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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-08-13 · Heft 28 (13.8.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 28 (13.8.1885)
Date
1885-08-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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- S - Zusammenleben und geistiges Zusammenwirken soll diesem hohen Zwecke zugestkuert werden. Zn Zeiten der äußersten Drangsale soll hier der jüdische junge Mann im Kreise seiner Stammesgenossen Stärkung und Erbauung sich holen, nach den Mühen der alltäglichen Arbeit in geselligen Zusammenkünften und würdigen Unterhaltungen il׳m fteundlich und brüderlich entgegenschlagende Herzen finden; bier soll durch Pflege und Verbreitung der jruhmwürdigen jüdischen Geschichte und jüdischer Wissenschaft die Liebe zu seinem Volke geweckt und hochgehalten werden, — hier soll der Geist unserer Väter wieder Einkehr finden und uns auf seinen mächtigen Zittigen einer schöneren und glücklicheren Zukunft entgegensühren! Auf denn, Ihr jugendlichen Söhne Israels, auf, Ihr reifen Männer und Ihr uuiseu Greise, tretet bei diesem heiligen Bunde, lasset ihm Euere materielle und geistige Unterstützung ange« deihen und unser ernstes Streben wird mit GotteS Beistand von Erfolg gekrönt sein\* Die Aufnahme von Mitgliedern findet statt: im Redactionslocale der ,Selbst-Emancipation', II., Castellezgasse 8 (Sprechstunden von 4—5 Uhr Nachmittags), im RedactiouSlocale der ,Oefterreichischen Wochenschrift^, II., Obere Donanstraße 65, sowie jeden Sonntag von 2—4 Uhr Nachmittags in Bley's Restauration, I., Ruprcchtsplatz 1. Zuschriften und Geldsendungen sind gefl. an die Adresse: stuck. jur. Abr. Salz, II., Novaragaffe 21, 2. Stiege Thür 4, zu richten. Wudapest Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, hat College Bachmann aus Odessa bereits seinen Posten als Obercantor an der Rombachsynagoge in Pest angetreten und wird bereits am nächsten Samstag seine erste Function ausüben. (Indem wir Herrn Bachmann als unseren engeren Collegen herzlichst begrüßen, wünschen wir ihm viel Glück in seiner neuen Stellung. Die Red.) ./ Linz. Der Cantor der hiesigen Gemeinde, Herr H. Grünwald, leistete einer Einladung Folge, anlässlich des am 24. Juli hier abgehaltenen Lehrertages bei einem Unterhaltungsabende mitzuwirken. Er entledigte sich seiner Aufgabe in so glänzender Weise, dass er stürmisch acclamirt Nummer auf Nummer folgen lassen musste. Der Erfolg ist um so höher anznschlagen, als das Publikum ein äußerst kunstsinniges war und, so zu sagen, die Elite von Linz bildete. Hervorragende Honoratioren der Stadt, wie beispielsweise der ehemalige Landeshauptmann und nunmehrige Reichsrathsabgeordnete Dr. Eigner, drückten dem Sänger ihre vollste Anerkennung aus. Lewöerg. Die durch das neue Gewerbegesetz normirte SonntagLruhe ist für die jüdischen Kaufleute und Handwerker, die namentlich in Galizien mit der größten Rigorosität die Sabbathruhe einhalten, von großem Nachtheile. Angesichts dessen haben der Verein der Kaufleute, sowie auch der Handwerkerverein eine diesbezügliche Petition au das Ministerium des Innern und die Statthalterei gerichtet. Aus demselben Grunde sah sich auch, wie der ,Lemberger Israelit' berichtet, der Lemberger israelitische Cultusvorstand veranlasst, sich an das Ministerium des Innern mit folgender Eingabe zu wenden: Hohes k. k. Ministerium! Die Tendenz der im § 75 der Gewerbeaesetzuovelle enthaltenen Bestimmung über die Sonntagsruhe geht dahin, dass jedem gewerblichen Hilfsarbeiter ein obligatorischer Ruhetag in jeder Woche gewährleistet werde. Hiebei wurde aber ganz übersehen, dass für den jüdischen Gewerbsmann nach den Vorschristen seiner Religion die hier zu Lande strengstens "observirte Sabbathruhe geboten ist, welche am Freitag Nachmittag beginnt und am Samstage ׳ in später Abendstunde endet. Wenn nun der jüdische Gewerbsmann auch noch überdies von Sonntag 6 Uhr Morgens bis Montag Früh feiern und ruhen soll, dann werden ihm 60 ArbeitSstmiden per Woche unwiderbringlich entzogen. Dies kann unmöglich vom Gesetzgeber beabsichtigt worden sein, und wäre, , für den jüdischen Gewerbsmann geradezu ein Todesstoß. Es ist leider notorisch, dass sie Verarmung Hunter der zahlreichen Bevölkerung, unseres Landes von Jahr zu Jahr mehr über- Hand nimmt. Angesichts dessen wurde oft die Nothwendigkeil betont, auf die Förderung des Gewerbes unter den Juden Galiziens hinzuarbeiten und dafür Sorge zu tragen, dass fies sich produktiven Beschästigungen zuwendeu. Wird aber dem jüdischen Arbeiter und Gewerbestande eine dritthalbtägige Wochenruhe auserlegt, dann macht man ihn von vorneherein geradezu konkurrenzunfähig und liefert ihn dem finanziellen Ruin aus. Die verderblichen Folgen dieser Maßregel eingehend zu erörtern, ist übrigens nicht uniere Sache, und wirmüssen diese Aufgabe den kompetenten Faktoren überlassen. Von nnserm Standpunkte, da wir lediglich dazu berufen sind, die Befriedigung der konfessionellen Bedürfniße unserer Glaubensgenossen anzustreben, fühlen wir uns vor Allem verpflichtet, der Besorgnis Ausdruck zu geben, dass die Juden zur Sonntagsruhe gezwungen, im harten Kampfe um's Dasein sich zur Verletzung des Gebotes der Sabbatheiligung und also zur Mißachtung einer religiösen Grundregel, so zu sagen von Staatswegen gedrängt sehen konnten. Von diesen Erwägungen geleitet, erlauben wir uns die ergebene Bitte zu stellen: Das hohe k. k. Ministerium geruhe, die jüdischen Handels- und Gewerbslente, welche die Sabbathrnb.׳ beobachten, von der Einhaltung der Sonntagsruhe zu befreien. Königin und Schülerin. Aus Belgrad wird folgende hübsche Geschichte mitgetheilt: Königin Natalie von Serbien wohnte dieser Tage den Prüfungen der höheren Classe der hiesigen Mädchenschule bei. Unter Anderem erregten die correeten Antworten eincs bildhübschen 12jährigeu Mädchens,, das sich insbesondere durch seine Kenntnis der serbischen Sprache und Litteratur auszeichnete, die Ausmerksamkeit der Königin. Ihre Majestät fragte die Kleine, wie sie heiße und wer ihr Vater sei. ,Natalie/ antwortete das Mädchen, ,mein Vater ist der Graveur Markus Benedikt. ,Benedikt, Benedikt," wiederholte die^Konigin, ,mir ist, als ob mir der Name nicht nnbekannt wäre.' ״Gewiß ist dieser Name Ew. Majestät nicht nnbekannt/ sagte die mnthige Kleine, ,denn mein Vater ist ein Enkel des berühmten Landes-Rabbiners in Nikolsburg, Markus Benedikt/ Die Königin und die ganze Versammlung lachte herzlich über diese naive Ausklärnng, während sich die schwarzen Augen der Kleinen ob dieses unerwarteten EfsekrS mit Thränen füllten. ,Freilich', erwiderte hieraus die gütige Königin, ,muß ich schon von dem gelehrten Rabbi ge- Hort haben. Dir aber, mein braves Kind, übergebe ich dieses Körbchen als Lohn Deines Fleißes.' Und sie überreichte dem nberglücklichen Kinde ein seidenes Körbchen mit 10 Dukaten. London. Die;weitälteste Synagoge Londons, der Tempel der Portugiesin, soll niedergerissen werden. Dieselbe liegt in Bevis Marks und ist im Jahre 1701 erbaut worden. Noch vor wenigen Jahren besaß sie eine zahlreiche Gemeinde und war eines der am Sabbath am stärksten besuchten jüdischen Gotteshäuser Londons. Allein diese Verhältuiße haben sich in letzter Zeit sehr geändert. Die früher armen Inden sind reiche Leute geworden. Die City hat sich ausgegedehnt, alle Weit eilt seine Wohnung in den Vorstädten aufzuschlagen; Toleranz ist eingekehrt, wo früher Aberwitz und Verfolgung herrschte; und so sind jetzt die Juden, die sonst auch in London an einem Ghetto ähnlichen Wohnuugsdistrict gebunden warön, über die ganze Stadt zerstreut, die Gemeinde der Central-Synagoge ist ausgestorben; überall in den Vorstädten - haben sich neue Zweig-Gemeinden gebildet, sind neue, leichter errreichbare Gotteshäuser erbaut worden. Nur wenig Andächtige noch finden sich in ihr am Sabbatb ein, und so hält man es nicht mehr der Mühe für werth, das ׳ alte

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