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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-08-29 · Heft 30 (29.8.1885) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 30 (29.8.1885)
Date
1885-08-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7׳ — Wiirocz Szncsany. (Orig. Corr.) Den 20. d. M. wurde in der Hit sigen Gemeinde ein Requiem nach weil.'Moses Mont-fiore abgehalten. Zur Besorgung des gesanglichen Tb!׳il׳s wurde H rr Adolf Kestenberg, Camor zu Liplo Nvs'nb-'ig nieder oerrsen. Die weihevolle, .zweistündige Feier hat bei allgemein-r Tbeii-.ahme der jüdischen Be-vö-krrung sialtgefnuden. H rr Cantvr K sie!׳be!g stand ans der Höhe seiner Aufgabe. Sein binreigend gefühlvoller Beitrag hat die Feier zu einer wahrvast erheeend:!! uno!rgreis'nden gemacht׳ Sehr gelungen war auch die schwungvoll gehaltene GetegenheUsrede des Herrn Eduard Fischer, Hörer am Ravviner-Seminar in Budapest. Warmer, wohlverdienter, herzlicher Dank d r ganzen Gemeinde wurde den wackeren Männern gesollt. W—r. Azernowih, 6. August. Der Tod des großen Philanthropen Moses Montefiole ha! riese Trauer in der hiesigen Judenschaft her׳ vorgerusen und man beeilte sich, in würdiger Weise das Andenken an den edelsten Sohn des Volkes Israel zu feiern: Am 3. d. M. wurden am neuen und ain alten Tempelg bände sowie aus der israel. Hauptschule, u »selbst di- Kanzlei der Cultusgemeinde sich befindet, riesige Traueriahncil^ allsgehisst. Am folgenden Tage fand um 1V Uhr Vormittags im neuen Tempel sowohl als auch in der alten großen Synagoge eine Gedenkfeier, stakt. Im Tempel begann dieselbe durch Aolingung einiger passender Psalmen seirenS des tüchtigen Cautors Rosenhcck und seines ausgezeichneien Chors. Hierauf ergriff der Ob.rrabbiuer Dr. Igel das Wort zu einem glänzenden, tief ergreifenden Nachrufe, indem er den erhabenen Tobten nach Gebühr feierte nnd den unersetzlichen Verlust für Gesammtrsraet in wehnrüthi׳ gen Worten klar legte. Gleichzeitig ward auch in der alten Synagoge des Unsterblichen gedacht. Hier hielt der orthodoxe Rabbiner Benjamin Weiß die' Trauerrede. Während des darauf folgenden ״El mole rachmim“ setzte sich die Gemeinde zum Zeichen der Trauer aus die Erde. Als der Vorbeier den ,Kadiseh' anhnb. hörte man laules Schluchzen. Während der Feier, von 10 bis 11 Uhr Vormittags, blieben sämmtliche jüdische Geschäftslocale geschlossen, und die Werkstätten der zahlreichen jüdischen Handwerker feierten, während Meister und Gesellen in den Gotteshäusern weilten, um den Tod Moses Montefiore's zu beklagen. KMS, am 18. August 1885. (Orig.-Corr.) Der Geburtstag unseres geliebten Kaisers ist nicht in Oesterreich allein gefeiert worden, auch wir Oesterreicher in Ems haben an unseren gnädigsten Landesfürsten nicht vergessen. In unserem ״Hotel Brominet' nahmen an der Table d'hote noch;wer Landsleute Theil, nämlich Sr. Ehrwürden Herr DL Löwenstein sammt seinem liebenswürdigen Töchterlein. Als wir nun am l8. August so recht vergnügt am Miltagstische saßen, kam plötzlich eine Batterie Flaschen mit Champaguer angefahren, und es erhob sich Herr Dr. Löwenstein, um die große Tischgesellschaft zu bitten, mit uns Oesterreichern auf das Wohl unseres geliebten Kaisers ein Glas zu leeren. Er erzählte unter andern, trefflich eingeierteteu Worten eine Geschichte aus dem Talmud. Es wurde einmal in einer Stadt die Ankunft des Herrschers erwartet. Große Mengen Neugieriger und aufrichtiger Verehrer standen auf der Straße, unter ihnen auch ein blinder Rabbi, der an der Festivität theilnehmen wollte. ,,Wozu brauchen wir alte, schadhafte Gefäße, wenn wir köstlichen Wein ober trinkbares Wasser füllen wollen, fragte ein daneben stehender Heide. Du siehst ja nicht die Ankunft des Königs, was thust Du also hier?" ״Nun," sagte milde der blinde Rabbi, ,ich wette doch mit Dir, dass ich früher die Ankunft des Königs wissen werde, als Du.' Als sie ein.׳ geraume Zeit nebeneinander gestanden hatten, da erhob sich plötzlich großes Geschrei und Lärm. Hunderte berittener Krieger kamen im schnellsten Galopp angesprengt, die Aufregung der Menge war groß. ,,Jetzt kommt der König," sagte der Heide. ״O nein", sprach der blinde Mann, ״das ist er nicht". Nach einer längeren Panse entstand wi״der e>'n Gewoge und ein Drängen. Karossen, prachtvoll ausgestattet mit vier nnd sechs Pferden bespannt, fuhren heran und bildeten -.ine Augenweide für die neugierige Menge. — Jetzt ist rer König da," sprach wi der der Heide. ״Nein", war dis Antwort des blinden Rabl.׳!, das ist er ancb nicht. Nnd wieder nach einiger Zeit da r man, w-e alles unwillkührlich vor einem einfachen Wagen, in stiller Eins uvcct rrni ckwick und wie das Getöse einer lantlosen Sk-.lle Platz machte. Siebst du, sagte der blinde Rabbi, jetzt ist der König vier. Der Heide erstaunr, fragte, wie so er das gewusst habe. Das wusste ich ans unserer Bibel." war di-- Aurwort, denn da beißt es: .Nicht im Feuer, nicht im wüsten Kriegsgeschrei, nicht im sturindrausellden Winde, sondern sanft im milden, erquickenden Luftchen, da zeigt sich die wahre Majestät. Und so ist es auch bei uuf er ein österreichischen Kaiser. Erhaben über alle Parteien, duldete er niemals, dass unseren Glaubensgenossen ein Unrecht geschehe. Er löste nn'ere Fesseln, er zog alle hemmenden Schranken hinweg nnd stellt: uns gleichberechtigt neben andern Mitbürgern, ,Ich dulde in meinem Lände keine Hetzereien,' sagte er. nnd in einer Stadt, wo antisemitische Wahlumtriebe über Hand zn nehmen drohten, sprach er zum Bürgermeister: .Ich hoffe, dass die Wahl im anständigen Sinne aussalleu wird.' Ein solcher Herrscher verdient es wohl, wenn w r alle hier, ob Oesterreicher oder Nichtöfterreicher unser GlaS erheben und rufen: ,Unser geliebter Kaiser Franz Joses I., er lebe hoch, hoch, hoch!' Ein stürmisches, dreimaliges Hoch war die Antwort der zahlreichen Gesellschaft. Cantor M. Blatt. Cotresponden; der Nedaetion. D. in S. (R.) Bachm. hat bereits seinen Antritts-Bortrag abgehal.en. Musikd. L. in B. Das gesandte Werk erhalten. Grus;. Alp. in CH. (Rußl.) Wir wollen Ihnen noch diese kurze Zeit gedulden. Iw. in W. Bist. Wir erwarten immer vergebens aus Erfüllung Ihres Versprechens. F. in B- Nach den Feiertagen stellen wir Ihnen das G.-Werk zur Verfügung. Wir ersuchen neuerdings um Zusendung Ihres שירי ישראל für die Redaktions-Bibliothek. Annonymus. So gerne wir bereit sind, Ihr Eingesendet zu veröffentlichen, muffen wir dennoch daraus bestehen, dass Sie Ihren Namen der Redaction nennen. Den Lesern gegenüber werden wir natürlich die strengste DiScretion bewahren. Die Rednrtion : Zahlungen der Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind an die Nedaetion Wien, II., Rovaragaffe Rr. %% zn senden. (BonC'UZ'X In der isr.-orth. Gemeinde zu GrosswardeSn ist die . Stelle eines משורר, der eine klangvolle Tenorstimme besitzen und musikalisch gebildet sein muss, zu besetzen. Gehalt per Monat 20—25 fl. Nebeneinkommen bedeutend. Reflectanten wollen ist re Gesuche sammt Zeugnisse an den Gefertigten sofort einsenden. Meier Schorr Ober-Canfcor. Pianoforte-Fabrik BERNHARD K011N WIEN, I., vtrl. 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