreichen Geschichte, an der alten ruhmvollen Vergangenheil. Israels festhalten. . Ein naturgemäßer Prozess vollzieht sich da in steter Wieder» kehr. Die Kräfte, die wir dem Wohls und der Entwickelung der Menschheit widmen wollen, werden mit Hohn zurückgewiefen, wir verwenden sie zur Stärkung und Festigung unseres Volks, thumes und dienen dadurch den allgemeinen menschlichen In» teressen in höherem Maße, als dies von so mancher Nation geschieht, die uns verhöhnt und verlacht. Doch das Heil des Judenthums ist nicht im starren Fest» halten an längst überlebten und veralteten Aeußerlichkeiten, aber gewiss auch nicht in unsinnigem Niederreißen und Vernichten schöner Bräuche und guter Gewohnheiten zu suchen. Jeder Jude — insbesondere wir Cantoren — muss die beiden Extreme meiden und auf die Bahn der ״ goldenen Mittelstraße" einlenken, dann wird es uns gelingen, unserem Volke zu nützen, uns nach Innen zu kräftigen und zu stärken, dann werden wir mit sicherem Erfolge gegen unsere Feinde ankämpfen, die nimmer ruhen und rasten und nichts unversucht lassen, um den Boden, auf dem wir stehen, wankend zu machen. Wie wir der Menschheit im Allgemeinen dienen, wenn wir unser Volksthum festigen, so tragen wir zur Stärkung deS Judenthnms wesentlich bei, indem wir die Interessen unseres Standesfördern und für dieselben energisch eintreten. Daaber drängt sich uns die bange Frage auf, haben auch Alle, die dem heiligen Berufe eines Seheliach-Zibbur obliegen, ihre Pflichten diesem Stande gegenüber im verflossenen Jahre erfüllt? Hat Jedermann nach seinen Kräften beigetragen, um dem österr.-ungar. Cantorenvereine, dem Mittelpunkte des Cantorenthumes in Oesterreich-Ungarn, zu dienen? Hat jeder unter un» seren Berufsgenossen das beruhigende Bewusstsein, das Wirken der Cantoreu-Zeitung nach Möglichkeit unterstützt zu haben? Leider müssen wir gestehen — nur sehr wenige. Namentlich gegen die Cantoren-Zeitung wurde arg ge» sündigt. Ihr, die doch gewissermaßen das belebende und erregende Element ist, wurde von vielen Collegen, welche in ganz einträglichen Stellungen sind, jede materielle Unterstützung entzogen, indem sie trotz vorhergegangener Bestellung des Blattes an die Einsendung des Abonnementsbetrages niemals dachten, oder dies mit solcher Unpünktlichkeit thaten, dass hieraus eine

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